Wie schon bei Streiks in der Vergangenheit konzentrierten sich in Eupen die meisten Aktionen auf die Herbesthaler Straße, in deren Nähe viele Unternehmen angesiedelt sind. Dort wurden Verkehrsteilnehmer per Handzettel darüber informiert, worum es den Gewerkschaften bei dem Generalstreik geht.
Die überberufliche Gewerkschaftssekretärin der CSC, Susanne Niessen, sieht es so: "Wir sind hier, um gegen die Arizona-Regierung zu streiken. Da ist sehr vieles im Gange, wo wir absolut nicht mit einverstanden sind. Wir hätten gerne, dass die Leute eine würdige Rente haben. Dass ein Dachdecker nicht bis 67 Jahre arbeiten kann, ist uns relativ klar, den Politikern anscheinend nicht".
Die Gewerkschaftsaktionen führten bereits am Morgen zu Verkehrsbehinderungen, wie die Polizeizone Weser-Göhl meldete. An der Kreuzung der Herbesthaler Straße - Industriestraße - Textilstraße kam es zu einem Stau, der sich zwischenzeitlich bis zur Autobahnabfahrt verlängerte.
Auf dem Eupener Werthplatz hatten sich Lehrer und Lehrerinnen versammelt, die nicht alle einer Gewerkschaft angeschlossen sind, aber trotzdem gemeinsam demonstrieren wollten. Laut Angaben der Polizeizone Weser-Göhl beteiligten sich 102 Personen an diesem Marsch. "Die Formel für unsere Berechnung wurde so abgerechnet, dass wir zwischen 500 und 900 Euro monatlich verlieren könnten", erklärt Melissa Nahl, Lehrerin des Robert-Schuman-Instituts in Eupen.
Vielleicht nicht die letzte Streikaktion gegen die Reformpläne der Föderalregierung, auch wenn die sich sehr entschlossen zeigt, ihre Reformen umzusetzen. Nahl hofft, dass die Sparpläne zumindest so abgeändert werden, dass sie weniger drastisch ausfallen.

Auch Hydro Aluminium in Raeren, NMC in Eynatten und die Molkerei in Walhorn wurden am Montag bestreikt. Die Schulen waren teilweise geschlossen. In Krankenhäusern oder sozialen Einrichtungen wurden Minimaldienste gefahren.
Das Kabelwerk in Eupen wurde vollständig stillgelegt. Kabelwerk-Generalsekretär Hermann-Josef Bernrath hat wenig Verständnis für die Aktion. "Es ist ein politisch motivierter Streik. Es ist nicht so, dass die Unternehmen dafür können. Ich denke, es ist eine Sache, die man auch anders regeln könnte, als ein ganzes Land lahmzulegen. Vielleicht durch Kundgebungen an bestimmten Stellen. Aber grundsätzlich die Betriebe zu bestreiken, ist eine unglückliche Situation."
Auffällig auch: Das CSC-Grün dominiert das Bild in Eupen. Man hat schon mehr FGTB-Gewerkschafter bei ähnlichen Streiktagen gesehen. Die Christliche Gewerkschaft ist jedenfalls mit der Resonanz sehr zufrieden.
Auswirkungen auf Bus-, Bahn- und Flugverkehr
Bei der TEC Lüttich-Verviers verkehrten wegen des Generalstreiks weniger als die Hälfe der Busse. Von den über 200 Strecken waren am Montagmorgen nur 71 besetzt. Am Lütticher Guillemins-Bahnhof haben die Bahngewerkschaften CGSP Cheminots und CSC Transcom am Montag eine symbolische Aktion durchgeführt. Die Eisenbahner befürchten, dass sie ihr spezifisches Rentensystem verlieren könnten. Wie die Gewerkschaften erklärten, liege das durchschnittliche Renteneintrittsalter bei der Bahn bei 61 Jahren. Oft lägen gesundheitliche Gründe vor, weil der Beruf vor allem wegen der Arbeitszeiten sehr anstrengend sei. Jetzt setzte die Regierung alle Hebel in Bewegung, um das Renteneintrittsalter auf 67 festzulegen. Jeden Dienstag im April wollen die Gewerkschaften weitere Aktionen durchführen.
Der Generalstreik hat auch Auswirkungen auf den Maastricht Aachen Airport. Wie der limburgische Sender L1 berichtet, wurden am Airport sieben zusätzliche Flüge erwartet vor dem Hintergrund, dass in Belgien Flüge gestrichen wurden.
Zwischenfall in Thimister
Zwei Streikposten der CSC sind am Montagmorgen in der Industriezone Les Plénesses in Thimister-Clermont von einem Auto angefahren worden. Das teilte die CSC mit.
Demnach hatte die Gewerkschaft Straßensperren im Gewerbegebiet errichtet. Gegen 8:15 Uhr sei ein Mann am Steuer eines Pick-up mit Anhänger vorgefahren und habe die Sperre durchbrochen. Dabei rammte das Fahrzeug zwei Streikposten. Einer der beiden wurde etwa 30 Meter mitgeschleift, der Mann erlitt einen Rippenbruch und einen Pneumothorax. Eine Frau wurde an den Knien verletzt. Der Fahrer ergriff die Flucht.
Die Rettungskräfte wurden alarmiert und die beiden Verletzten wurden ins Krankenhaus gebracht. Der Polizei wurde das Kennzeichen des Fahrzeugs übermittelt. Sie konnte den Fahrer später stellen, inzwischen wurde er aber wieder freigelassen. Wie die Gewerkschaft mitteilte, stünden die Unfallopfer unter Schock.
Generalstreik: Gewerkschaften protestieren, Regierung "nimmt zur Kenntnis"
belga/l1/rtbf/cd/mz
Es war der Streik der Tüchtigen für die Faulen.
Ich befürchte nur, dass durch die Anhäufung von Streiks die ehemals schärfste Waffe der Arbeitnehmer immer stumpfer und damit unwirksamer wird...