Vor rund 20 Jahren ging die Reise für Philippe Mennicken bei Theon los. Durch Zufall stieß der Eupener damals auf das griechische Unternehmen. Heute ist er stellvertretender Geschäftsführer. "Als ich damals angefangen habe, war es eine kleine Firma mit 30 oder 40 Angestellten und zehn bis 15 Millionen Euro Umsatz. Heute sind wir fast 1.000 Leute mit einem Umsatz von einer halben Milliarde Euro."
Eine Entwicklung, die nicht von ungefähr kommt. Der technologische Wandel in der Kriegsführung macht Nachtsicht- und Wärmebildtechnologien immer wichtiger auf dem modernen Schlachtfeld. Das habe sich unter anderem im Ukraine-Krieg gezeigt, so Mennicken.
Immer mehr Armeen rüsten ihre Soldaten dementsprechend aus. Die Produkte der Firma werden in über 70 Länder exportiert. Unter anderem nutzen Streitkräfte der USA, Europa oder im fernen Osten die Technologien. 60 Prozent des Weltmarkts für Nachtsichtbrillen gehört Theon.
Im Dezember unterzeichnete das Unternehmen eine Vertragsanpassung mit OCCAR - der gemeinsamen Organisation für Rüstungskooperation. 100.000 weitere Nachtsichtbrillen sollen für die belgischen und deutschen Streitkräfte hergestellt werden - ein Auftrag im Wert von einer Milliarde Euro. Die größte Einzelbeschaffung von Nachtsichtbrillen, die ein Nato-Mitglied jemals getätigt hat.
Mit dem neuen Produktionsstandort der Firma in Zaventem wolle das Unternehmen etwas zurückgeben - unter anderem Arbeitsplätze. Aktuell sind zwölf Mitarbeiter an dem Standort beschäftigt, in Zukunft soll die Zahl anwachsen.
In Belgien wird das Wärmebildgerät "Iris-c" gebaut. "Wärmebild ist für einen Soldaten sehr wichtig. Wärmebildsignaturen können im Einsatz viel einfacher gesehen werden, als ein einfaches Nachtsichtbild. Nutzt ein Soldat die Iris-c im Einsatz, dann kann er sehr schnell und einfach sehen, ob andere Kräfte in der Umgebung sind. Das Gerät ist sehr klein, sehr leicht und wird auf die Nachtsichtbrille montiert. Leicht und klein ist hier sehr wichtig, weil jedes Gramm mehr vom Soldaten auch mehr Leistung fordert."
Bei der Eröffnung des neuen Standortes in Zaventem war auch Verteidigungsminister Theo Francken dabei. Er begrüßte die Ansiedlung des Unternehmens in Belgien sehr. "Wenn Sie sich den Krieg in der Ukraine oder die aktuelle Situation im Mittleren Osten ansehen, wird schnell klar, dass moderne Kriegsführung sich um Technologie dreht. Es geht um Digitalisierung, es geht um KI, es geht um unbemannte Systeme. Es geht immer um Bilder und eine möglichst gute Sicht. Es geht darum, wer weiß, wo man zuschlagen muss und wie man schnell zurückschlägt. Wer die besten Satelliten und die besten Daten hat. Daten sind die heutigen Kugeln. Die Produkte von Theon in unserer Kriegsführung zu haben, ist ein großer Vorteil", so der Verteidigungsminister.

In den nächsten Jahren rechnet auch Theon mit weiteren Entwicklungen im Unternehmen. "Es werden mehr Technologien kommen, die Daten einspielen können und dem Soldaten Augmented-Reality-Fähigkeiten geben. So hat der Soldat dann eine bessere Sicht des Schlachtfelds. Wir sind dran, neue Produkte zu entwickeln, die genau in diese Richtung gehen", so Mennicken.
Radio-Interview mit Philippe Mennicken im Player:
Lindsay Ahn



