Aus Trauer gestorben: Altenheimbewohner auch in der DG allein gelassen worden

Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr sind "die Menschenrechte der Bewohner von Alten- und Pflegeheimen verletzt worden", schreibt die Organisation Amnesty International in ihrem aktuellen Bericht. Unerträglich war für viele Heimbewohner vor allem das Besuchsverbot im März. Auch in der DG sind viele Senioren einsam gestorben. Einige vielleicht sogar an Einsamkeit. Eine Angehörige, die dieses Jahr beide Elternteile verloren hat, schildert ihre Erlebnisse.

Seniorin (Illustrationsbild: Maxime Anciaux/Belga)

llustrationsbild: Maxime Anciaux/Belga

„Wir mussten Kostüme anziehen und wir durften meine Mutter nicht berühren und umarmen. Das war sehr schwer. Nach vier Tagen hat man uns dann angerufen und gesagt, die Mutter wäre verstorben“, sagt eine Frau, die anonym bleiben möchte, über das letzte Mal, als sie ihre Mutter gesehen hat.

Die Mutter sei unter menschenunwürdigen Bedingungen im Seniorenheim gestorben, so die Tochter. „Meine Eltern waren im selben Seniorenheim, aber in einer anderen Abteilung, da meine Mutter dement war. Die Pfleger haben mir im Nachhinein gesagt, sie hat immer nach mir gerufen. Sie haben versucht, das zu lockern, aber leider war die Bestimmung so, dass das nicht ging.“

Auch der Vater durfte seine Frau nicht mehr besuchen. Denn im Frühjahr lag er im Krankenhaus und musste danach in Quarantäne. Ein Zustand, den die demente Mutter nicht verstand. Sie verweigerte daraufhin das Essen und ist nach zwei Monaten gestorben.

Auch bei der Beerdigung durfte der Vater nicht dabei sein. Erst im Mai durfte er wieder besucht werden – unter strengen Auflagen und mit begrenzten Besuchszeiten. „Nach Mai durften wir ihn draußen besuchen. Aber wir durften ihn nicht drücken. Dabei hat er geweint. Es war schlimm.“ So schlimm, dass auch der Vater die Lust am Leben verloren habe. Kurze Zeit später, im August, ist er gestorben – an Trauer, da ist sich die Tochter sicher.

Den Pflegern macht sie keinen Vorwurf. Doch die Politik hätte anders handeln sollen. „Man hat die Berichte gelesen jeden Tag: Und da habe ich mich gefragt, sind das noch Menschen die das machen?“. Die Angehörige glaubt, die Politiker hätten anders gehandelt, wenn sie selbst auch Familie im Heim hätten. „Klar, sie mussten die Leute schützen, aber ich fand es war menschenunwürdig.“

Die Bewohner schützen, aber sie dennoch menschenwürdig behandeln. Das hätte sich diese Angehörige gewünscht. Sie hofft, dass die Politiker aus den Fehlern im Frühjahr lernen, damit andere menschlicher behandelt werden als ihre Eltern.

Raffaela Schaus

Kommentar hinterlassen
14 Kommentare
  1. Marcel Scholzen eimerscheid

    Menschenrechtsverletzungen in Belgien. Das gibt es also auch hier. Schwer zu glauben aber wahr.

    Dann wäre es besser und glaubwürdiger für Belgien für Realisierung der Menschenrechte im eigenen Land zu sorgen, bevor man besserwisserisch auf andere zeigt, wie Polen, Ungarn, Russland etc.

  2. Lutz-René Jusczyk

    Anfang des Jahres war sie Situation teilweise chaotisch, denn niemand war wirklich auf die Pandemie vorbereitet: Es gab nicht genügend Schutzausrüstung, die Verbreitungswege des Virus waren noch nicht hinreichend erforscht; besonders in den Seniorenheimen breitete es sich rasant aus.
    Die Angst, wenn das Virus einmal von außen in eine Einrichtung hineingetragen würde, würden viele Bewohner an einer Infektion sterben, war rückblickend betrachtet alles andere als unbegründet: Tatsächlich gab es die meisten Covid-19-Opfer in Alten- und Pflegeheimen.
    Damit man mich nicht falsch versteht: Ich finde es absolut tragisch, was einige Angehörige durchleiden mussten, aber wie hätten die politisch Verantwortlichen in so einer Situation mit dem damaligen Wissen anders reagieren sollten?
    Hätten sie sagen sollen: „Obwohl es nicht genügend FFP2-Masken für das Personal in den Pflegeheimen, geschweige denn für Besucher gibt, weil der Markt schlichtweg leergefegt ist, lassen wir dennoch Besuche zu?“
    Wer würde dann heute für die Covid-19-Opfer in den Heimen zur Verantwortung gezogen werden?

  3. Manuel Waxweiler

    Zum Glück kennt niemand Ostbelgien! Zum Glük hat man es nicht geschafft das bekannt zu machen!

  4. Margarete Rossberg

    Ich finde es bedenklich das Menschen in hohem Alter nicht mehr selbst entscheiden dürfen das Risiko einer Ansteckung in Kauf zu nehmem um eben nicht würdelos und einsam zu sterben.
    Noch schlimmer finde ich das diese Menschen die das Land aufgebaut haben
    Ihre Selbstbestimmung bei Einzug ins Altersheim abgeben müssen.

    Das ist würdelos

  5. Paul Panitz

    Sehr geehrter Herr Jusczyk,
    Das entschuldet nicht diese menschenunwürdigen Bestimmungen.
    Keine Umarmungen? Nicht am Begräbnis seiner eigenen Ehefrau teilnehmen dürfen? Menschen die in der Lage sind, solche Bestimmungen zu erlassen und Leute, die diese dann auch noch argumentativ untermauern möchten, haben für mich jeglichen Respekt verloren! Die Würde des Menschen ist unantastbar. All diesen Menschen wurde an ihrem Lebensabend jegliche Würde genommen.

  6. Uwe Chemnitz

    Erstmal vorweg: ja ich arbeite in einer solchen Einrichtung…und ja es ist schon schlimm für die Bewohner, genau so für das Personal….

    Bei der 1. Welle kommentierte ich solche Aussagen, mit: wollt ihr das sie sterben wie die Fliegen in kalter Nacht? Da wurde ich angefeindet, beschimpft etc.

    So jetzt mal Klartext:
    M.S. Das geht total am Thema vorbei, aber Sie haben ja das Besserwisser-GEN,
    ferdech.
    M.W…..Also….würden Sie bitte mal nachdenken, bevor Sie hier etwas posten?

    M.R……würdelos..soso…Es wäre würdelos, wenn Sie noch nie in solch einer Einrichtung gearbeitet haben, und was da an Aufwand betrieben wird,wurde, um
    es den Bewohnern trotz der Situation so angenehm wie möglich zu machen.

    Paul Panitz….noch nie gelesen hier….entscheiden Sie doch mal mit Würde, wie man das handhaben sollte, in solch einer Situation….und leben Sie bitte danach auch mit den Konsequenzen!

  7. Marc Despineux

    Werte FrauRossberg,

    Ihr Satz:
    „Noch schlimmer finde ich das diese Menschen die das Land aufgebaut haben
    Ihre Selbstbestimmung bei Einzug ins Altersheim abgeben müssen.“

    Meine Eltern hatten sich im hohen Alter und bei vielen Gebrechen fürs Altenheim entschieden. Es waren wundervolle Rest-Jahre ihres Lebens. Tanzen, Spiele, Feiern, Singen und viel Lachen. Selbstbestimmt fuhren sie in Urlaub, machten Wochenenden und und und. Als Ihre Lebenszeit zu Ende ging wurden sie menschlich und würdevoll betreut.
    Uns als Familie, besonders für meine Eltern, war das Pflegeheim Stütze und Hilfe.

  8. Uwe Chemnitz

    Danke für diesen Kommentar Herr Despineux!

  9. Margarete Rossberg

    Herr Despineux
    Das liegt A daran wo ich hingehe.
    Es gibt ja auch Einrichtungen in denen Ehepaare selbstbestimmt aber medizinisch betreut werden. Da haben Ihre Eltern gut und richtig entschieden.
    Allerdings habe ich das nicht gemeint.
    Sondern auch Einzelpersonen die durch Voerkrankungen gehandicapt sind.
    Ich habe es selbst erlebt.

    Herr Chemnitz
    Ich habe 6 Jahre im Altersheim gearbeitet und war 15 Jahre beim Roten Kreuz aktiv.

    Ich kenne die Zustände.
    Gott sei Dank nicht überall. Niemand denke ich kritisiert das,Pflegepersonal,
    Ich kritisiere die Gesetzgeber. Ich kritisiere Madame De Block die das Gesundheitswesen mit ihrem kaputt sparen beschädigt hat.

  10. Frank Mandel

    Eltern und alte Menschen gehören nach Hause. In das Zuhause, was eben diese jetzigen alten Menschen einen selbst früher gegeben haben.
    Dann gibt es halt kein Eigenheim für 350.000 Euro sondern kleiner aber dafür ein Zimmer für die Eltern und kein Altenheim.
    Für eben diese Menschen, die uns erzogen haben.
    Geht’s eigentlich noch? Diese Argumentationen sind unverschämt und völlig am Thema vorbei.
    Ein Parabel Beispiel aber für Menschen die solche Kommentare auch für das Thema Integration übrig haben.
    Kein Platz für Eltern aber wissen wollen wie es geht oder was?
    Man sollte immer wissen woher man kommt, bevor man nach vorne läuft und alles umarmt was einem entgegen kommt.
    Eltern und alte Menschen gehören nach Hause, muss möglich sein.
    BIO einkaufen, Friday for future gut finden, Button an Einkaufstüren kleben, gut angezogen sein, Hybrid fahren, gut gebildet: aber die Eltern im Altersheim.
    Wie witzig….!

  11. Uwe Chemnitz

    Frank Mandel …lesen Sie Ihren Kommentar nochmals genau durch, bevor er zu lesen ist……..also langsam reicht es. lesen Sie mal….das bildet.

    Danke für Ihre Antwort Frau Rossberg, da stimme ich zu, es kommt bei Ihrem
    Kommentar aber so herüber, als wären alle daran schuld.
    Ich weiß, das es sich mittlerweiler etwas entspannt hat, und trozdem muss man Vorsicht walten lassen…das ist KEIN normales Grippevirus!

  12. PAUL PANITZ

    Sehr geehrter Herr Chemnitz,
    ich halte mich sonst auch damit zurück, Kommentare zu posten.
    es tut aber nichts zur Sache, ob Sie mich kennen („….noch nie gelesen hier….“), oder nicht. wir waren in unserer Familie ähnlich betroffen.
    Ich vermute mal, ich habe mich falsch ausgedrückt. Zumindest habe ich den Eindruck, wenn ich Ihren Kommentar lese. Ich wollte absolut nicht die Pflegekräfte in den Altenheimen kritisieren, ganz im Gegenteil. Wenn Sie sich dadurch angegriffen fühlten, so tut mir dies leid.
    ich kann der Dame aus o.g. Artikel aber nur beipflichten: jeder der eine solche Situation miterlebt hat (und das habe ich), hätte anders entschieden.

  13. Uwe Chemnitz

    Danke Herr Panitz, für Ihre Erklärungen….der Name weil es auch solche Menschen gibt, die für eine Nachricht hier eine WEGWERF-.EMAIL-Adresse benutzen.Dieser Account ist nur meistens eine halbe Stunde gültig und erlischt danach. Da kann man schon mal diew Sau raus lassen…:-(
    Was ich mich frage: was hätte man anders machen können….ohne die bewohner zu gefärden…???
    Nochmals kann ich versichern, das ALLES getan wird, um es den Menschen die bei uns wohnen, möglichst angenehm gemacht wird.

  14. René Theissen

    Diese Einsamkeit beim Sterben muss schlimm sein. Ich kann aber nicht verstehen dass man einen Sterbenden (wenn er noch eine kurze Zeit zu leben hat) nicht zu sich nach Hause nimmt. Wir waren ja in einer Ausnahmesituation. Wenn ich gut informiert bin hätte man dies tun können; es ging ja darum das der Sterbende in seinem Familienkreis war und nicht darum dass er nochmals zurück ins Heim sollte. Wir dürfen vieles kritisieren bei Verantwortlichen aber wir können uns auch „selber“ engagieren. Ich hätte alles unternommen um meine Mutter oder Vater nach Hause zu holen.

Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150