Das zeigt sich auch im Autohaus Koonen in Eupen. Geschäftsführer Jean-Marie Koonen pendelt im Januar zwischen Ausstellungsraum und Büro. Auf seinem Computer warten zahlreiche sogenannte Leads – also Kontaktdaten potenzieller Kunden, die sich auf dem Autosalon über ein Fahrzeug informiert haben.
"Der Salon ist für uns eine Show, ein Fenster, wo die ganze Fahrzeugpalette gezeigt wird", erklärt Koonen. Besucher würden dort erste Informationen erhalten, die konkreten Angebote würden dann im Autohaus erstellt. "Hier kümmern wir uns um den Eintauschpreis, organisieren Probefahrten und schließen am Ende den Verkauf ab."
Für das Team bedeutet das lange Arbeitstage. Den gesamten Januar über sind die Verkäufer stark ausgelastet: Telefonate, Beratungsgespräche und Terminabsprachen bestimmen den Alltag. Besonders gefragt sind neue Modelle mit unterschiedlichen Antriebsarten.
Kompakt, vielseitig, alltagstauglich
Ein Beispiel dafür ist der neue Renault Clio, der auf dem Autosalon vorgestellt wurde. "Ein Fünftürer mit sehr schnittiger Form", beschreibt Koonen das Modell. Es entspreche klar der aktuellen Markttendenz: "Den gibt es klassisch als Benziner, aber auch als Vollhybrid. Ein Kleinwagen, der etwas größer geworden ist, fünf Personen Platz bietet und trotzdem alltagstauglich bleibt."
Gerade diese Mischung aus kompakten Abmessungen, mehr Platz und verschiedenen Motorisierungen zieht viele Kunden an – insbesondere in Kombination mit den Sonderkonditionen rund um den Autosalon. Für die Autohäuser ist der Januar deshalb ein entscheidender Monat.
"Der Januar ist wirklich ein Gradmesser", sagt Jean-Marie Koonen. "Unser Ziel ist es, in diesem Monat mindestens 20 Prozent des Jahresumsatzes zu erreichen. Traditionell ist der Januar sehr stark, weil es viele Neuvorstellungen und Sonderbedingungen bei allen Herstellern gibt."
Januar als Schlüsselmonat bei Garage Schyns
Nur wenige Meter weiter, bei der Garage Schyns in Eupen, zeigt sich ein ähnliches Bild. Dort macht der Monat Januar sogar rund 30 Prozent des Jahresumsatzes aus. Fünf Marken werden im Autohaus angeboten – und auch hier ist der Einfluss des Brüsseler Autosalons deutlich spürbar.
"Wir haben vier Verkäufer, die nonstop von morgens bis abends, sieben Tage die Woche beschäftigt sind", berichtet der Geschäftsführer der Eupener Schyns-Garage Stephan Carl. Beratungsgespräche, Probefahrten, Angebote und Rücknahmen bestimmten den Alltag. "Über die vier Wochen hinweg sehen wir hier ein paar hundert Kunden."
Mehr Offenheit für Elektro – aber keine Einbahnstraße
Bei der Vielzahl an Gesprächen zeichnen sich klare Trends ab. Zwar wächst das Interesse an Elektroautos, doch viele Kunden möchten sich nicht auf eine einzige Antriebsform festlegen.
"Wir haben zwei Phänomene festgestellt", erklärt Stephan Carl. Zum einen nehme die Hemmschwelle gegenüber Elektrofahrzeugen ab. "Unter vier bis fünf verkauften Fahrzeugen ist mittlerweile eines elektrisch." Ein Grund dafür sei auch das gute Preis-Leistungs-Verhältnis neuer Marken wie Leapmotor.
Zum anderen gebe es eine Rückkehr der Nachfrage nach klassischen Antrieben. Familienfahrzeuge wie Berlingo, Rifter oder Combo Life seien zuletzt nur noch elektrisch erhältlich gewesen. "Dieses Jahr hat der Hersteller zurückgerudert und bietet wieder Benziner und Diesel an", so Carl. Viele ältere Kunden kämen gezielt zurück, um noch einmal ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor zu kaufen.
Autos werden länger gefahren
Eine weitere Entwicklung beobachten beide Eupener Autohäuser gleichermaßen: Die Fahrzeuge bleiben länger im Besitz ihrer Fahrer. Während früher nach etwa fünf Jahren oft ein Neuwagen angeschafft wurde, fahren viele Kunden heute sechs, acht oder sogar zehn Jahre mit demselben Auto. Gleichzeitig fällt die Entscheidung für eine neue Motorisierung schwerer als früher.
Robin Emonts



