Eselwanderungen, Hofbesuche und Tiertherapie: Die „Happy Farm“ in Lontzen

Das Höfesterben ist eine Realität, die auch vor Ostbelgien nicht halt macht. Der Landwirtschaft geht der Nachwuchs aus, Bauernhöfe stehen leer. In Lontzen hat ein junges Paar den Schritt gewagt und den alten Familienhof übernommen. Daraus gemacht haben sie einen Erlebnisbauernhof.

Happy Farm Lontzen (Bild: Julien Claessen/BRF)

Anne Johnen und Thomas Colle mit ihren Eseln Anatol und Lina auf der Happy Farm Lontzen (Bild: Julien Claessen/BRF)

Happy freut sich über den Besuch auf ihrem Hof. Nach der kleinen Mischlingshündin aus Rumänien wurde die Farm benannt – und nicht nur sie hat hier ihr Glück gefunden. Nach einer Weltreise haben sich Anne Johnen und Thomas Colle vor rund zwei Jahren hier auf Marzelheide zwischen Walhorn und Lontzen niedergelassen.

Anderthalb Jahre waren sie unterwegs und haben auf Höfen weltweit gearbeitet. So wuchs nach und nach der Traum vom eigenen Projekt, den sie hier dann realisieren konnten. „Das ist der Hof meiner Großeltern. Meine Mama ist hier groß geworden“, erklärt Anne Johnen.

„Die letzten zwei Jahre, bevor wir zurückkamen, stand der bereits leer und es stand noch offen, was damit geschieht und wer Lust hat, jetzt etwas damit zu machen. Wir haben dann für uns entschieden, dass wir diese Chance ergreifen wollen. Es passte einfach in dem Moment.“ Und so hat der alte Familienhof eine neue Bestimmung gefunden.

Aus dem ehemaligen Milchvieh- und Pferdezucht-Betrieb haben Anne und Thomas einen Erlebnisbauernhof gemacht. 2019 starteten sie das Projekt „Happy Farm“ und füllten den Hof allmählich wieder mit Leben. Zu ihren Mitbewohnern zählen inzwischen Katzen, Rinder, Hühner und Laufenten.

Das Aushängeschild der Happy Farm sind aber die beiden Esel Anatol und Lina. Mit ihnen kann man nämlich nach einer kurzen Kennenlern-Phase auf Wanderschaft gehen. „Wenn die Esel dann bereit sind, haben wir auch verschiedene Touren – von einer knappen Stunde bis hin zu einer Tagestour. Man kann auch Picknick mitnehmen, die Kinder können auf den Eseln auch reiten. Es geht darum, mal abzuschalten, raus zu kommen, zu entschleunigen und sich zu erden.“

Damit richtet sich das Angebot ausdrücklich auch an Erwachsene. Aber die Esel haben noch eine andere, besondere Aufgabe auf der Happy Farm. Anne ist nämlich Ergotherapeutin und bringt die Tiere auch in ihre Therapien ein. Dafür hat sie eine spezielle Weiterbildung gemacht. „Die Tiere helfen oft, um schneller in Kontakt zu kommen und eine entspanntere Atmosphäre zu schaffen.“ Gerade Esel eignen sich deshalb für die tiergestützte Ergotherapie besonders gut.

„Esel strahlen eine gewisse Ruhe aus. Sie sind vom Wesen her sehr neugierig, gehen also auf den Menschen zu und suchen den Kontakt. Esel sind keine Tiere, die man zu etwas zwingen kann. Man muss wirklich auf sie eingehen und sensibel mit ihnen sein. Es sind sehr feinfühlige Tiere – deswegen finde ich das auch so passend für die Therapie, weil es einfach ein Spiegel ist. Ein Spiegel dessen, wie du selber bist.“

Alle Sinne ansprechen, die Feinmotorik fördern, das Selbstvertrauen stärken oder einfach nur eine positive Erfahrung machen – darum geht es bei der tiergestützten Ergotherapie. Die Ziele sind ganz individuell – ebenso wie die Patienten. „Ich bin vom Klientel her noch sehr breit aufgestellt. Jeder, der das Gefühl hat, zu mir kommen zu wollen, ist herzlich willkommen. Es sind oft Kinder, Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen. Ich habe da auch nicht die eine Therapieform, die ich mache, sondern gehe ganz individuell auf jeden einen und mache einen ganz persönlichen Therapieplan.“

Neben tiergestützter Ergotherapie und Eselwanderungen hat die Happy Farm aber noch mehr anzubieten, zum Beispiel Hofbesuche für Personen und Gruppen jeden Alters. „Ein Hofbesuch sieht meist so aus, dass wir den Kindern erstmal die Tiere zeigen. Sie dürfen die Tiere dann füttern, streicheln und kennenlernen, die Esel bürsten und Hufen auskratzen. Wir haben auch eine Strohburg, wo getobt werden kann. Oft wird der Hofbesuch auch mit einer Eselwanderung verbunden.“

Darüber hinaus kann die Happy Farm auch gemietet werden, zum Beispiel für Geburtstage, Kommunionen oder Hochzeiten. Außerdem gab es in den Karnevalsferien erstmals eine Ferienanimation. Auch das soll künftig weiterhin zum Angebot gehören.

Anne und Thomas haben noch viel vor. Mit und mit treiben sie ihr Projekt „Happy Farm“ voran. In Zukunft soll die Fassade erneuert werden, zwei Ferienwohnungen sollen auf dem Hof entstehen und aus dem Stall soll irgendwann ein Festsaal werden. „So oder so ist es ein Lebensprojekt. Ich glaube, dass die Ideen und Möglichkeiten nie aufhören werden. Und es werden mit Sicherheit auch noch Tiere dazu kommen.“

Verstärkung ist auch schon unterwegs. Schon bald erwarten Anne und Thomas ihr erstes Kind. Die Happy Farm wird also um mindestens ein Mitglied reicher – und das Abenteuer geht weiter.

Happy Farm Lontzen (Bild: Julien Claessen/BRF)

Bild: Julien Claessen/BRF

Melanie Ganser

2 Kommentare
  1. Dieter Hosin

    …das ist ein sehr schönes Projekt, ich lebe auch auf einem alten Bauernhof und fühle mich hier sehr wohl, ich wünsche euch viel Erfolg und würde euch auch gerne mal besuchen!
    Alles Gute Dieter Hosin

  2. Claudia Eickhoff

    Ein sehr schönes Projekt, ich wünsche den Beiden sehr viel Freude und Erfolg. 🍀❤
    Schön zu sehen, dass es in diesen dunklen Zeiten noch junge Menschen gibt, die an die Zukunft glauben. Ich hoffe sie bekommen von der Befölkerung so viel Unterstützung wie möglich ❤❤