ANPR-Kameras in der Eifel: Abschnittsmessungen sollen Unfälle verhüten

Ein Unfall pro Tag - so lautet die traurige Verkehrsstatistik in der Eifel. Maßnahmen, die Zahl der Unfälle zu reduzieren, haben bislang keine Früchte getragen. Jetzt versucht die Polizeizone Eifel mit einer neuen Technologie, die Verkehrsteilnehmer zu einer Änderung ihres Fahrverhaltens zu bewegen: mit den sogenannten ANPR-Kameras, die auch schon zur Kriminalitätsbekämpfung eingesetzt werden.

ANPR-Kameras in der Eifel

Bild: Michaela Brück/BRF

Die Nationalstraße zwischen St. Vith und Amel gilt als eine der unfallträchtigsten Strecken in der Eifel. Geschwindigkeitsbeschränkungen und Abschnittsmessungen sollen jetzt helfen, die Zahl der Unfälle zu reduzieren. „Es funktioniert nicht, wenn wir es nicht schaffen, die Verkehrsteilnehmer mit ins Boot zu nehmen“, sagt Johannes Cremer, Leiter der Polizeizone Eifel. „Als Polizei sind wir begrenzt, im Rahmen unserer personellen Stärke und der Größe des Gebietes, das wir abdecken müssen. Im Moment sind Kontrollen eher Zufall, manche betrachten es auch als Pech, wenn sie erwischt werden. Hier wollen wir jetzt wirklich sagen: Leute, überdenkt euer Fahrverhalten! Dabei wollen wir auch moderne Technik nutzen: Das ist eine solche Abschnittsmessung.“

Jeweils zwei Kameras stehen an den ausgewählten Abschnitten: eine am Anfang, eine am Ende der Strecke. Sie erfassen Weg und Zeit der Fahrzeuge und können so die Geschwindigkeit messen. Gegenüber herkömmlichen Radargeräten haben sie in den Augen von Johannes Cremer einen großen Vorteil: „Der Vorteil der Abschnittsmessung ist, dass man nicht nur zwischendurch punktuell auf die Bremse drückt und dann wieder Gas gibt, was an gewissen Stellen sogar zu einem vermehrten Unfallrisiko führen kann. Hier geht es wirklich darum, auf das Verhalten der Verkehrsteilnehmer Einfluss zu nehmen, damit sie die Geschwindigkeitsbegrenzung überall respektieren.“

An drei Standorten sind die Abschnittsmessungen vorgesehen: zwischen der Walleroder Brücke bis Medell Hochkreuz sind die Kameras bereits montiert. Auch die ANPR-Kameras auf der Büllinger Straße zwischen dem Dorfzentrum Amel und Mirfeld stehen schon. Ein dritter Standort auf der N62 in Burg-Reuland ist in Planung.

Neben der Unfallhäufigkeit gibt es weitere Kriterien für die Standortwahl: „Ein zweites Kriterium ist der Fahrzeugverkehr. Es liegt auf der Hand, dass wir so eine Anlage nicht in einer Sackgasse aufstellen.“ Es gibt auch einen juristischen Rahmen: Das Geschwindigkeitsregime muss von Anfang bis Ende das gleiche sein. Außerdem gibt es noch technische Voraussetzungen: Der Abschnitt muss mindestens 500 Meter lang sein. Dort darf keine große Kreuzung sein. Es gibt eine ganze Reihe von weiteren Faktoren, die beachtet werden müssen.

Johannes Cremer geht davon aus, dass der Verkehr auf den kontrollierten Abschnitten weiter fließen wird. Sollten Fahrer versuchen, den Kontrollen über Nebenstraßen auszuweichen, wird die Polizei Maßnahmen ergreifen. „Wir haben ja auch immer noch ein mobiles Radargerät, das ist eine Möglichkeit. Wir haben auch über Verkehrsberuhigungsmaßnahmen nachgedacht.“

Neben der Verkehrssicherheit sollen die Kameras später auch der Kriminalitätsbekämpfung dienen. Die ANPR-Kameras werden von der Wallonischen Region finanziert. Ab wann sie genau in Betrieb sein werden, kann die Polizeizone Eifel nicht sagen. Sie rät den Verkehrsteilnehmern, sich schon jetzt an die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu gewöhnen.

Michaela Brück

11 Kommentare
  1. Alain Niessen

    Wie wenig Bedenken wie Belgier gegen Videoaufzeichnungen und -überwachung unseres Bewegens in der Öffentlichkeit haben, verwundert mich immer wieder.

    Was wird denn aufgezeichnet von den ANPR-Systemen, was wie lange gespeichert, was kann zu Ermittlungen herangezogen werden unter welcher Ernsthaftigkeit der Verdächtigungen

  2. Rainer Manz

    „Big brother is watching you“ man möchte uns Kontrollieren wo es nur geht. Mit Kriminalitäts bekämpfen meint man hier in erster Linie wohl „Schwarzarbeit“!! Politiker, Bürgermeister oder Ostbelgische „VIP“ die hier rasen werden nie zur Kasse gebeten, es geht wieder einmal nur darum den kleinen Mann kräftig in den A…H zu treten!!!

  3. Peter Mertens

    Ist die Menschheit doch selber Schuld…
    Autos kaufen mit aktivierten GPS das permanent Daten sendet, jeden Kaugummi mit der Kreditkarte bezahlen und sein Leben auf Instragram/ Facebook öffentlich machen.
    Dann wird für viele Anfragen, wie z.B Preise der Autoversicherung eine Mailadresse und eine Handynummer verlangt.
    Daten sammeln scheint das wichtigste in Belgien zu sein.

  4. Edgar Michaelis

    Bei den vielen, mit luxemburgischen Kennzeichen versehenen Leasing-PKW würde es mich interessieren, wie die dann identifiziert werden können, denn soweit mir bekannt verwehrt sich die luxemburgische Polizei und Justiz ihre Anmeldungen/Leute zu verpfeifen. Oder gibt es dazu neuere Abkommen ? Diese PKW manifestieren besonders oft auf den Strassen der Gemeinde Burg-Reuland ein freiwillges ‚pressiert sein‘. Nicht nur auf der N62 sondern auch auf der N827. Die sollte die Devise sein : Gerechtigkeit für alle, bitte !

  5. Norbert Schleck

    Der Herr Michaelis sollte vielleicht selber mal googeln, statt andere für sich recherchieren zu lassen:

    „Informationsaustausch in Sachen Verkehrsdelikte“
    „Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes über den Informationsaustausch in Sachen Verkehrsdelikte können die Behörden des Mitgliedstaats, in dem ein Verkehrsdelikt begangen wurde, die luxemburgischen Daten einsehen, um den betreffenden Inhaber der luxemburgischen Zulassungsbescheinigung (Halter eines luxemburgischen Fahrzeugs) zu identifizieren.“

    Alles klar?

    Nach dem durchlöcherten Bankgeheimnis nun also auch kein Schutz mehr vor Strafverfolgung bei Verkehrsdelikten im Ausland. Eine Schande…

  6. Edgar Michaelis

    Sehr geehrter Herr Schleck. Bei mir ist Google-Suche tabu. Sie können sich aber gerne damit schmücken, nur lesen Sie bitte selbst (da steht ja) : „…können die Behörden…“ Das heisst ja noch lange nicht, dass diese sich dieser Mölgichkeit auch bedienen werden ! Wenn da stände „…müssen die Behörden…“ dann wäre eine Gleichbehandlung aller Überwachten gewährleistet und garantiert ! Bei einer/der solchen/derzeitigen Wahlmöglichkeit noch lange nicht. MfG

  7. Horst Emonts-pool

    Von wegen Kriminalitätsbekämpfung. In Born würde von ein paar Wochen, ganz in der Nähe einer solchen Kamera eingebrochen. Die Täter konnten nicht ermittelt werden. Aber damit kann man ja auch nichts verdienen. Die totale Überwachung ist das Ziel. Alle Neu Konstrukierten Fahrzeuge bekommen jetzt von Werk aus eine Geschwindigkeitsüberwachung eingebaut.
    Da bräuchte man solche Kameras doch überhaupt nicht.

  8. Norbert Schleck

    „Bei mir ist Google-Suche tabu.“
    Kann man machen. Rückständige gibt es überall.
    Immerhin benutzen Sie aber das Internet, Herr Michaelis…
    Sie können natürlich auch nach Luxemburg ins dortige Transportministerium gehen, um sich die nötigen Informationen zu besorgen.
    Von dessen Webportal, einer offiziellen Quelle also, stammt der zitierte Text.

    Ihre Interpretation ist total falsch.
    Der luxemburgische Staat erlaubt den Behörden eines Mitgliedsstaates, luxemburgische Nummernschilder zu identifizieren („können“).
    Er hat aber nun mal keine Befehlsgewalt über die ausländischen Behörden, um sie zu zwingen („müssen“), das auch zu tun.

    „Wahlmöglichkeiten“ gibt es de facto auch in Belgien.
    Längst nicht alle Verkehrsdelikte werden durch eine gebührenpflichtige Verwarnung geahndet oder landen vor dem Kadi, aus den verschiedensten Motiven.
    Schauen Sie mal hier rein: „Classements sans suite – Motifs“
    („Rapport statistique 2019 – Politique criminelle : Contrôles et sanctions“)

    Aber ich vergaß: Google ist ja bei Ihnen tabu…

  9. Peter Mertens

    Es geht ja auch nicht darum Täter zu ermitteln sondern Kohle in die klammen Kassen zu bekommen.
    In Aachen stehen sie nur noch in den 30er Zonen, bringt mehr Einnahmen.

    Section Control, da werden natürlich alle Kennzeichen registriert, keiner weiß welche Daten da gespeichert / verwertet oder weitergereicht werden.

    Wenn alle Neuwagenkäufer die Datenschutzerklärung beim Neuwagenkauf ablehnen, selbst mit der Konsequenz keinen neuen Wagen zu bekommen, würden die Automobilhersteller schnell einknicken, aber wie wie immer kommt die Aussage
    mir egal oder interessiert mich nicht….

  10. Horst Emonts-pool

    Herr Mertens. Die Autohersteller können auch nichts dafür. Es sind Eu. Gesetze. Übrigens wieder mal von dem demokratischen Land Deutschland, in Brüssel durchgesetzt. Ihr werdet noch alle an meine Worte denken. Eines Tages stehen ein paar Leute vor unserer Haustür und werden sagen, wier kommen die kammeras in ihrer wohnung installieren. Ich hatte schon die Erfahrung gemacht dass Handys auch abgehört werden, auch wenn sie nicht in gebrauch sind. Ich hatte mit einem Freund von Angesicht zu Angesicht etwas besprochen, kurz drauf bekam ich Werbung davon aufs Handy.
    Willkommen in der Digitalen Welt.

  11. Edgar Michaelis

    …und/oder wird implizit als ‚Rückständig‘ beschimpft…