Zentralbank-Gouverneur nennt Wallonische Region „kommunistisch“

Pierre Wunsch gilt als ein Mann der klaren Worte. Doch jetzt hat ein Interview mit ihm für erboste Reaktionen gesorgt. Wunsch hat die Wallonische Region wegen ihrer hohen staatlichen Ausgaben mit dem Kommunismus verglichen.

Pierre Wunsch, Gouverneur der Nationalbank (Bild: Laurie Dieffembacq/Belga)

Pierre Wunsch, Gouverneur der Nationalbank (Bild: Laurie Dieffembacq/Belga)

Pierre Wunsch, der Gouverneur der Nationalbank, war zusammen mit dem Klimaexperten Jean-Pascal van Ypersele in einem Doppel-Interview von der Katholischen Universität von Louvain-la-Neuve befragt worden. Dabei ging es um den sogenannten „Sophia-Plan“, der am 14. Mai von Premierministerin Sophie Wilmès vorgestellt worden war.

Ein ehrgeiziger Plan, der von mehr als hundert Wissenschaftlern und zweihundert Unternehmen, die im Bereich der nachhaltigen Entwicklung tätig sind, ausgearbeitet worden ist. Dieser „Sophia-Plan“ fordert erhebliche zusätzliche öffentliche Investitionen in die grüne Wirtschaft.

Nationalbank-Gouverneur Wunsch ist da eher skeptisch. Er sagte, dass der „Sophia-Plan“ nicht die institutionellen Probleme Belgiens berücksichtigt. Wunsch weist darauf hin, dass „die Wirtschaftsstruktur im Süden des Landes von Transfers aus Flandern abhängt“ und dass die öffentlichen Ausgaben in der Wallonischen Region bereits sehr hoch sind. Laut Wunsch machen sie 2021-2022 sogar 70 Prozent des Bruttosozialprodukts aus. Er schlussfolgert, dass man da einem kommunistischen Regime näher stehe als einem neoliberalen, vor dem manche warnen.

Nicht nur Freunde gemacht

Der wallonische Ministerpräsident Elio Di Rupo (PS) reagiert empört. Wenn Wunsch dies wirklich gesagt habe, sei dies inhaltlich falsch, und dazu noch beunruhigend. Damit zielt er auf die Funktion Wunschs. Der Gouverneur der Nationalbank stehe „im Dienste seines Landes, einschließlich der drei Regionen, aus denen es sich zusammensetzt“, so Di Rupo. Es sei „nicht seine Aufgabe, Werturteile zu fällen“. Von einem Gouverneur werde erwartet, dass er „mit Ernsthaftigkeit, Vorsicht und Zurückhaltung handelt und keine Aussagen macht, die schändlich und böswillig gegenüber öffentlichen Institutionen sind“, so der wallonische Ministerpräsident.

Auch andere PS-Politiker wie Kammer-Fraktionschef Ahmed Laaouej und der Brüsseler Bürgermeister Philippe Close äußerten Kritik. Ecolo hält den Kommunismus-Vergleich auch für abwegig.

Der Gouverneur der Nationalbank hat sich bislang weder entschuldigt noch reagiert – dafür aber sein Pressesprecher Geert Sciot. Er sagt, dass Wunsch schon seit langem die hohe Steuerlast in Belgien thematisiere. Die liege in der Wallonischen Region am höchsten. Aber auch in Flandern sei sie hoch. Dem Gouverneur der Nationalbank gehe es nur darum, einen Meinungsaustausch darüber zu führen.

Vor seiner Karriere bei der Nationalbank war Wunsch Kabinettschef beim damaligen Finanzminister Didier Reynders (MR).

Manuel Zimmermann

10 Kommentare
  1. Uwe Chemnitz

    Ich meine zu wissen aus der Zeit wo ich im Kommunismus lebte, nicht so perverse
    Steuern gezahlt zu haben.
    Für einen der Hausmeister ist, und 150 € prämie disponibilité BRUTTO erhält,
    macht das Netto noch 36 € und ein paar zerquetschte…..das ist inakzetabel
    Rund um die Uhr da sein, zur Verfügung stehen…..und das liegt ganz sicher nicht an meinem Arbeitgeber !!!

  2. Marcel Scholzen eimerscheid

    Eigentlich hat Pierre Wunsch recht. Genau wie die kommunistischen DDR ist die Wallonie eine Staatswirtschaft, ist von auswärtigen Zahlungen abhängig und wird regiert von einer Staatspartei.

  3. Freddy Langer

    Wenn man dem Hund auf den Schwanz tritt, jault er auf. . .

  4. Wahl, Joachim

    Wie in anderen Ländern, ist ausser für „grünen Klamauk“, kein Geld da. Dass alleine der arbeitende Steuerzahler dieses Geld erwirtschaftet, scheint den Planeten rettenden Politikern egal. Worthülsen, wie „Nachhaltigkeit, Green deal, usw., erfahren eine inflationäre Verwendung. Für was sollte sich Wunsch entschuldigen?

  5. Norbert Schleck

    „Ich meine zu wissen aus der Zeit wo ich im Kommunismus lebte,…“
    Wo und wann war das denn?
    Früher in Karl-Marx-Stadt?
    Bitte nicht nur „meinen zu wissen“, sondern Fakten.

  6. Peter Schallenberg

    Zwar ist die Einteilung der Welt nach „kommunistisch“ und „neoliberal“ von vorgestern, denn mittlerweile haben sich eine ganze Reihe anderer Extreme und Extremisten breitgemacht, man lese hierzu den Kommentar des Herrn Wahl.

    Trotzdem hat Herr Wunsch durchaus den Finger direkt in die Wunde gelegt.

  7. Guido Scholzen

    Sozialistisches Wirtschaften endet IMMER im Bankrott, denn:
    Das Problem des Sozialismus ist, dass ihm irgendwann das Geld anderer Leute ausgeht.
    Ob dies ist in der DDR mit West-Mark geschah, oder ob dies in der Wallonie mit den Euros anderer passiert… marktwirtschaftlich hat es den selben nutzlosen Effekt. Der Staat ist ein schlechter Unternehmer, und bleibt stets ein Zuschuss-Unternehmen.

    Man vergleiche die Energiewende ruhig mit der Wallonie und umgekehrt: Sozialismus wird nicht besser, nur weil man diese Zuschuss-Wirtschaft grün lackiert.

  8. Jean-Pierre DRESCHER

    Herr Scholzen, die DDR war zwar sozialistisch mit allen damit verbunden Vor- und Nachteilen, doch was Staatskapitalismus betrifft reicht wohl kein Staat der großen weiten Welt dieser EU das Wasser außer vielleicht Nordkorea und Venezuela.

    Ein Blick an die Mass mit der maroden schwarz rußenden Schwerindustrie dürfte reichen, um zu verstehen welches System am meisten schrottreif ist. Von den Bruchbuden der angrenzenden Dorfsiedlungen mit polnischer Braunkohle als Brennstoff und kaputten Straßen spreche ich erst gar nicht.

    Haben Sie mal historische Bilder oder Filmaufnahmen aus einer typischen DDR-Siedlung gesehen? Sicher war vieles einfach gestrickt ohne Luxus und mit vielen Umweltproblemen, doch was Sie in vielen westeuropäischen Doerfern zu sehen bekommen einschließlich z.B. den schrottreifen Reihenhäusern in Mittelengland spricht noch eine ganz andere Sprache als das bißchen DDR-Siff.

    Man sollte nicht vergessen dass ein normaler DDR-Arbeiter nur 5-10 Prozent seines Nettoeinkommens an den Vermieter der DDR-typischen Sputnik-Siedlungen zahlen musste. Da ging Plattenbau wohl in Ordnung.

  9. Norbert Schleck

    „Ein Blick an die Mass mit der maroden schwarz rußenden Schwerindustrie dürfte reichen, um zu verstehen welches System am meisten schrottreif ist.“

    Mein Gott, Herr Drescher, wann waren Sie denn das letzte Mal an der „Mass“?
    Zu Zeiten des seligen John Cockerill?

    Der Rest Ihres Beitrages ist vom selben Kaliber.
    Warum musste wohl der „antifaschistische Schutzwall“ mit Sprengfallen und Wachtürmen die Menschen im „Arbeiter- und Bauernstaat gefangenhalten, wenn da alles so rosenrot war?
    Die DDR war zum Schluss so was von pleite, pleiter geht nicht.
    Darüber debattierte das ZK gerade zufällig beim Mauerfall.

    Zehn Jahre Lieferfrist für eine Karre wie den Trabi?
    Marode Plattenbauten, weil das Geld für Unterhalt und Sanierung fehlte?
    Mangelwirtschaft mit „Organisieren“ in den Produktionsbetrieben?
    Leere Regale in den Konsum-Läden?
    Zwei Klassen: Besitzer von Westmark, die im Intershop einkaufen konnten, und die anderen?
    Bespitzelung durch die Stasi?
    Aber klar, das alles „ging wohl in Ordnung“?

  10. Alexander Hezel

    Herr Drescher, bei aller berechtigten Kapitalismuskritik, zählen die Selbstschussanlagen, die Stasi, die Toten, Gefolterten und Gebeutelten der DDR-Diktatur auch zu den „Vorteilen“ des „Sozialismus“?