Die Debatte im föderalen Parlament um die Identität der deutschsprachigen Belgier sorgt bei immer mehr Politikern für Verstimmung. Das Thema ist am Mittwoch auch im Wallonischen Parlament in Namur auf den Tisch gekommen.
Am Dienstag hatte der Défi-Abgeordnete François De Smet die Deutschsprachigen in der Kammer im Zuge einer Debatte um die Staatsreform als Wallonen bezeichnet. Das entspreche nicht der Realität, schreibt der deutschsprachige Abgeordnete Luc Frank (CSP-Les Engagés) in einer Pressemitteilung.
Sowohl er selbst, als auch Premier Bart De Wever (N-VA) hätten sich umgehend gegen diese Bezeichnung gewehrt. De Wever habe dem Défi-Abgeordneten in einer Replik sogar Rassismus und Kolonialismus vorgeworfen. Frank unterstreicht: Der Vorfall zeige, wie wichtig es sei, dass die Deutschsprachigen auf föderaler Ebene im Parlament vertreten seien.
Reaktionen auch von Mauel und Paasch
Die Deutschsprachigen lebten auf dem Gebiet der Wallonischen Region, seien aber keine Wallonen, betont DG-Ministerpräsident Oliver Paasch (Pro-DG) in einer Pressemitteilung. Diese Unterscheidung sei kein Wortspiel, sondern Ausdruck der verfassungsrechtlich anerkannten Stellung als eigenständige Gemeinschaft in Belgien.
Die MR-Abgeordnete im Wallonischen Parlament, Christine Mauel, schließt sich dem an: Deutschsprachige als Wallonen zu bezeichnen, zeuge auch von einer problematischen Ignoranz und einer Leugnung der belgischen Staatsstruktur, so Mauel.
Spies spricht Thema im Wallonischen Parlament an
Als Reaktion auf die Aussagen im föderalen Parlament hat der SP-Abgeordnete im wallonischen Parlament, Patrick Spies, am Mittwoch auf Deutsch das Wort ergriffen. Der Abgeordnete forderte die Wallonische Regierung in Namur dazu auf, Stellung zu beziehen: sowohl zu den Aussagen des Premierministers als auch zur weiteren Entwicklung der Autonomie der Deutschsprachigen Gemeinschaft.
Dabei erinnerte Spies daran, dass viele Entscheidungen, die den Alltag in Ostbelgien betreffen, weiterhin in Namur getroffen würden. Der zuständige Minister Pierre-Yves Jeholet antwortete stellvertretend für den Ministerpräsidenten. Dabei bemühte er sich, teilweise auf Deutsch zu sprechen.
Er unterstrich die konstruktiven und positiven Beziehungen zwischen der Wallonischen Region und der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Spies unterstrich, dass die Deutschsprachigen Teil der Wallonischen Region seien. Aber das allein mache sie nicht zu "deutschsprachigen Wallonen".
mitt/dop
Politisches Affentheater 🐵.
Die Abgeordneten sollten lieber Alltagsprobleme lösen.
Gibt es eigentlich eine gesetzliche Definition der Begriffe "Wallone" und "Deutschsprachige(r)" ?
Wallonisches " Besetzerbenehmen" gibt es auch im Brüsseler Rand und nicht zuletzt in...Herbesthal. Integration non merci...
Wirklich wahr pures Affentheather.
Habe täglich mit Deutschen, Luxemburger, Niederländern und Luxemburger zu tun. Da identifiziere ich mich gerne mit einem einfachen , dankbaren und herzlichen Wallonen. Und bin gerne ein deutschsprachiger Wallone ! 😊