Keine Corona-Fälle in Ostbelgien: Der Schein trügt

Steigende Infektionszahlen werden vermehrt als zweite Welle bezeichnet. Doch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft scheint diese noch auszubleiben. Das suggerieren zumindest die offiziellen Zahlen auf der offiziellen Webseite von Sciensano. Für die neun deutschsprachigen Gemeinden stehen hier null Fälle in den letzten sieben Tagen. Doch der Schein trügt, denn inzwischen gibt es wieder Fälle in der Region.

Übersicht der Infektionsfälle pro Gemeinde von Sciensano

Übersicht der Infektionsfälle pro Gemeinde von Sciensano (4. August): In den deutschsprachigen Gemeinden werden keine Fälle angezeigt (Bild: Sciensano)

Null neue positiv Getestete in der DG und das schon seit längerer Zeit. So steht es auf der Webseite von Sciensano. Doch dem gegenüber stehen Berichte über Corona-Fälle in ostbelgischen Fußballmannschaften. Auch die Kontakt-Tracing-Zentrale der DG gibt an, dass sie in der letzten Woche in circa fünf Fällen aktiv war.

Warum also der Unterschied zwischen den offiziellen Zahlen und der aktuellen Situation in der DG? Bert Devleesschauwer von Sciensano hat sich die Lage in der DG angeschaut: „In unserer Datenbank haben wir vier Fälle für den Monat Juli. Keiner dieser Fälle hatte das Datum des Ausbruchs in der letzten Woche. Deshalb werden Sie auf der Übersicht null Fälle für die letzten sieben Tage sehen.“

Die vier erwähnten Fälle werden in einem ausführlichen Datenbestand zwischen dem 7. und 14. Juli aufgeführt. So weit zurück geht die interaktive Karte von Sciensano jedoch nicht. Diese umfasst nur die letzten sieben Tage.

„Wir registrieren die Fälle nach dem Datum, das für ein epidemiologisches Monitoring am relevantesten ist. Das entspricht typischerweise dem Datum des Ausbruches klinischer Symptome. Hat man hierzu keine Informationen, geben wir das Datum der Probenahme oder aber das Datum des Laborergebnisses ein. Die Tracing-Zentrale hingegen nimmt nur das Datum des Testergebnisses. Das kann auch einige der Diskrepanzen erklären“, so Bert Devleesschauwer von Sciensano.

Verzögerte Zählweise

Geht also heute ein positives Testergebnis bei Sciensano ein, wird es nicht unbedingt auf den heutigen Tag eingetragen, sondern rückdatiert. Das mag epidemiologisch korrekt sein, kann aber dafür sorgen, dass gewisse Fälle untergehen. Oft braucht das Labor mehrere Tage, um Ergebnisse zu übermitteln. Bis dahin können seit den ersten Symptomen schon mehr als sieben Tage vergangen sein. Das bedeutet, dass der Fall nicht zu den letzten sieben Tagen gezählt wird.

Die Tracing-Center hingegen handeln schneller. Sie gehen einem positiven Test direkt nach. Auch auf Gefahr, einen bereits zum zweiten oder dritten Mal getesteten Fall oder einen Fehlalarm zu bearbeiten.

Die Online-Datenbank von Sciensano filtert solche Fälle ebenfalls heraus: „Es gibt Diskrepanzen aufgrund des Entfernens von Fehlalarmen oder Duplikaten oder wegen verschiedener Definitionen bezüglich des Datums.“

So mag die Online-Datenbank von Sciensano zwar epidemiologisch möglichst nahe an der Realität sein. Allerdings ist sie dadurch träge. Oft fehlt es an Vollständigkeit, zumindest was die Fälle der letzten sieben Tage angeht. Und so bleiben die angezeigten null Fälle in den letzten sieben Tagen nur ein Teil der Wahrheit.

Andreas Lejeune

2 Kommentare
  1. Uwe Chemnitz

    Seit Tagen warte ich darauf, das DIES ENDLICH MAL PUBLIC gemacht wird…
    wir sind nicht oder noch nicht betroffen….und nicht immer diese Meldung das sich die Infektionszahlen übers gesamte Land ausbreiten…..das halte ich für sehr schlimm.

  2. Jean-Pierre DRESCHER

    Führen wir jetzt ebenso Grenzkontrollen ein gegen unsere frankophonen Nachbarn? Wenn „nein“ sollen die sich mal an uns, den Luxemburgern und den Deutschen ein Vorbild nehmen für besonnenes Verhalten gegen Nationalismus und Ausgrenzung im Sinne für ein freies Europa der Solidarität.

    Genau so die Engländer, die Dänen, die Franzosen und die Polen, die vermutlich echte Probleme bekommen hätten, hätten wir und alle anderen geschädigten Nationen sie so behandelt wie sie uns seit vielen Jahren behandeln. Einschließlich einem sofortigen Ende jeglicher EU-Zahlungen an reiche Länder wie diese.