Erhebliche Gefahren nahmen Frauen wie Maria Kreuels auf sich, um den Nationalsozialisten Widerstand zu leisten. An Frauen wie sie, an ihr Handeln und ihr Schicksal erinnert die Ausstellung "Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus" im Stadtmuseum Eupen.
Die 1918 in Kerkrade geborene Kreuels wuchs in Kettenis auf, war in der Pfadfinderbewegung aktiv. "Durch diese Freunde, durch dieses Pfadfindernetzwerk ist sie an die Widerstandsgruppe 'Les Amis de Charles' gekommen und hat sich darin engagiert", so Catherine Weisshaupt, Leiterin des Stadtmuseum Eupen. "Sie war in Brüssel aktiv und hat dort Informationen gesammelt und an den Geheimdienst weitergegeben. Dadurch hat sie sich in sehr große Gefahr begeben. Sie hat Truppenaktionen beobachtet, sie war mit deutschen Wehrmachtssoldaten in Kontakt."
Im Oktober 1942 wurde Maria Kreuels verhaftet. Im September 1945 starb sie an einer Erkrankung, die während ihrer Aufenthalte in Zuchthäusern und Straflagern nicht behandelt worden war. Seit Juni 2024 ist ein Gässchen in Kettenis nach Kreuels benannt.
Zusammengestellt hat die Ausstellung die Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Erweitert wurde sie um die Geschichte von vier ostbelgischen Widerständlerinnen - darunter Maria Kreuels.
In seiner Forschungstätigkeit stellte Nicholas Williams, Leiter des Zentrums für Ostbelgische Geschichte, fest, dass die Nationalsozialisten oft die Tendenz hatten, Frauen zu unterschätzen. "Die haben denen nicht den Mut zugetraut, sich gegen ihre Herrschaft aufzulehnen. Sie haben ihnen militärisch und teilweise auch intellektuell nicht das zugetraut, was sie dann eben doch geleistet haben", erläutert Williams.
Er vermutet, dass die Erkenntnisse zum Thema Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, die im Stadtmuseum Eupen gezeigt werden, "bei weitem noch nicht alles" seien. Er schließe nicht aus, dass die Forschung noch weitere Formen des weiblichen Widerstands zu Tage fördern werde "und dass vielleicht auch die Widerstandstätigkeit gegen die Nationalsozialisten unter Frauen weiter verbreitet waren, als wir das heute annehmen."
"Unglaublichen Mut bewiesen"
Gezeigt werden im Stadtmuseum Eupen neben besonders namhaften deutschen Frauen, die Widerstand leisteten, wie Sophie Scholl oder Marlene Dietrich, auch weniger bekannte.
"Gemeinsam haben sie, dass sie sich in der einen oder anderen Form gegen die nationalsozialistische Diktatur beziehungsweise im belgischen Fall eben auch gegen die deutsche Besatzung zur Wehr gesetzt haben - mit unterschiedlichen Mitteln, teils mit militärischen Mitteln, mit Flugschriften, innerhalb von Netzwerken durch Sabotageaktionen, auch durch Überzeugungstätigkeit", sagt Williams.
Eine weitere Gemeinsamkeit der in der Ausstellung dargestellten Frauen sei, so der Historiker, "dass sie unglaublichen Mut bewiesen haben. Sie wussten ja, dass sie sich in Lebensgefahr begeben. Auch gerade bei den ostbelgischen Fällen, die wir sehen, finden wir nicht viele Ego-Dokumente oder Zeugnisse, warum sie das gemacht haben. Die haben, glaube ich, einfach aus Überzeugung gehandelt, weil sie gesehen haben, was das für ein unmenschliches System war - und dem haben sie sich widersetzt."
Es sei von Frauen auch viel Widerstand im Kleinen geleistet worden, so Weisshaupt. Etwa indem sie Menschen versteckten oder Informationen weitergaben. "Oder Menschen, die sich für ihr Dorf oder die ungerechte Verteilung von Lebensmitteln starkgemacht haben und die dadurch ein sehr hohes Risiko eingegangen sind", sagt die Leiterin des Stadtmuseums Eupen.
Erreichen will das Museum mit der Ausstellung längst nicht nur - aber im Besonderen auch Jugendliche, betont Weisshaupt. "Ich glaube, sie werden vielleicht Parallelen zu Menschen sehen, die ungefähr das gleiche Alter haben wie sie - oder vielleicht ein bisschen älter sind. Es werden auch sehr viele junge Personen dargestellt: Junge Frauen, die in ihren Zwanziger oder Teenager waren und die vielleicht einfach verhaftet worden sind, weil sie weiterhin britische oder amerikanische Musik hören wollten und irgendwie ihre Jugend nicht aufgeben wollten und sich der Ideologie nicht beugen wollten."

In Ostbelgien sei in Folge des Zweiten Weltkriegs lange nicht über die schwierigen Zeiten gesprochen worden, sagt Williams: "Im deutschsprachigen Raum wurde das Thema Krieg sehr lange beschwiegen." Vielleicht habe es auch beschwiegen werden müssen, erläutert der Historiker, "weil es sonst vielleicht schwierig gewesen wäre, miteinander auch zu leben: Der eine war im Widerstand, der andere hat sehr eng mit den deutschen Besatzungsbehörden zusammengearbeitet." Mit dem Thema Widerstand beschäftigt sich auch ein Podcast des Zentrums für Ostbelgische Geschichte.
Widerstand sei nie vergebens - das sei eine der Erkenntnisse, die aus der Ausstellung mitzunehmen sei, meint der Leiter des Zentrums für Ostbelgische Geschichte. "Unrechtsregime fallen", so Williams. "Es hat noch keines auf ewig Bestand gehabt. Ich glaube, man kann und sollte daraus ein Signal der Hoffnung ziehen, dass es niemals vergebens ist, sich gegen ein solches Regime zu wehren und es vielleicht auch eine Verpflichtung gegenüber der eigenen Familie und dem eigenen Gewissen ist, ein solches Unrecht nicht hinzunehmen, sondern sich dagegen aufzulehnen - auch wenn es vielleicht eine eigene Gefährdung bedeutet."
Zu sehen ist die Ausstellung "Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus" im Stadtmuseum Eupen bis zum 12. April.
Moritz Korff







