Auf den Spuren der Tram: Besuch im Lütticher Transport-Museum

Immer mehr Städte setzen bei der Mobilität der Zukunft auf altbekannte Verkehrsmittel: In Lüttich ist die alte Tram bald wieder zurück. Dort entsteht zurzeit ein hochmodernes Straßenbahnnetz. Die Geschichte der Tram kann man im Transport-Museum entdecken.

Norbert Gilles aus Eupen führt durch das Lütticher Transport-Museum (Bild: Simonne Doepgen/BRF)

Norbert Gilles aus Eupen führt durch das Lütticher Transport-Museum (Bild: Simonne Doepgen/BRF)

Ein ehemaliges Straßenbahndepot voll mit Fahrzeugen aus vergangenen Zeiten – hier wird die Geschichte des Stadtverkehrs lebendig.

Die ersten pferdegezogenen Straßenbahnen kamen im 18. Jahrhundert auf. Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Trams elektrisch betrieben. Norbert Gilles aus Eupen, der Führungen durch das Museum leitet, ist ganz und gar in seinem Element „Diese Straßenbahn kommt nicht aus Lüttich, sondern aus Verviers. Also aus der Nachbarschaft von Eupen. Und die hat da bis Ende der 1960er Jahre gefahren.“

Wie funktionierte das damals mit dem Straßenbahnfahren? „Hier stand der Straßenbahnfahrer – er stand. Es ist also eine Straßenbahn, wo der Fahrer noch keinen Sitzplatz hatte. Ganz früher hatten die Straßenbahnfahrer ein offenes Fenster. Nachher sind diese Kabäuschen gebaut worden, diese Fahrerkabinen. Der sitzende Fahrer ist erst mit den 50er, 60er Jahren gekommen.“

Und auch Eupen hatte einmal eine Straßenbahn. Von 1910 bis Anfang 1953 rollte die Tram durch die Weserstadt. Zu sehen sind die Eupener Wagons leider nicht im Museum. Dafür aber ein historischer Bus „aus dem Jahr 1952 oder 1953, und ist dann auf dem Stadtnetz in der Region Namur gefahren. Er hat seine Karriere beendet in Florennes bei Namur, wurde dort umgebaut als Arbeitswagen.“

„Das ist ein Bus ohne Sitze, damit die Mechaniker raus fahren können. Ein Werkstattwagen sozusagen. Dann hat man ihn 1985 oder 1986 so wieder zurückgebaut, wie er 1952 war. Der hatte also in Eupen seinen letzten Dienst als Arbeitswagen. Er war damals angemalt wie ein Zebra und wurde in Eupen auch so genannt. Und das ist wirklich mein Bus, den ich gerne habe.“ Zwei Mal im Monat ist Norbert Gilles im Transport-Museum zur Stelle. Ehrenamtlich versteht sich. Deutschsprachige Besucher bekommen einiges geboten.

Highlight der Ausstellung ist das 1:1-Modell der künftigen Tram, die durch Lüttich fahren wird. Eine spanische Konstruktion. Damit knüpft Lüttich an die eigene Geschichte an, denn 1893 rollte in Lüttich die erste elektrisch betriebene Straßenbahn Belgiens. Damit gehörte Lüttich zu den Pionieren des modernen Stadtverkehrs.

1964 war es dann aber wieder vorbei mit der Tram. Damals sei man sich einfach sicher gewesen, dass die Zukunft der Mobilität alleine das Auto sei, erklärt Lara Feguenne, die ebenfalls Besuchergruppen durch das Museum führt. „Zu dieser Zeit glaubte man wirklich, dass der ganze Verkehr auf die Straße verlagert wird. Man hat gedacht, dass für die Mobilität der Zukunft vor allem das Auto genutzt wird. Und für den öffentlichen Verkehr die Autobusse.“

„Warum? Die Busse können einfacher in Betrieb genommen werden. Sie brauchen keine Gleise und keine elektrischen Kabel. Und wir waren vor der ersten Ölkrise von 1972. Damals war das Rohöl günstig. Das alles hat eine Rolle gespielt.“

Wenn alles gut geht, wird 2024 ein neues Kapitel Straßenbahngeschichte in Lüttich aufgeschlagen. Nach 57 Jahren kehrt die Tram dann nach Lüttich zurück.

Praktisches

Im Lütticher Transport-Museum können zahlreiche Führungen gebucht werden. So gibt es neben Führungen in deutscher Sprache auch spezielle Kinderrundgänge. Mit dabei ist auch eine Rallye für Kinder. Mehr Infos auf der Seite des Museums.

Eine Stadt wird umgebaut: Lüttich bekommt mit der Tram ein neues Gesicht

Simonne Doepgen