"Ich bin in dieser Werkstatt aufgewachsen", erzählt Klaus Kirchler, den hier alle nur "Schnitzer Klaus" nennen. "Ich habe das alles von meinem Vater gesehen und gelernt." Der Vater, durch eine Kriegsverletzung an der Hand beeinträchtigt, war auf Hilfe angewiesen. "Da musste ich schon immer von der Schule heim sofort in die Werkstatt. Ich musste einfach mithelfen, ob ich wollte oder nicht. Aber ich habe da sofort Freude bekommen." Besonders das Material selbst habe ihn fasziniert: "Mir hat Holz immer gut gefallen. Und ich freue mich auch heute noch, mit Holz zu arbeiten."
Seit knapp 60 Jahren ist Kirchler nun als Schnitzer tätig, seit mehr als 40 Jahren empfängt er Reisegruppen – über 3.000 sollen es inzwischen gewesen sein. Darunter unzählige Klassen aus Ostbelgien. "Jugendgruppen aus Ostbelgien waren wohl am meisten da", sagt er. "Vor allem im Winter. Wenn schlechtes Wetter ist, dann haben sie bei mir einen halben Tag eingeplant."
Und dieser halbe Tag bleibt vielen in Erinnerung. Denn bei Schnitzer Klaus geht es nicht nur ums Zuschauen, sondern ums Mitmachen – und ums Lachen. "Lachen ist das Wichtigste. Einmal am Tag soll man herzhaft lachen, dann bleibt man gesund", sagt er überzeugt. Humor ist sein Markenzeichen. "Ich habe mich immer schon mit Scherzartikeln und lustigen Sachen beschäftigt – und die machen wir auch selber."
So staunen die Schülerinnen und Schüler über "Schnupfmaschinen", "Lungentestmaschinen", "Hui-Hui-Maschine" und viele weitere originelle Erfindungen. Dazu kommen selbstgebaute, ungewöhnliche Musikinstrumente: die "Ötzi-Gitarre", "Schnatterbüchsen", Holzlöffel und "Teufelsgeigen" in verschiedenen Größen. Wie das alles klingt? "Das zeige ich den Jugendlichen – und auch den Erwachsenen", sagt er schmunzelnd.
Mitmachen ist Pflicht: "Die müssen die Scherzartikel ausprobieren oder meine Musikinstrumente lernen. Dann müssen sie auch ein Lied lernen, jodeln müssen sie lernen. Von allem etwas." Genau diese Mischung aus Handwerk, Humor und Herzlichkeit macht den Besuch so besonders. Eine Reisegruppe habe einmal gesagt: "Wer nicht beim Schnitzer Klaus war, war nicht im Ahrntal."
Auch mit 74 Jahren sprüht Kirchler vor Energie. "Ich bin noch sehr gesund und mache auch viel Sport. Mir macht es einfach Spaß. Und ich bin genauso gut drauf wie vor 20 Jahren." Seine Begeisterung hat längst Generationen ostbelgischer Jugendlicher angesteckt – und viele freuen sich schon lange vor der Abreise auf das Wiedersehen mit dem Mann, der zeigt, dass Holz unterhaltsam sein kann.
Radio-Interview mit Schnitzer Klaus im Player:
Christophe Ramjoie