Gelungener Neustart: Wiedersehen in den Schulen der DG

Nach zwei Monaten durften am Montag die Abschlussjahrgänge in die Schulen zurückkehren. Einige Schulen der französischen Gemeinschaft mussten geschlossen bleiben, weil sie die Hygieneauflagen nicht einhalten können. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft war man auf den Neustart aber gut vorbereitet: Genügend Platz und Material wurde für Schüler und Lehrer vorgesehen.

Ein bisschen war es wie der Schulanfang im September – und doch war alles anders: Kein Getummel am Busplatz, die Schüler sollten Abstand halten.

In die städtische Grundschule in St. Vith zurückkehren durfte am Montag die sechste Klasse. Nach zwei Monaten gab es das Wiedersehen – auf Abstand. Die Schüler freuten sich trotzdem: „Ich freue mich sehr, weil es sehr langweilig zuhause alleine war. Aber jetzt sieht man seine Freunde und das freut einen sehr. Ich musste mich schon öfter zurückhalten, sie nicht zu umarmen. Es ist auch komisch, sich nicht anzufassen“, so eine Schülerin.

Bevor es in die Klasse ging, gab es noch letzte Anweisungen von der Klassenlehrerin Julischka Fell: Wer wo sitzen und wer sich wo die Hände waschen sollte: „Am Freitag hatten wir das auch in einer Videokonferenz schon abgesprochen. Und auch zuhause bei den Kindern wurde es schon thematisiert. Ich denke, die Klasse ist ja auch alt genug, um die Anweisungen gut zu verstehen. Gleich in der Klasse besprechen wir noch, wie es in der Schule abläuft.“

Auch in der Klasse wurde zuerst die aktuelle Lage besprochen. Die Schüler sollten verstehen, wie der Unterricht nun abläuft, aber natürlich auch warum die Regeln wichtig sind. Schnell wurde klar: Die Schüler sind gut informiert – und nehmen die Lage ernst. Deshalb hielt sich in der städtischen Grundschule auch jeder an die Regeln. Und auch sonst verlief der Neustart hier problemlos, so die Lehrerin: „Vom Stundenplan war es einfach, weil ich sowieso die Klassenlehrerin bin. Wir haben auch genug Platz. Also war die Organisation kein großes Problem.“

Koordination der Stundenpläne für Abiturjahr schwierig

Mehr zu organisieren gab es einige Meter weiter, im Königlichen Athenäum in St. Vith. Dort wird nicht nur das sechste Schuljahr der Primarstufe, sondern auch das Abiturjahr wieder unterrichtet. Vor allem die Koordination der Stundenpläne war schwierig, sagt Schulleiter Jean-Marie Greven: „In der Grundschule teilt man das Schuljahr einfach nach Anzahl der Schüler auf. Aber in der Sekundarstufe gibt es verschiedene Studienrichtungen. Manche haben mehr Mathematik als andere und verschiedene Leistungskurse. Das zu organisieren war eine große Herausforderung.“

Auch Desinfektionsmittel und Hinweisschilder waren für diesen Schulanfang der besonderen Art von Nöten. Schilder auf dem Boden regeln beispielsweise die Laufrichtung der Schüler, und auch hier gilt regelmäßiges Händewaschen.

Der Schulstart ist aber soweit entspannt verlaufen, so die Abiturientin Lara Heindrichs: „Wir haben schon viel gelacht heute. Es ist schön, nochmal beisammen zu sein. Der Großteil geht doch gerne zur Schule und möchte den Abschluss trotz allem zelebrieren.“ Trotzdem hatte sich die Klasse das Abijahr vermutlich ganz anders vorgestellt. Traditionen wie der Abistreich müssen erst einmal verschoben werden – auf unbestimmte Zeit.

Genauso unbestimmt ist momentan, ob und wann mehr Jahrgänge in die Schulen zurückkehren. Aber je mehr Schüler, desto schwieriger die Einhaltung der Abstandsbedingungen. Nicht in allen Schulen der DG wird das unter den gegebenen Umständen machbar sein.

Raffaela Schaus