Ein normaler Tag an der Biogasanlage der Gebrüder Lenges: Ein Lkw mit Biomasse fährt an, um abzuladen. Anders als an vielen anderen Biogasanlagen werden in Recht nur Produktionsabfälle genutzt.
"Hier sieht man das Ankommen der verschiedenen Materialien. Zum Beispiel werden hier gerade Pizzen angeliefert. Dahinter gibt es Hundefutter, Mist und Gülle – all diese Stoffe kommen in die Anlage. Die unterschiedlichen Produkte werden zunächst zusammengemischt und anschließend in die sogenannten Fermenter eingebracht. Dort werden sie zu Biogas umgewandelt", erklärt Betriebsleiter Alwin Lenges.
Diese braune Masse aus Pizza, abgelaufener Milch, Marmelade und Hundefutter ist die Basis für das Biogas. Täglich kommen 130 bis 140 Tonnen Material hinzu. Die Familie Lenges hat sich bewusst für die Nutzung von Produktionsabfällen entschieden. Im Gegensatz zu anderen Biogasanlagen verwenden sie keinen Energiemais. Das spart Platz, denn Mais benötigt viel Lagerfläche.

Bei den Gebrüdern Lenges landet die Biomasse direkt in einem der drei Fermenter. "Im Fermenter selbst herrschen ideale Bedingungen: Er ist auf etwa 40 Grad beheizt, sodass die Bakterien optimal arbeiten können. Sie zersetzen die Biomasse und produzieren dabei Gas, das in den großen Behältern darüber gespeichert wird."
In den Behältern lagern bis zu 800 Kubikmeter Biogas. Dort wird es entweder gespeichert oder weitertransportiert. Durch Leitungen gelangt es zu den Motoren – zur nächsten Station. "Das aufbereitete Gas wird hier weiterverarbeitet: Es wird gekühlt, von Schwefel gereinigt und durch einen Aktivkohlefilter geleitet. Danach gelangt es zu den Motoren. Diese Motoren wandeln das Gas in Strom um."

"Aktuell produziert die Anlage rund 2.700 Kilowattstunden, die größtenteils ins Netz eingespeist werden. Ein Teil wird aber auch direkt hier im Betrieb genutzt." Dieser Strom wird anschließend über Hochspannungsleitungen zu den Verbrauchern transportiert. Die aktuelle Stromproduktion in Recht reicht aus, um rund 10.000 Haushalte zu versorgen.
Was 1998 als erste Biogasanlage Belgiens mit einer Leistung von 40 kW begann, ist über die Jahre stetig gewachsen. In den kommenden Jahren möchte die Familie Lenges die Produktion auf 4.500 kW ausweiten.
Aber zurück zum Fermenter: Neben dem Gas bleibt eine Restmasse übrig – auch diese kann weiterverwertet werden. "Der sogenannte Gärrest wird vom Schlepper aufgenommen und direkt aufs Feld gebracht, wo er als Dünger dient. Das ist besonders interessant, weil dieser Gärrest sehr stickstoffreich ist. Gleichzeitig wirkt sich das positiv auf die CO2-Bilanz aus, da die Herstellung von Stickstoffdünger normalerweise sehr energieintensiv ist."
Ohne Umwege gelangt der Gärrest auf das Feld. Damit ist der Kreislauf geschlossen. Gleichzeitig wird im Fermenter fleißig weiter Gas produziert – aus Pizza, Marmelade und Hundefutter.
Projekt "Journalist für einen Tag": Maxime und Jonathan von der BS

