Zwischen 2022 und 2024 ist der Strombedarf in der DG um fast 14 Prozent gestiegen, um knapp 50 Gigawattstunden (GWh) auf etwas mehr als 350 Gigawattstunden pro Jahr. "Das ist rasant", erklärt Benno Dunkmann, Pressesprecher vom Netzbetreiber Ores.
"Das Problem ist nicht, dass wir uns verändern, also die Energiewende. Das Problem ist die Veränderungsgeschwindigkeit. Das heißt, es kommen gleichzeitig viel mehr Anfragen. Und gleichzeitig befinden wir uns im oberen Drittel der Leistungsfähigkeit der Netze. Jede Anfrage muss also genau untersucht werden, um zu schauen, passt es noch ins Netz?"
Ores ist zuständig für den Ausbau der Stromnetze mit Nieder- und Mittelspannung. Niederspannung versorgt vor allem Haushalte, Mittelspannung Gewerbe und Industrie. Für das Hochspannungs-, also das Transportnetz, ist Elia zuständig.
Wenn man so will, sind die Stromnetze das Nadelöhr zwischen Produzent und Verbraucher. Selbst wenn wir genug Strom produzieren, er muss von A nach B. Und dieses Nadelöhr wird aktuell immer enger, denn die Netzbetreiber kommen mit dem Ausbau nicht hinterher.
"Wir haben unsere Investitionssumme verdoppelt. Historisch waren es für alle Gebiete, die wir abdecken, 200 Millionen Euro pro Jahr. Jetzt sind es 400 Millionen Euro pro Jahr. In den nächsten fünf Jahren, bis Ende 2029, werden wir 2,1 Milliarden Euro investieren. Das ist eine große Herausforderung", gibt Dunkmann zu.
Die Herausforderung liegt aber nicht nur in den Kosten, sondern auch im Material. Das Problem Netzausbau besteht weltweit. Die nötigen Bauteile sind also knapp und werden teurer. Außerdem gibt es lange Lieferzeiten. Das verzögert die Baustellen, während die Zeit drängt, denn die Stromknappheit beeinträchtigt auch die wirtschaftliche Entwicklung in unserer Region.
Knapp zwei Drittel des Stroms in der DG wird von Gewerbe und Industrie verbraucht. Gewerbezonen sind deshalb auch die größte Baustelle für Ores beim Netzausbau. In vielen Industriegebieten, zum Beispiel im East Belgium Park, werden die Wartelisten für neue oder stärkere Stromanschlüsse länger.
Der Druck auf die Netze ist so groß, dass die Politik bereit ist, im Extremfall Lieferbeschränkungen einzuführen. Für diesen Teil der Energiepolitik ist die Wallonie zuständig. Die zuständige Ministerin Cécile Neven hat ein Gesetz ausgearbeitet, das den Strommarkt neu organisiert.
"Das zielt auf eine intelligentere Nutzung der vorhandenen Kapazität ab. Wir können das noch nicht umsetzen, denn die vertragliche Ausgestaltung mit unserer Aufsichtsbehörde muss noch definiert werden, aber grundsätzlich ist es eine gute Idee, darüber nachzudenken. Wenn es möglich ist, dass man seinen Verbrauch auf eine andere Uhrzeit verlagert - wenn man zum Beispiel einen Batteriepark hat - kann man den Verbrauch verlagern. Für manche sind solche Beschränkungen tolerierbar, für andere nicht."
"Man ist in Ostbelgien zum Glück noch nicht an dem Punkt wie an anderen Stellen der Wallonischen Region, wo Kunden Projekte stoppen mussten, weil sie keinen Anschluss mehr bekommen", sagt Dunkmann, "aber man muss sich der Perspektive bewusst sein: Wir wollen den Energieverbrauch CO2-frei machen und die Frage ist: Wie schnell geht das voran? Heute wissen wir: Es geht schneller als wir es antizipieren konnten. Diese Perspektive zwingt uns dazu, heute innovative Lösungen zu finden. Wir sind in Ostbelgien heute zwar noch nicht davon betroffen, dass Anschlüsse verweigert werden, aber wir wollen ja auch nicht dahin kommen."
DG-Regierung erwägt neue Stromtrasse zwischen Aachen und Eupen
Die DG-Regierung erwägt eine neue Stromleitung zwischen Aachen und dem East Belgium Park. Das geht aus einer Antwort von Ministerpräsident Oliver Paasch auf eine schriftliche Frage der PFF-Abgeordneten Evelyn Jadin hervor.
Der Vorschlag stammt von einem Professor der RWTH Aachen. Er könnte helfen, die aktuellen Strom-Lieferengpässe im Gewerbegebiet zu begrenzen. Weil das Stromnetz überlastet ist, müssen einige Betriebe dort länger auf ihren Stromanschluss warten. Das schadet der wirtschaftlichen Attraktivität des Standorts.
Das Projekt ist zurzeit nur ein Vorschlag, aber die DG-Regierung hat diesbezüglich schon Gespräche mit den zuständigen Netzbetreibern geführt. Elia müsste die Trasse bis zum East Belgium Park bauen. Ores würde dann die Verteilung des Stroms an die Endverbraucher übernehmen.
Anne Kelleter