Hochwasser im Überblick: Eupen und Raeren im Ausnahmezustand

Wegen der sehr starken und langanhaltenden Regenfälle gilt seit Mittwochmittag der Katastrophenplan in der Provinz Lüttich. Auch Ostbelgien ist betroffen, vor allem die nördlichen Gemeinden.

Raeren (Bild: Olivier Krickel/BRF)

Hochwasser in Raeren am 14. Juli (Bild: Olivier Krickel/BRF)

Eupen

In Eupen ist vorsorglich die Evakuierung einiger Straßen in der Unterstadt veranlasst worden. Betroffen sind Häuser im Schilsweg und in der Haasstraße. Dort droht die Weser über die Ufer zu treten.

In der Oberstadt ist das komplette Zentrum gesperrt worden, da das Hochwasser sich bereits bis zur Klötzerbahn ausdehnt. Auch der Couvenplatz im Ortsteil Nispert ist überflutet.

Bürger, deren Wohnungen überschwemmt sind und die keine Unterkunft finden, sollen sich zum Stockbergerweg begeben. Von dort aus werden nach Möglichkeit Notunterkünfte organisiert.

Es wird damit gerechnet, dass der Pegel der Wasserläufe über Nacht noch weiter steigt und die Wassermassen zahlreiche Keller und Straßen überfluten. Die Stadt Eupen ruft die Bevölkerung dazu auf, Vorkehrungen zu treffen, um Schäden zu vermeiden. Wertgegenstände und Elektrogeräte sollten auf höhere Etagen in Sicherheit gebracht werden.

Bürger, die nicht von Überflutungen betroffen sind, sollten zu Hause zu bleiben. Erhöhtes Verkehrsaufkommen behindere die Rettungsdienste.

Eupen evakuiert vorsorglich 2.000 Menschen

Da die Lage im Süden der DG aktuell relativ entspannt ist, unterstützen Feuerwehrleute aus der Eifel ihre Kollegen in Eupen bei der Bekämpfung des Hochwassers. Vier Feuerwehrleute aus Amel und sieben Feuerwehrleute aus Büllingen sind im Einsatz. Das teilte der Feuerwehrkommandant Werner Greimers dem BRF mit. Das Rettungsboot der Feuerwehr sei ebenfalls nach Eupen gebracht worden. Es handelt sich, so Greimers, um eine Vorsichtsmaßnahme. Falls Menschen gerettet werden müssen, ist das Rettungsboot einsatzbereit.

Die Hilfeleistungszone DG bittet Anwohner, die über die Notfallnummer 1722 oder die 1722-Webseite einen Einsatz melden, um Geduld. Die Einsatzstellen würden nach Priorität und Möglichkeit abgearbeitet und keine Anfrage gehe verloren, auch wenn es länger dauere. Insbesondere wird darum gebeten, einen Einsatz nur einmal zu melden. Vermehrt werde festgestellt, dass es zu doppelten Meldungen kommt, was zu einem unnötigen Mehraufwand führe.

Kettenis

In Kettenis sind Straßen und Wiesen überflutet. Die Monschauer Straße zwischen Eupen und der deutschen Grenze wurde für den Verkehr gesperrt.

Lontzen

Auch aus der Gemeinde Lontzen werden überflutete Straßen gemeldet, so unter anderem aus Astenet. Rund um das Seniorenheim Katharinenstift steht das Wasser hoch.

Raeren

Die Hochwasserlage in Raeren hat sich am Mittwochnachmittag zugespitzt. Der Iterbach ist auch in Neudorf über die Ufer getreten. Weitere Überschwemmungen gibt es an der Platzstraße, der unteren Bahnhofstraße, auf Driesch und an der Burg.

In den Ortschaften Eynatten und Hauset gibt es nach Angaben von Bürgermeister Franssen bisher keine großflächigen Überschwemmungen.

Die Gemeinde Raeren versucht, weitere Schäden durch das Hochwasser abzuwenden. Bauhof und Rettungskräfte pumpen Wasser ab, legen Sandsäcke oder graben kleine Kanäle, um das Wasser von Häusern weg zu leiten. Wie Jérôme Franssen dem BRF mitteilte, mussten bisher zwei Familien eine Notunterkunft beziehen, weil ihre Wohnungen unter Wasser stehen.

Die Gemeinde hat in der Sporthalle der Schule Eynatten eine Anlaufstelle eingerichtet für Menschen, die wegen des Hochwassers ihre Wohnungen verlassen müssen.

Kelmis

In Kelmis stehen Häuser in der Umgebung der Rochus-Kapelle unter Wasser. In Moresnet Dorf ist die Göhl über die Ufer getreten. Auch in Hergenrath gibt es einzelne Überschwemmungen.

Eifel

Aus der Eifel liegen noch keine Meldungen über Feuerwehreinsätze oder Überflutungen vor. Nach Angaben des Bürgermeisters von Amel, Eric Wiesemes, befinden sich zwei Ferienlager in Tallage. Sie wurden von der Polizei vor einer Überschwemmungsgefahr gewarnt und gebeten, die aktuelle Lage im Auge zu behalten.

In Mürringen hat eine Pfadfindergruppe aus Mons ihren Lagerplatz aufgrund des anhaltenden Regens verlassen. Die Zelte der 51 Pfadfinder seien völlig durchnässt, teilte Bürgermeister Friedhelm Wirtz dem BRF mit. Die Jugendgruppe wird die Nacht zu Donnerstag im Trockenen in der Sporthalle Büllingen verbringen.

Laut Wirtz herrscht aber keine Überschwemmungsgefahr. Die Wiese, auf der die Pfadfinder ihre Zelte aufgeschlagen haben, befindet sich nicht in der Nähe eines Gewässers.

Spa, Theux und Jalhay

Das Zentrum von Spa stand bereits am Mittwochmorgen unter Wasser. Auch in Theux wurden die Straßen überflutet. In Jalhay mussten mehrere Ferienlager evakuiert werden. Die Pfadfinder wurden vorübergehend in einem Saal und in einer Schule untergebracht.

In der gesamten Provinz Lüttich sind die Feuerwehren im Dauereinsatz. Allein in Verviers mussten die Rettungskräfte wegen überfluteter Keller und Straßen mehr als 160 Mal ausrücken. In Verviers, Ensival und Pepinster hat die Weser bereits besorgniserregende Pegelstände erreicht.

Auch in Limbourg und Baelen wurde die Bevölkerung aufgefordert, Vorsicht walten zu lassen.

Grenzregionen

Auch in den angrenzenden Regionen sorgt der Starkregen für Probleme. In Kornelimünster droht die Überflutung des historischen Stadtkerns. Grund ist der steigende Wasserstand des Flusses Inde.

Im Eifelkreis Bitburg-Prüm wurden zwei Campingplätze in Waxweiler und Oberweis geräumt. Wegen des anhaltenden Regens droht dort derzeit die Prüm über die Ufer zu laufen.

Bahn

Der Starkregen hat auch zu Problemen im Bahnverkehr geführt. Die Bahnlinien Ostende-Eupen, Kortrijk-Welkenraedt und Liège-Guillemins-Verviers-Central wurden geschlossen, weil Gleise überschwemmt sind.

mb/cd/mh/cs

4 Kommentare
  1. Udo Theodor

    Warum wurde an der Talsperre nicht schon vor ein paar Tagen Wasser abgelassen? War doch schon länger angekündigt worden das es sehr viel Niederschlag gibt.…

  2. Uwe Chemnitz

    Hätte,hätte Fahradkette….schon mal was von abwägen, entscheiden oder Ähnlichem gehört?

    Und jetzt säuft die Eifel ab, hab ich so noch nicht erlebt….Klimawandel….

  3. Dr. Rudolf H. Janssen

    Meines Wissens liegt die Wesertalsperre nicht in der Eifel und Wasser fließt nicht bergauf. Geographie und Physik 6: Setzen

  4. Michael Gennes

    Die Wesertalsperre liegt zwischen Roetgen und Eupen, was ich als Eifel bezeichnen würde. Die Wassermassen, die wir z.Z. erleben, gab’s immer schon mal (siehe die uralten Hochwassermarken in Kornelimünster). 1976/77 befand ich mich in einem Unwetter mit Hagel, habe mich am Neumarkt in Aachen unter eine dicke Kastanie gerettet, nach etwa 15 Minuten stand das Wasser bis über die Mitte der Räder. Der Hagel hatte die Fallrohre verstopft, so dass das Wasser in der Toilette auf der zweiten Etage herauslief, zum Glück wohnte ich auf der dritten. In der gestrigen NZZ steht ein guter Artikel zu der derzeitigen Wetterlage, lesenswert und m.E. zutreffend. Anm.: Eupen liegt unterhalb der Talsperre, Dr. R.H. J. hat recht, Wasser fliesst nicht bergauf. Welche Note gibt er sich nun in Geographie?