560.000 Hektar: So groß ist der Wald in der Wallonischen Region. Jedes Jahr werden Bäume geerntet - und neu gepflanzt. Viele Samen dafür kommen aus dem Zentrallager des "Comptoir Forestier" in Marche-en Famenne. Das halbrunde Gebäude liegt selbst fast wie ein Samen in der Erde. Hier lagern mehr als 40 Sorten Samen für Waldbäume und einheimische Heckenpflanzen.
Das "Comptoir Forestier" in Marche-en-Famenne ist so etwas wie die Samenbank für die Wälder und Hecken unserer Region. Die Mitarbeiter sammeln überall in der Wallonie Samen von verschiedenen Waldbäumen und von Heckenpflanzen. Sie säubern und sortieren sie und dann werden die Samen an private und öffentliche Waldbesitzer verkauft. Sie sind also die Grundlage für neue Pflanzungen - sie bilden unseren Wald der Zukunft.
Die Bäume von morgen kommen aber nicht aus irgendeinem Wald. Nur sogenannte Elite-Bäume in speziellen Zonen dürfen beerntet werden. Diese Zonen sind in der ganzen Wallonischen Region verteilt, auch in Ostbelgien - zum Beispiel im Eupener Langesthal, in Lontzen, über der Eupener Talsperre oder im Hohen Venn.
Die Elite-Bäume müssen besonders typisch für ihre Art sein und besonders gute Qualität haben: kräftig wachsen, wenig krankheitsanfällig sein und gut an das Klima hier angepasst. Außerdem braucht es viele Bäume derselben Art nebeneinander, damit die genetische Vielfalt innerhalb einer Probe gegeben ist.
Auch welche Arten gesammelt werden, ist kein Zufall. Durch den Klimawandel steht der Wald unter Druck. Und Bäume, die heute gepflanzt werden, müssen auch noch in 50, 100 oder mehr Jahren wachsen. "Wir haben einige Sorten, die nicht mehr an das Klima, das wir in Zukunft erwarten, angepasst sein werden. Wir versuchen also, Sorten zu finden, die sowohl trockenheits- als auch frostresistent sind. Denn hier werden wir trotz allem noch Fröste erleben. Deshalb müssen die Bäume beides aushalten können", erklärt die Leiterin der Einrichtung, Eléonore Scholzen.
Durch seine Arbeit gestaltet das "Comptoir Forestier" den Wald der Zukunft. Ein Wald, der laut Scholzen viel gemischter sein wird, als wir es bisher gewohnt sind und der mit der großen Herausforderung aufwächst, die richtige Balance zwischen Produktivität und Widerstandsfähigkeit zu finden.
In den 30 Jahren, in denen das "Comptoir Forestier" besteht, haben die Mitarbeitet übrigens schon 80 Tonnen Samen gesammelt. Das ist genug, um ein Siebtel der Waldfläche der Wallonie neu zu bepflanzen.
Anne Kelleter






