Aussagen zur Deutschsprachigen Gemeinschaft lassen sich aus dem Kataster der Wallonischen Gesundheitsagentur nicht ableiten. Der Grund: Die neun DG-Gemeinden wurden im Bericht nicht berücksichtigt. Das Ministerium der DG führt jedoch ein eigenes Kataster. Die Zahlen liegen dem BRF vor und geben Aufschluss über den Zeitraum von 2012 bis 2024.
Ein erster Blick zeigt: Die Zahl der Hausärzte in der DG ist im Laufe der Jahre gestiegen. Waren 2012 noch 45 Allgemeinmediziner aktiv, so sind es 2024 bereits 73. Und dennoch: Auch in der DG gibt es einen Hausärztemangel.
"Wir haben eine angespannte Situation, die aktuell noch tragbar ist. Eine Situation, die uns klarmachen sollte, dass wir in der Zukunft deutliche Leistungen erbringen müssen, um junge Allgemeinmediziner zu uns zu holen", erklärt Allgemeinmediziner Dirk Schmitz.
Positiv ist, dass sich viele Hausärzte in den vergangenen Jahren zusammengeschlossen haben, um ihre Kräfte in Gemeinschaftspraxen beziehungsweise Ärztehäusern zu bündeln. Auch Dirk Schmitz ist Mitgründer des Ärztehauses in Merols. Diese Strukturen seien ein klarer Mehrwert - für Patienten wie für Ärzte.
"Der große Vorteil sind die Synergien. Die Ärzte arbeiten im Haus zusammen. So ist es möglich, mal in den Urlaub zu fahren, und man weiß, dass der Patient versorgt ist. Ein großer Vorteil ist darüber hinaus, dass wir die Anzahl der Patienten besser bewältigen können. So können wir vermeiden, dass Ärzte den ganzen Tag bis spät in die Nacht arbeiten müssen. So beugen wir Frust am Arbeitsplatz vor. Deswegen suchen sich vor allem junge Ärzte Gemeinschaftspraxen aus."
Das Ärztekataster des Ministeriums liefert auch Zahlen zur Verteilung der Hausärzte auf die einzelnen Gemeinden. Dabei fällt auf: In manchen Gemeinden sind nur wenige oder gar keine Ärzte tätig. Besonders die Gemeinde Lontzen sticht hervor. Dort war über Jahre hinweg entweder nur ein einziger Hausarzt aktiv - oder gar keiner.
Fest steht: Die hausärztliche Versorgung ist eine föderale Kompetenz. Dennoch verfügt die DG über verschiedene Hebel, um dem Mangel entgegenzuwirken, erklärt Gesundheitsministerin Lydia Klinkenberg.
"Wir zahlen im Rahmen des Impulseo-Fonds Niederlassungsprämien für Hausärzte aus. Ebenfalls unterstützen wir Sekretariatskräfte finanziell. Darüber hinaus haben wir auch das DuO-Stipendiensystem, was angehenden Ärzten zur Verfügung steht. So versuchen wir, das Medizinstudium attraktiver zu machen, um Ärzte nach Ostbelgien zu holen."
Der Hausärztemangel in der DG bleibt eine zentrale Herausforderung. Zwar ist die Zahl der Allgemeinmediziner in Ostbelgien in den vergangenen Jahren gestiegen, doch die angespannte Lage zeigt: Ohne gezielte Anreize, moderne Praxisstrukturen und eine langfristige Nachwuchsförderung wird sich die Situation wenig entspannen. Entscheidend wird sein, junge Ärzte dauerhaft für die Region zu gewinnen - damit die medizinische Grundversorgung auch künftig für alle gesichert bleibt.
Dogan Malicki