Coronatests für drei Eifelgemeinden: 170 Einwohner nehmen Angebot am ersten Tag wahr

In St. Vith ist am Dienstagmorgen die dreitägige Corona-Testreihe angelaufen, die das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft durchführen lässt. Sie richtet sich an die Einwohner der Eifelgemeinden Amel, Burg-Reuland und St. Vith. Dort sind die Corona-Zahlen zurzeit besonders hoch. 170 Einwohner haben das Angebot am ersten Test-Tag angenommen.

Corona-Test im Drive-In an der Rodter Straße in St. Vith (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Corona-Test im Drive-In an der Rodter Straße in St. Vith (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Bereits um 7 Uhr hatte sich eine lange Autoschlange vor dem Drive-In in der Rodter Straße gebildet. „Ich wollte früh genug kommen. Heute ist ja auch Markt in St. Vith. Ich war schon um 6 Uhr hier“, erzählt ein Einwohner aus Atzerath. „Ich wollte mich immer mal testen lassen, weil ja so viele Fälle in Ostbelgien sind“, meint ein Mann aus Amel. Und ein Paar aus Reuland erklärt: „Man will ja wissen, wo man steht. Man hat zwar keine Probleme. Aber wenn es schon angeboten wird, soll man es auch machen.“

Das Ministerium hat die PCR-Tests veranlasst. Grund ist der hohe Inzidenzwert in den drei Eifelgemeinden – also die Anzahl positiv Getesteter auf 100.000 Einwohner. „Der liegt in den drei betroffenen Gemeinden sehr hoch: über 500, in einer Gemeinde sogar über 1000. Das sind im Vergleich sehr hohe Werte, und wir wollen nicht tatenlos zusehen, wie sich diese Werte immer weiter entwickeln“, erklärt Norbert Heukemes, Generaldirektor im Ministerium der DG. Die neuen Inzidenz-Zahlen sind zu finden auf der Seite von Sciensano.

Laut DG-Statistik gab es in den letzten sieben Tagen in Amel 24 Corona-Neuinfektionen, in Burg-Reuland 16 und in St. Vith 26. Doch die beunruhigende Entwicklung halte in den drei Gemeinden schon länger an, wie Heukemes erklärt. „Wenn ich die Zahlen der Infizierten in der DG im gesamten Monat März nehme, dann fällt die Hälfte auf diese drei Gemeinden, obwohl das einwohnermäßig weniger als ein Drittel ist. Auch im April haben wir eine ähnliche Entwicklung, dass gerade in diesen drei Gemeinden sehr hohe Inzidenz-Zahlen sind.“

Warum das so ist, ist unklar. Laut Ministerium sind keine konkreten Anlässe oder Orte bekannt, an denen man Infektionsherde festmachen könne. „Es ist relativ diffus. Das ist für uns ein Zeichen, dass das Virus zirkuliert. Dass man höchstwahrscheinlich auch mehr achten muss auf die Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen, dass man noch stärker mit diesem Virus leben muss und sich entsprechend auch im Alltag verhalten muss.“

Von den Tests erhofft sich das Ministerium eine bessere Übersicht von der Infektionslage in den drei Gemeinden. Das Wichtigste sei aber, die Infektionsketten zu durchbrechen. „Indem man das ganz normale Tracing durchführt und die Menschen, die einen engen Kontakt hatten mit den Infizierten, auffordert, sich in Quarantäne zu begeben für sieben oder zehn Tage, um dann dadurch die weitere Verbreitung des Virus zu verhindern“, so Heukemes.

Die kostenlosen PCR-Tests werden noch diesen Mittwoch und Donnerstag in St. Vith angeboten – jeweils von 7:30 bis 9:30 Uhr. Termine werden nicht vergeben. Die Teilnehmer sollten zwei Vignetten der Krankenkasse mitbringen.

mb

7 Kommentare
  1. Jean Pankert

    Sehr geehrter Herr Norbert Heukemes, Generaldirektor im Ministerium der DG,
    ich finde Ihre Initiative beachtlich und im Grundprinzip gut, wenn sie denn realitätsnah wäre. Ich bin zutiefst überzeugt, dass diese Initiative zwar gut ist, aber, ein altes Schweizer Sprichwort besagt: „Das Gegenteil von gut, ist gut gemeint!“
    Und ich denke, dass Ihr Parteikollege Karl-Heinz Lambertz, der in Schoppen, Gemeinde Amel (sehr betroffen) als Sohn eines kleinbäuerlichen Landwirtschaftsbetriebs, aufgewachsen ist, mir beipflichten würde.

    Stellen Sie sich als Ur-Eupener vor, dass Sie als 60, 70 oder gar 80-jähriger Landwirt und oder Familie aus Ouren (Gemeinde Burg-Reuland) nach St. Vith,
    eine Stunde hin plus eine Stunde zurück plus die Wartezeit am Testpunkt

  2. Scholl Michael

    Herr Pankert…
    Fahren Sie mir dem Traktor oder der Pferdekutsche von Ouren nach St. Vith?

  3. Manz Ingrid

    Sehr geehrter Herr Pankert, 60,70,80 Jährige sind keine Mumien, die meisten sind noch sehr fitt, und ich brauche von St. Vith nach Reuland keine halbe Stunde, also, was soll das? Ob die Herrschaften, sich allerdings an die Quarantäne halten, im Falle eines positiven Bescheid, ist fraglich, da ohnehin auf dem Land, die wenigsten sich an die Regeln halten (keine, oder kaum Besuche, oder andere besuchen gehen)

  4. Norbert Schleck

    Herr Pankert, ein Ur-Eupener, mit den uralten Klischeevorstellungen vom rückständigen Eifler Bauern.

    Abgesehen davon, dass es in der ganzen Gegend keine 80-Jährigen Landwirte geben dürfte, höchsten ehemalige, gibt es dort und, man höre und staune, 60-, 70- oder gar 80-Jährige Männer und Frauen, die einen Führerschein besitzen und ihn auch benutzen.

    Laut Michelin-Routenplaner beträgt die Distanz zwischen Ouren und St. Vith rund 25 Km und dürfte locker in einer halben Stunde zu bewältigen sein.

    Wäre der Kontext nicht so ernst, könnte man die Aussage des Herrn Pankert als eine der üblichen Frozzeleien zwischen Eupenern und Eifelern nehmen und darüber mit der den Eifelern eigenen Selbstironie amüsieren…

  5. Mario David

    Nach 48Stunden noch kein Ergebnis…

  6. Ramscheid Joseph-Bernard

    Hallo Norbert, so locker ist nicht drin: Ouren-Reuland ist eine kurvenreiche,enge Strasse. Da kann man bequem bis St. Vith eine Dreiviertelstunde bis eine volle Stunde rechnen.

  7. Norbert Schleck

    Danke für die Berichtigung, lieber Joseph-Bernard!
    Meine Zahlen stützen sich auf die Berechnung des Michelin-Routenplaners, der drei Routen zur Auswahl angibt mit annähernd den gleichen Werten.
    Das ergäbe eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50km/h.
    Der Routenplaner de ADAC gibt 35 Minuten an.
    Als Ortskundiger wirst Du das aber sicher sicher besser abschätzen können.
    Alles Gute in diesen schweren Zeiten.