Handschriftliche Klausuren gibt es heutzutage immer seltener. Stattdessen setzen viele Hochschulen auf Online-Prüfungen, bei denen die Studierenden die Fragen am PC beantworten. Doch nicht jedes Frageformat kann einfach so digital abgebildet werden - die Antwortwege von mathematischen Aufgaben oder technische Zeichnungen zum Beispiel.
In manchen Klausuren sitzen zudem so viele Studierende, dass die Korrektur handschriftlicher Notizen für die Lehrenden unübersichtlich wird. Das ist auch an der RWTH aufgefallen. Vor rund fünf Jahren wurde deshalb der Grundstein für den sogenannten "QuickEScan" gelegt.
"Die Idee ist schon vor vielen Jahren entstanden, als man festgestellt hat, dass e-Prüfungen und Zeichnungen oder Rechenwege nicht so gut zusammen gehen. Wir haben dann mit einem unserer studentischen Hilfskräfte namens Paul Maurer, der jetzt selbst auch Doktorand ist, im Verlauf der Zeit viele Prototypen entwickelt und getestet. Seit dem ersten Prototypen sind rund fünf Jahre vergangen", sagt Carolin Gnacke vom Center für Lehr- und Lernservices.
Auch der Bau der Scanner konnte fast vollständig an der Hochschule stattfinden. "Einige Teile sind in unseren Räumlichkeiten 3D-gedruckt worden. Die Arme wurden spritzgegossen beim Institut für Kunststoffverarbeitung und die Kolleginnen unseres E-Prüfungsteams haben das alles dann in kleinteiliger Arbeit über viele Wochen und Monate zusammengebaut."
Die Scanner sind verbunden mit der RWTH-eigenen Prüfungsplattform Dynexite und werden aktuell im Prüfungszentrum Office-West in Aktion getestet. Der "QuickEScan" befindet sich neben dem Computerbildschirm des Studierenden. Der schreibt die digitale Prüfung wie gewohnt. Zeichnungen oder Notizen verfasst er handschriftlich.
"Am Ende der Prüfung gibt es dann eine gesammelte Upload-Phase, bei der dann alle Blätter eingescannt werden. Das verhindert, dass man das immer wieder während der Prüfung machen muss. Am Ende werden alle eingescannten Blätter automatisch der Klausurakte hinzugefügt. In der Korrektur ist es dann auch viel einfacher für die Lehrenden."
Auch die Studierenden könnten von dem Scan profitieren - denn auch wenn die Endantwort einer Mathematikaufgabe falsch wäre, könnte der digitalisierte Antwortweg den einen oder anderen Teilpunkt bringen. Die Studierenden können das Ergebnis des Scans nach wenigen Sekunden einsehen - hat der Scan nicht geklappt oder sieht nicht gut aus, kann das Blatt neu eingescannt werden.
Die RWTH plant, den "QuickEScan" schon bald auszuweiten. Bis zum Ende des Jahres sollen alle weiteren Geräte gebaut und im nächsten Wintersemester auch in anderen Prüfungssälen der RWTH eingesetzt werden. Die Verantwortlichen schätzen, dass rund ein Drittel aller Prüfungen an der Hochschule durch den "QuickEScan" ergänzt werden könnten. Auch andere Hochschulen haben bereits Interesse an dem Konzept bekundet.
Lindsay Ahn



