Zu tief ist der Pegel der Our. In Schönberg steht eine der vielen Wasser-Messstationen der Wallonischen Region. Doch ein einfacher Blick ins Flussbett zeigt es auch. "Wir hätten jetzt normalerweise einen Wasserstand in diesem Bereich: 60, 70, 80 oder noch mehr Zentimeter - zumindest an dieser Stelle. Das könnte gut und gerne zwei-, drei- oder vierfach so viel sein", erklärt Wetterexperte Karsten Brandt.

20 bis 30 Zentimeter misst der Pegel hier in Schönberg. Solch ein niedriger Wasserstand ist sonst im Spätsommer oder Herbst anzutreffen. Der Wetterexperte spricht von einer Dürre. "Weil der März zu trocken war. Es gab nur ein bis zwei Regentage, die nennenswert Regen gebracht haben. Wir haben die nächsten zwei Wochen keinen Niederschlag. Wir befinden uns quasi jetzt schon in einer Dürre und wir werden in den nächsten zehn bis 14 Tagen Auswirkungen in der Landwirtschaft sehen. Und wir sehen die Auswirkungen im Venn, wir werden die Auswirkungen im Wald sehen, durch die steigende Waldbrandgefahr."
Das obschon der Winter sehr nass war. So sind die Pegelstände des Grundwassers und der Talsperren nicht alarmierend. Aber den Oberflächen fehlt die Nässe. "Das ist das Kuriose: Seit Februar ist die Wetterlage komplett verändert. Es regnet quasi gar nicht mehr. Das heißt, das Wasser, das gefallen ist, ist schon längst abgeflossen. Das ist schon längst weg."
Anhaltender Ostwind
Besonders für die Landwirtschaft sind Probleme vorprogrammiert. Verstärkt wird die Trockenheit durch den anhaltenden Ostwind. "Diese Wetterlage kann sehr lange dauern. Das heißt, es kann sein, dass diese Dürrephase bis in den Mai oder bis in den Sommer hinein dauern kann. Das bedeutet mit Wasser haushalten und damit rechnen, dass wir Wasserprobleme bekommen in diesem Frühjahr."
Diese außergewöhnliche Wetterlage hat ganz Europa im Griff. Alle Modelle zeigen ein stabiles Hochdruckgebiet über Mitteleuropa. "Aber: Der Mittelmeerraum ist komplett nass. Da, wo man normalerweise das schöne Wetter vermutet, ist es nass - wie in Spanien, Griechenland und Italien. Freizeitmäßig ist Ostbelgien perfekt die nächsten zwei Wochen und wahrscheinlich auch über Ostern. Das ist schon eine verrückte Situation: fast jeden Tag Sonne."
Unser Fazit: Wasser sparen ist angesagt - und die Sonne einfach mal genießen.
März außergewöhnlich trocken, sonnig und warm
Der vergangene Monat März war außergewöhnlich trocken, sonnig und warm. Das geht aus der monatlichen Bilanz des Königlichen Meteorologischen Instituts (KMI) hervor. Demnach fielen an der Messstation in Uccle gerade einmal 7,8 Millimeter Niederschlag. Das ist die drittniedrigste Menge Niederschlag der letzten 30 Jahre in einem Monat März.
Mit knapp 200 Sonnenstunden war es auch außergewöhnlich sonnig. Die Durchschnittstemperatur im März lag bei 13,6 Grad. Das ist der vierthöchste Durchschnittswert für März. Der 21. März mit 20,2 Grad war der wärmste erste Frühlingstag. Gleichzeitig gab es viele kalte Nächte.
SPW warnt vor erhöhter Brandgefahr
Der öffentliche Dienst der Wallonie (SPW) ruft wegen erhöhter Brandgefahr zur Vorsicht auf. Die derzeitigen Wetterbedingungen sowie der Zustand des Pflanzenbestandes begünstigten das Ausbrechen und die Ausbreitung von Feuern, hieß es. Dass in den kommenden Tagen Wind erwartet wird, erhöhe die Gefahr noch - unter anderem im Hohen Venn.
Es wurden mehrere Vorsichtsmaßnahmen getroffen, darunter ein Feuerverbot in Wäldern. Auch das Wegwerfen von Zigarettenkippen und das Abstellen von Fahrzeugen in hohem Gras ist untersagt. Die Bevölkerung wird ebenfalls aufgerufen, keine Gartenabfälle an Orten zu verbrennen, die weniger als 25 Meter von einem Waldgebiet entfernt liegen.
In manchen Abschnitten des Hohen Venns weht seit dem 20. März die rote Flagge. In den entsprechenden Bereichen ist der Zugang verboten.
"Besonders leicht entzündliche Gräser können zu Bränden führen, die sich mit erheblicher Geschwindigkeit ausbreiten und Spaziergänger einschließen können", sagte Nicolas Yernaux, Sprecher des öffentliche Dienstes der Wallonie.
belga/dop/moko