Im Venn Gerettete zur Kasse bitten?

Gleich drei Mal innerhalb von zehn Tagen mussten Einsatzkräfte ausrücken, um Wanderer zu suchen, die sich im Venn verlaufen haben. Jetzt überlegen einige, dass in solchen Fällen die Geretteten für die Kosten aufkommen sollen.

Polizeiabsperrung auf der Vennstraße auf Höhe der Abzweigung Jalhay (Bild: Manuel Zimmermann/BRF)

Bild: Manuel Zimmermann/BRF

Die Idee kommt unter anderem von Maurice Fyon. Er ist der Bürgermeister von Baelen und hat diese Idee mit den anderen Bürgermeistern seiner Polizeizone besprochen. Er sagt am Montag in der Zeitung LaMeuse: Verirrte Wanderer im Venn suchen, das ist jedes Mal ein Großeinsatz mit Drohnen, Spezialfahrzeugen und nicht zuletzt Dutzenden Personen, die ausrücken. Das kostet eine Stange Geld, das jetzt der Steuerzahler zahlt. Und überhaupt wären solche Suchaktionen vermeidbar, wenn Wanderer nicht so leichtsinnig wären, so Fyon.

Bei einer Rettungsaktion, bei der es um Menschenleben geht, darf die Feuerwehr dem Geretteten die Kosten aber nicht in Rechnung stellen. Nun könnte man verirrte Wanderer im Venn auch als Suchaktion betrachten. Das wäre Aufgabe der Polizei und die Feuerwehr würde nur eine technische Unterstützung anbieten, die sie dann wiederum in Rechnung stellen könnte. Allerdings steht diese Interpretation auf sehr wackligen Füßen. Schließlich schwebten die verirrten Wanderer im Venn ja durchaus in Lebensgefahr – bei Minustemperaturen im Schnee.

Baelens Bürgermeister Maurice Fyon will aber nicht so schnell aufgeben. Ihn ärgert auch, dass verirrte Wanderer die ausgeschilderten Wanderwege verlassen haben. Das ist auch ohne Schnee schon verboten. Mit Schnee wird es dann richtig gefährlich. Fyon verweist außerdem auf das Forstamt, das an Suchaktionen ebenfalls beteiligt ist. Und das Forstamt wolle die Überstunden seiner Beamten in Rechnung stellen, heißt es.

meuse/okr

4 Kommentare
  1. Marcel Scholzen eimerscheid

    Ich halte nichts davon, die Geretteten zur Kasse zu bitten. Denn die verirren sich ja nicht wissentlich und willentlich. Jeder kann sich mal verlaufen. Dann müsste auch jeder Politiker, der einen Fehler begeht, auch Schadenersatz leisten. Passiert aber nur selten.

    Wenn die Gefahr besteht, dass eine Rettung finanzielle Folgen haben kann, haben vielleicht manche Angst, die Rettungsdienste zu rufen.

  2. Rutté Harry

    Ich halte es auch für keine gute Idee den Aufwand auf die Betroffenen umzulegen. In anderen Zeiten fahren wir zur Küste und da werden so manche auch schonmal aus dem Wasser gerettet. Ist mir auch schon passiert und da kam auch keine Rechnung. Danke an meine Retter von damals.

  3. Jean-Pierre DRESCHER

    Wenn von den Verursachern der hohen Rettungskosten niemand für den finanziellen Schaden zur Kasse gebeten wird, werden diese Kosten von Ihnen als ehrlichem Steuerzahler getragen.

    Ich halte das für bedenklich, denn das ist ein klares „weiter so“ Signal an alle Spass-Touristen aus der der inländischen Event- und Partyszene,beim nächsten Mal so richtig krachen zu lassen auf Kosten der ehrlichen Allgemeinheit.

    Anders wenn jemand legalen Urlaub in den Alpen macht und zum Fall für die Bergwacht wird. Dann sollte die Frage der Haftpflicht abhängig davon sein, ob er sich legal auf den ausgeschrieben Wanderwegen in Abhängigkeit von seiner physischen Konstitution bzw. dem Lebensalter bewegt. So ähnlich wird das in den Alpenländern und Norwegen durchgeführt. Da gibts gut gesicherte Familienwege und Klettertouren die nur für Sportler empfohlen werden. Wer wild über Felsen oder Naturschutzflächen springt muss eh mit saftigen Strafen rechnen, wenn er von der Politi auf frischer Tat erwischt wird.

  4. Erich Horst

    Ich bin dafür, dass die Verursacher für Suchaktionen bezahlen.
    Alles Andere würde zu noch mehr Sperrungen führen, die für die Gemeinden sonst unumgänglich werden.
    Wie unkooperativ manche Zeitgenossen sind, hat man zur Genüge bei der massenhaften Missachtung der Corona Regeln sehen können.