Wo gibt es das schon - zumindest nördlich der Alpen: so viele gut erhaltene Römerbauten auf einen Fleck. Die wie selbstverständlich zum Stadtbild gehören. Aber gerade, weil es für viele so selbstverständlich geworden ist, muss daran erinnert werden, findet der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe:
"Ich bin vor knapp 20 Jahren nach Trier gezogen und da haben viele gesagt: Ist doch klar, dass wir Roma secunda sind. Das ist überhaupt nicht klar. Wir können stolz darauf sein, wenn wir eben die Dinge nutzen im heutigen Leben. Wenn im Amphitheater Konzerte stattfinden, wenn die Monumente erschlossen werden, wenn in der Viehmarkttherme, wo wir gerade sind, Veranstaltungen stattfinden. Ich hatte die Oberbürgermeister aus ganz Deutschland hier abends mit Beleuchtung und die waren hin und weg. Der Regierende Bürgermeister aus Berlin hat gesagt: So was habe ich nicht. Was für ein Kompliment!”
Und darauf ist man auch über die Stadtgrenzen hinaus ganz schön stolz. Zur Vorstellung des Jahresprogramms ist Staatssekretärin Simone Schneider aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz nach Trier gekommen.
"Wir sind da sehr froh, dass wir vor allen Dingen mit der Stadt gemeinsam arbeiten, aber genauso auch mit den Kirchen, die ganz enge Partner sind, sei es jetzt hier bei diesem Projekt oder aber eben auch bei vielen anderen Projekten", erklärt Schneider.
Denn neben sieben römischen Bauwerken wurden 1986 auch der Dom St. Peter und die Liebfrauenkirche in die Liste der Unesco-Welterbestätten aufgenommen. Zum Vergleich: In ganz Deutschland gibt es davon 55, zählt Wolfram Leibe auf. Und er ist mindestens ebenso stolz darauf, dass diese historischen Stätten auch heute genutzt bzw. "bespielt" werden:
"Ja, es muss bespielt werden, weil es sind nicht tote Mauern. Der Dom wird “bespielt” durch Gottesdienste. Die Basilika auch. Aber wir haben ganz viele Konzerte, die den Menschen die Möglichkeit geben, die Akustik auch haptisch zu entdecken. Und deshalb auch hier unten in den Viehmarktthermen ganz unterschiedliche Veranstaltungen, ganz unterschiedliche Menschen und 114.000 Triererinnen und Trierer entdecken damit ihre eigene Stadt."
Heike Otto von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz erklärt, dass aus ihrer Sicht der beste Schutz eines Denkmals sei, wenn es zugänglich gemacht und in der Öffentlichkeit verankert werde.
"Deswegen sind wir auch ganz froh und sehr glücklich, dass wir auch Veranstaltungsformate in unsere Denkmäler bekommen, die vielleicht nicht so ganz typisch sind. Römerwochenenden in Römerbauten, das kennt man. Aber die Landeskunstausstellung oder eine Modenschau in unseren Römerbauten, da haben wir dort eine ganz andere Besuchergruppe, die vielleicht auch während des Konzertes in den Pausen sich umdreht und schaut: Wo sind wir hier eigentlich? Und dann vielleicht auch Lust bekommt, mehr über den Raum zu erfahren, in dem wir dann gerade sind."
Vielleicht ja, wenn Katie Melua, The BossHoss oder Fury in the Slaughterhouse im Sommer "Open Air" im Amphitheater auftreten. Allerdings kann es durchaus vorkommen, dass der Blick auf die Baudenkmäler nicht immer ganz frei ist, wie bei der Porta Nigra, an der zurzeit schon ein Gerüst aufgebaut ist, damit sie gereinigt und restauriert werden kann.
"Die Sanierungsarbeiten an den Römerbauten sind eine Daueraufgabe, und es bedarf langer Vorbereitungen und langer Planungen. Und die können wir nicht unterbrechen wegen eines Jubiläums: Wir haben eine Verantwortung für die Denkmäler. Aber Sie können versichert sein, auch wenn in diesem Jahr Besucher nach Trier kommen. Sie werden immer Teile der Porta Nigra ohne Gerüst sehen. Das heißt, es ist in kleinen Abschnitten geplant, sodass man immer noch einen tollen Eindruck von dem Bauwerk haben kann."
Alternativ lässt sich die Porta Nigra auch wortwörtlich genießen in der Sonderedition eines deutschen Fruchtgummiherstellers, der laut Eigenwerbung Kinder froh macht und Erwachsene ebenso. Und in der Reihe der Pixi-Bücher ist eins speziell zum Welterbe Trier erschienen. Es gibt in diesem Jahr also tatsächlich etwas für jedes Alter.
Stephan Pesch