Immer mehr Informationen. Immer mehr soziale Medien. Immer mehr politische Inhalte im Alltag junger Menschen. Für den RDJ steht deshalb fest, dass politische Bildung endlich ein eigenständiges Schulfach werden muss.
Gerade junge Menschen würden sich mehr politische Bildung im Unterricht wünschen. "Wir sprechen regelmäßig mit Jugendlichen – sei es durch Projekte, Veranstaltungen oder Stände, die wir organisieren. Darüber hinaus haben wir auch Umfragen durchgeführt, bei denen wir direkt mit Jugendlichen in den Austausch gehen. Darauf basieren wir uns einfach. Und natürlich gibt es auch die Ehrenamtlichen im Rat der deutschsprachigen Jugend selbst, die diese Forderung ganz klar unterstützen", sagt Lara Bongartz vom RDJ.
Der Rat der deutschsprachigen Jugend bemängelt vor allem, dass trotz Gesprächen mit der Politik konkrete Veränderungen ausgeblieben sind.

Die Regierung ist momentan damit beschäftigt, einen neuen, übersichtlicheren Rahmenplan für die Sekundarschulen auszuarbeiten. Klar ist: Der neue Rahmenplan sieht aktuell kein eigenständiges Fach für politische Bildung vor. Unterrichtsminister Jérôme Franssen betont aber, dass politische Bildung künftig verpflichtend werden soll – und zwar fächerübergreifend. "Der fächerübergreifende Ansatz ermöglicht zum einen, dass in mehreren Fächern politische Bildung verankert werden kann und dadurch auch mehr Gegenwartsbezug in allen Fächern Einzug halten kann."
Die Regierung setzt also auf einen sogenannten Querschnittansatz. Politische Bildung soll unter anderem in Geschichte, Geografie oder Sprachfächern stärker verankert werden.

Der RDJ hält den Querschnittansatz für nicht ausreichend. "Nein absolut nicht, dann wird die Verantwortung einfach auf ganz viele Akteure verteilt, ein politisches Fach wäre einfach viel zielführender", sagt Lara Bongartz.
Der Minister verweist darauf, dass politische Bildung als eigenständiges Fach bereits heute möglich ist. Schulen in der DG dürfen selbst entscheiden, ob sie ein solches Fach einführen möchten. Eine Sekundarschule habe diesen Weg bereits gewählt.
"Schule dauerhafter Entwicklungsprozess"
Der neue Rahmenplan für die Sekundarschulen soll jedenfalls 2028 verabschiedet werden. Ob der fächerübergreifende Ansatz am Ende funktioniert, müsse sich allerdings erst zeigen. "Es geht nicht nur um das Einführen von Kompetenzen. Die viel wichtigere Frage ist tatsächlich: Wie wird das dann in der Praxis umgesetzt? Wenn wir feststellen, dass das so nicht funktioniert, dann müssen wir gegebenenfalls auch nachschärfen. Die Schule ist ein dauerhafter Entwicklungsprozess und wir müssen da am Ball bleiben", sagt Unterrichtsminister Jérôme Franssen.
Der RDJ will bis dahin weiter Druck machen. "Ich hoffe, dass man auch unsere Meinung hört, dass dann endlich irgendwann mal nach 20 Jahren hoffentlich politische Bildung als eigenständiges Fach in den Sekundarschulen zur Realität wird."
Ob eigenes Fach oder Querschnittthema, einig sind sich beide Seiten zumindest in einem Punkt: Politische Bildung wird in Zeiten von Social Media und gesellschaftlicher Polarisierung immer wichtiger.
Dogan Malicki
Das ist die falsche Diskussion.
Die zentrale Frage lautet : Sollen Informationen vermittelt werden oder soll indoktriniert werden ?
Mir erschließt sich nicht genau, welche Inhalte der RDJ im Fach "Politische Bildung" verankert haben möchte. Und wenn es ein solches Fach wirklich geben würde, wer soll es unterrichten? Muss die AHS dann einen gesonderten Bachelor ausschreiben? Aus meiner Sicht ist es viel wichtiger, dass die jungen Leute sowohl konstruktiv als auch konfrontativ argumentieren und diskutieren lernen (Deutsch und auch Fremdsprachen), Informationen zu sammeln, zu sichten und zu erkennen, welche Fakten wirklich wichtig und relevant sind (u.a. Medienkompetenz), das Funktionieren unserer Demokratie und ihrer Institutionen, angefangen in den Gemeinden, und deren Entstehen kennenlernen (Bürgerkunde, Geschichte...). Wahrscheinlich habe ich noch etliche Elemente vergessen. Ich bin nicht oft mit der aktuellen Unterrichtspolitik in der DG einverstanden, aber ein gesondertes Fach erscheint mir nicht sinnvoll, auch deshalb, weil man der Lehrkraft schnell vorwerfen wird, sie sei nicht neutral. Mehrere Lehrkräfte bedeutet auch mehr Pluralität.