Impfkampagne: Tierärzte bieten ihre Hilfe an

Die Impfkampagne in Belgien ist eher schleppend angelaufen. Lieferengpässe, Probleme in der Logistik und Organisation - die Gründe sind vielfältig. Ein Problem ist auch, dass es in den Impfzentren zu wenig Ärzte und Pflegekräfte gibt. Warum nicht auch Tiermediziner mit ins Boot holen?

Tierarzt Grégory Schoonbroodt bei der Arbeit (Bild: Michaela Brück/BRF)

Tierarzt Grégory Schoonbroodt bei der Arbeit (Bild: Michaela Brück/BRF)

Tierarzt Grégory Schoonbroodt ist auf einem Biohof in Lontzen im Einsatz. Hier behandelt er eine hochtragende Kuh wegen einer Euterentzündung. Das Präparat wird in die Vene gespritzt.

Alltagsgeschäft für den Tierarzt – wie für einen Humanmediziner. „Rein technisch betrachtet ist es dasselbe. Wir haben die Anatomiekenntnisse. Es geht darum, intravenös in die Vene zu gelangen, intramuskulär in den Muskel oder subkutan unter die Haut. Also rein technisch betrachtet genau das Gleiche“, erklärt Grégory Schoonbroodt. Deshalb könnten Tierärzte auch bei der Impfkampagne praktisch mithelfen, meint der Tierärzteverband UPV.

Mehr als 1.000 Tierärzte aus der Wallonie und Brüssel sind in dem Verband vertreten. Ihr Anliegen haben sie in einem Schreiben an Gesundheitsminister Vandenbroucke vorgebracht. „Es ging darum, dass wir mehrere Mitglieder hatten, die die Frage gestellt haben, ob wir uns da nicht anbieten könnten, falls bei der Kampagne Not am Mann wäre. Anfangs hieß es ja, dass viele Dosen sehr schnell verarbeitet werden sollten, und da stellte sich die Frage, wie schnell das ablaufen kann, und dementsprechend muss man auch Personal haben“, sagt Schoonbroodt.

Dass die politischen Verantwortungsträger nicht von sich aus auf die Tierärzte zukommen, bedauert die UPV – zumal einige Veterinärmediziner an Anti-Virus-Strategien beteiligt sind. „Die Tierärzte sind stark vertreten, haben auch die Kenntnisse dazu. Epidemien, virale Erkrankungen, sogar Coronaviren sind für uns Alltag.“

„Sogar im Kälberdurchfall sind Coronaviren impliziert, natürlich andere Sorten, aber wir haben die Erfahrung mit Epidemien, Krankheiten, die auch auf Menschen übergehen können – wie Tollwut oder Q-Fieber.“

Mensch und Tier müssten gemeinsam gesehen werden, wenn es um die Volksgesundheit geht, nicht nur in der Corona-Krise. Grégory Schoonbroodt plädiert für das ganzheitliche Konzept „one health“, in dem sich Humanmediziner, Tierärzte und Zahnärzte vernetzen und gemeinsam nach Lösungen suchen.

„Volksgesundheit ist auch für uns Tierärzte vor allem im Nutztierbereich ein wichtiges Anliegen, weil wir da auch viel Verantwortung tragen, verschiedene Krankheiten auch überwachen auf dem Terrain und die dann auch melden müssen. Das ist ein Punkt, den wir immer wieder auch anprangern bei den Behörden, dass wir da nicht genug berücksichtigt werden, obwohl wir eine hohe Verantwortung haben und uns auch immer mehr zugewiesen wird.“

Daran erinnert ein weiteres Schreiben der Tierärzte an Gesundheitsminister Vandenbroucke. Von Beginn der Krise an gelte ihr Berufszweig als unentbehrlich, und man habe von ihnen einen Dienst an der Gesellschaft erwartet. „Da haben wir nur daran erinnert, dass es für uns nur logisch erscheint, dass wir in dem Zusammenhang auch prioritär geimpft werden müssten, sowohl um uns als auch unsere Kunden zu schützen.“

Bislang hat die UPV noch keine Antwort von Gesundheitsminister Vandenbroucke erhalten. Die Tierärzte hoffen, dass ihre Fachkompetenz nicht vergessen wird.

Tierarzt Grégory Schoonbroodt bei der Arbeit (Bild: Michaela Brück/BRF)

Bild: Michaela Brück/BRF

Michaela Brück