Unser Strombedarf steigt rasant. Dahinter steckt einerseits die Energiewende: Aus fossilen Brennstoffen aussteigen heißt, mehr regenerative Energiequellen zu nutzen. Dadurch wird die Stromproduktion dezentraler und daran müssen die Stromnetze angepasst werden. Auf der anderen Seite, nämlich der der Verbraucher, steigt der Strombedarf explosionsartig an. Auch daran müssen die Stromnetze angepasst werden. Diese Entwicklungen hängen nur teilweise zusammen, denn wir brauchen auch unabhängig von der Energiewende mehr Strom.
Jean Fassiaux, der Pressesprecher von Elia, spricht von einer regelrechten Explosion der Anfragen. "Vergleicht man 2024 und 2025, hatten wir 2025 Anfragen für vier Mal mehr Stromvolumen als 2024." Die Situation ist so akut, dass in einigen Gebieten neue Anschlüsse verweigert werden. So oder so sind die Wartelisten in der gesamten Wallonischen Region extrem lang.
Und ein weiterer Faktor lässt den Strombedarf explodieren: Die aktuelle, geopolitische Lage, vor allem der Krieg in der Ukraine, hat viele europäische Länder erkennen lassen, wie teuer es ist, sich zu sehr von Öl und Gas aus anderen Teilen der Welt abhängig zu machen. "Die meisten europäischen Länder haben durch den Krieg in der Ukraine entschieden, ihre Energiewende schneller voranzutreiben. Beim Krieg im Iran ist es noch zu früh, um dessen Auswirkungen abzuschätzen."
Milliarden-Investitionen
Elia investiert massiv, um die fehlenden Kapazitäten aufzubauen. "Wir investieren vier Mal so viel wie vorher in das Transportnetz. Elia investiert allein in der Wallonie in den nächsten fünf Jahren mehr als 2,5 Milliarden Euro in den Netzausbau."
Das Geld soll vor allem in Trafo-Stationen und Hochspannungsleitungen fließen. Aktuell hat Elia 216 Baustellen im ganzen Land. "Daran sieht man deutlich, dass wir das Stromnetz konstant weiterentwickeln, um auf die aktuellen Herausforderungen zu reagieren", sagt Fassiaux.
Großprojekte in Ostbelgien
In Ostbelgien gibt es aktuell zwei große Projekte. Das erste ist die sogenannte Ostschleife. Sie verbindet Bütgenbach mit Trois-Ponts und soll vor allem dazu dienen, Windkraftanlagen mit dem Pumpspeicherkraftwerk in Coo zu verbinden. Aktuell laufen die Arbeiten zwischen Bervercé und Trois-Ponts. "Der erste Teil wurde bereits fertig gestellt. Aktuell arbeiten wir an der zweiten Phase. Die wird voraussichtlich 2030 abgeschlossen."
Das zweite Projekt ist noch in der Planungsphase. Die sogenannte "BE-DE"-Leitung wird die zweite, internationale Verbindung zwischen Deutschland und Belgien. Sie soll die ALEGrO-Trasse ergänzen, die 2020 fertig gestellt wurde.
Auch das zeigt, wie unerwartet sich unser Strombedarf in den letzten Jahren verändert hat. Und zwar so sehr, dass mehr Infrastruktur allein nicht ausreicht. Um der Anfragenflut Herr zu werden, setzen Netzbetreiber und Politik deshalb auch auf kreative, kurzfristige Lösungen.
Neue Vergabekriterien
Neben flexiblen Anschlüssen, die zeitweise abgeschaltet werden können, damit vorhandene Kapazitäten effizienter genutzt werden können, freut sich Elia auch über die neuen Vergabekriterien für Stromanschlüsse. Bisher galt hier "Wer zuerst kommt, malt zuerst". "Diese Zeiten sind dank des neuen Gesetzes der Wallonischen Region bald vorbei", erklärt Fassiaux. "Stattdessen sollen Projekte bevorzugt werden, die einen gesellschaftlichen Nutzen haben und den Strom in ihrem Gebiet nicht monopolisieren. Die genauen Kriterien dazu müssen noch von der Politik festgelegt werden."
"Wichtig ist auch, dass unausgereifte Projekte nicht Kapazitäten blockieren, obwohl sie niemals gebaut werden", meint Fassiaux. "Ziel der Politik ist es, die vorhandenen Kapazitäten für ausgereifte Projekte zu nutzen."
Herausforderung Netzausbau: Auch in Ostbelgien steht der Strom im Stau
Anne Kelleter
Dass der Stromverbrauch explosionsartig steigt ist normal, denn es soll ja jeder auf E-Auto, E-Bike, E-Scooter, ... umsteigen.
Menschen, die weniger Strom verbrauchen, sind im Endeffekt die Dummen, da sie die Mehrkosten mitfinanzieren müssen.