Für Barbara Griessmeir, Geschäftsführerin von Tourismus Ahrntal, sind die Schneeklassen nicht nur ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor, sondern auch ein Zukunftsthema, das aktiv weiterentwickelt wird. "Die Schneeklassen sind für uns sehr wichtig. Das sehen wir ganz klar in unseren Statistiken", erklärt Griessmeir.
Vor allem in den Wintermonaten machen Schulklassen einen erheblichen Teil der Nächtigungen im Tal aus. Während einige Skigebiete ihr Angebot für Schulklassen zurückfahren, positioniert sich das Ahrntal weiterhin bewusst als schülerfreundliche Destination. "Wir haben hier Platz, sowohl in den Skigebieten als auch in den Unterkünften. Schulklassen sind bei uns sehr willkommen."
Ein Grund dafür ist die gewachsene Struktur im Tal. Viele Beherbergungsbetriebe haben sich über Jahrzehnte hinweg auf Schulklassen spezialisiert, häufig über mehrere Generationen hinweg. Daraus seien enge und stabile Kooperationen mit Touroperatoren entstanden, die regelmäßig Schulgruppen – auch aus Ostbelgien – ins Ahrntal bringen. "Diese Zusammenarbeit funktioniert sehr gut und gibt sowohl den Betrieben als auch den Schulen Planungssicherheit", so Griessmeir.
Angesichts der kritischen Diskussionen rund um Schneeklassen verweist die Tourismuschefin besonders auf den Aspekt der Nachhaltigkeit. Aus ihrer Sicht seien Schneeklassen eine vergleichsweise umweltverträgliche Form des Reisens. "Die Anreise erfolgt in der Regel mit Reisebussen, vor Ort bewegen sich die Gruppen ebenfalls mit Bussen und öffentlicher Mobilität." Das Ahrntal investiere seit Jahren gezielt in den Ausbau des öffentlichen Verkehrsangebots, das auch von Schulklassen intensiv genutzt werde.
Darüber hinaus könnten Schneeklassen im Ahrntal mehr sein als reiner Skisport. Schulen hätten die Möglichkeit, ihren Aufenthalt pädagogisch zu erweitern und sich mit Nachhaltigkeitsthemen auseinanderzusetzen. "Die Schülerinnen und Schüler können zum Beispiel erfahren, wie Schneebeschneiung funktioniert, welche Treibstoffe bei den Pistenfahrzeugen eingesetzt werden oder wie ein Skigebiet versucht, ressourcenschonender zu arbeiten." Technischer Schnee werde dabei häufig kritisch gesehen, erklärt Griessmeir, bestehe jedoch ausschließlich aus Wasser und sei Teil eines natürlichen Kreislaufs.

Dass in Ostbelgien zunehmend hinterfragt wird, ob lange Anreisen für Schneeklassen noch vertretbar sind, kann Griessmeir gut nachvollziehen. "Das ist eine absolut berechtigte Diskussion." Auch im Ahrntal beschäftige man sich seit Jahren intensiv mit dieser Frage. Die Region und ihre Skigebiete seien inzwischen mit einer internationalen Nachhaltigkeitszertifizierung ausgezeichnet worden, weitere Audits stünden an. Parallel dazu werde aktuell der CO₂-Ausstoß der Skigebiete genau gemessen, um gezielt Maßnahmen zur Reduktion entwickeln zu können.
Dabei gehe es nicht nur um den Skibetrieb selbst, sondern auch um die Infrastruktur. "Schneekatzen, Energieverbrauch, Stromversorgung – all das wird derzeit genau analysiert." Gemeinsam mit Skigebieten und externen Partnern denke man über neue Lösungen nach. Dazu zählen etwa Studien zur Nutzung von Windkraft in hochgelegenen, windreichen Bereichen oder weitere Kooperationen mit Universitäten. "Wir wissen, dass sich der Skitourismus verändern muss. Die Frage ist nicht ob, sondern wie."
Trotz aller Herausforderungen ist Griessmeir überzeugt, dass Schneeklassen im Ahrntal auch in Zukunft eine Rolle spielen können – möglicherweise in angepasster Form. Für die Region seien sie zudem eine Investition in langfristige Gästebindung. "Es kommt immer wieder vor, dass man jemanden auf der Piste trifft, der sagt: Ich war als Kind mit der Schule hier." Auch Vermieter berichten regelmäßig von Gästen, die nach Jahren mit ihren eigenen Familien zurückkehren.
Der belgische Markt spielt dabei eine wichtige Rolle. "Belgien ist für uns ein Aufbaumarkt, auch für die Skigebiete." Ziel sei es, ehemalige Schneeklassen-Teilnehmer gezielt wieder anzusprechen und neue Generationen für das Ahrntal zu begeistern.
Christophe Ramjoie