Am Mittwochnachmittag gegen halb zwei betreten rund 60 Schüler das Auditorium - laut, gut gelaunt. Doch die Stimmung kippt schnell. Joëlle Brüls von der Polizeizone Eifel begrüßt die Jugendlichen. Dann beginnt sie, von ihrem ersten schweren Unfall zu erzählen - damals war sie privat unterwegs. Alle überlebten. Andere hatten weniger Glück.
Es folgen Fotos von echten Unfallorten, Bilder von völlig zerstörten Fahrzeugen und Videos, die Unfälle extrem realistisch nachstellen. Im Saal wird es mucksmäuschenstill. Die Schockmomente sind Teil des Konzepts.
"Wir glauben, dass mental etwas mit den Leuten passiert. Wenn die Leute das sehen, können sie sich damit identifizieren. Und wenn sie
sich emotional damit in Verbindung bringen, wird das wahrscheinlich dazu führen, dass die Leute, wenn sie sich das nächste Mal ins Auto setzen, besser aufpassen. Vielleicht auch daran denken, leg das Handy weg. Oder nein, ich fahre nicht - wenn ich getrunken habe, lasse ich mich fahren und abholen", erklärt Joëlle Brüls.
Zahlen und Schicksale aus der Region
Entlang der Eifelstraßen erinnern Kreuze, Kerzen, Blumen und Gedenktafeln an tödliche Unfälle - etwa in Maspelt, Emmels, Bütgenbach oder Mirfeld. Die Bilanz der letzten zwei Jahre: 207 Unfälle mit Verletzten, 55 Schwerverletzte und neun Tote.
Nacheinander berichten verschiedene Einsatzkräfte von ihren Erfahrungen: Rettungssanitäter, Polizisten, eine Opferbetreuerin, ein Notfallseelsorger, ein Notarzt, ein Feuerwehrmann. Sie erzählen, was solche Einsätze mit ihnen machen. Dass manche Bilder bleiben - für immer. Und dass es besonders schwer ist, wenn junge Menschen betroffen sind.
Deshalb immer wieder der eindringliche Appell: Bitte, fahrt vorsichtig. Passt auf euch und eure Freunde auf. Es gibt Leute, die warten auf euch.
Besonders bewegend ist der Bericht eines Unfallopfers. Der junge Mann schildert seinen langen Weg zurück ins Leben - und die schweren Folgen seiner Querschnittslähmung.
Viele junge Menschen unterschätzten die Risiken im Straßenverkehr, sagt Joëlle Brüls. Sie hofft, "dass sie sich vielleicht mal bewusst werden, okay, ich kann bei jedem Unfall sterben. Meine Eltern bleiben zurück, meine Geschwister, meine Familie, Freundin, Frau, Kinder. Ich denke, das ist vielleicht eher jetzt im Bewusstsein als vorher."
Wirkung bei den Jugendlichen
Doch kommt die Botschaft auch an? Die Reaktionen der Schüler fallen unterschiedlich aus. "Sie haben recht, aber ich glaube nicht dass es viel ändern wird. Bei mir vielleicht, aber bei anderen weiß ich nicht." "War schon ergreifend. Ich habe sowas noch nie erlebt, aber geht einem
schon nah." "Ja, sicherer fahren. Also nicht mit anderen, die Alkohol trinken haben oder sowas." "Ja, das war schockierend zu sehen. Ja, da lief es mir kalt und warm den Rücken runter. Und dann auch die Videos, die dabei waren. Das war schon nicht ohne."
Die Lehrerinnen bestätigen: Das Projekt wirkt nach. Im Unterricht wird weiter darüber gesprochen - oft noch lange.
Projekt könnte ausgeweitet werden
Doch nicht nur Jugendliche gehen Risiken im Straßenverkehr ein. Deshalb denkt der Polizeirat der Eifel darüber nach, das Projekt künftig auch für die breite Öffentlichkeit zu öffnen. Denn die Botschaft richtet sich an alle: Wer am Steuer sitzt, trägt Verantwortung - für sich und für andere.
Gaby Zeimers


