Zurück zu den Wurzeln: Junge Leute aus Recht beleben Bäckertradition neu

Jede Woche verschwinden in Belgien durchschnittlich zwei Bäckereien. Die Selbstständigen-Gewerkschaft SNI hat dafür eine Erklärung: Der Beruf sei für Jugendliche nicht attraktiv genug. Nathalie Schaus und Kim Champart aus Recht haben sich dennoch dafür entschieden.

Bild: Michaela Brück/BRF

Nathalie Schaus führt die Bäckerei ihrer Eltern weiter (Bild: Michaela Brück/BRF)

Nach Weltreisen und einer Zeit in Australien sind Nathalie Schaus und Kim Champart in die Eifel zurückgekehrt, um dort die alte Familienbäckerei Schaus fortzuführen. Der gelernte Heizungsinstallateur und die Marketingfrau wollen jedoch neue Wege gehen.

Denn wie hart der Bäckerberuf mit langen Arbeitstagen und wenig Sozialleben sein kann, das hat Nathalie Schaus schon in ihrer Kindheit erlebt. Die Bäckerei Schaus ist nun an vier Tagen geöffnet, sonntags geschlossen. Auch die Angestellten freut es, dass sie Zeit für die Familie haben.

Nathalies Vater Raymond Schaus war es, der sie überzeugen konnte, aus der großen weiten Welt ins Dorf zurückzukehren und den Familienbetrieb in Recht neu zu starten. Er hat dabei Schützenhilfe geleistet.

Der Familienbetrieb geht auf das Jahr 1885 zurück und besteht jetzt in vierter Generation. Antike Schmuckstücke wie der Knettisch oder der Gärschrank zeugen noch von dem alten Bäckerhandwerk. Das wollten Nathalie und ihr Freund Kim wieder beleben.

„Die Motivation war, zu sagen: Wenn wir das machen, dann gehen wir komplett zurück. Wir nehmen alle Triebmittel raus, backen auf natürliche Weise, soweit es geht“, sagt Nathalie Schaus. „Wir backen einfach weniger, denn wir möchten auch die Verschwendung im Rahmen halten.“

Weniger Verschwendung, auch mit Hilfe von Foodsharing Ostbelgien und der App „Too good to go“, mehr Zeit für die Produkte und viel Handwerk – das Konzept überzeugt auch den Vater. Denn er weiß aus Erfahrung: „Wenn du ein gutes Brot machen willst, ist es besser mit den Händen als mit den Maschinen.“

Raymond Schaus weiß auch, wie schwierig es heute für konventionelle Bäcker ist, zu bestehen. Er rät davon ab, immer mehr zu produzieren. „Den Ball flach halten – und macht euer Ding.“ Das haben sich Nathalie und ihr Partner Kim zu Herzen genommen. Mit drei eigenen Sauerteigen und wechselnden Broten bieten sie ein überschaubares Sortiment an, das wieder auf die alten Familienrezepte zurückgeht.

Nathalie und Vater Raymond Schaus (Bild: Michaela Brück/BRF)

Nathalie und Vater Raymond Schaus (Bild: Michaela Brück/BRF)

Michaela Brück

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2 Kommentare
  1. Alfons van Compernolle

    Gut so !! Echtes Handwerk / Handarbeit hat zu allen Zeiten seinen Erfolg geholt!
    Ein Uni.-Abschluss ist das eine und hat sicher seine Bedeutung & Wert , aber handwerkliche Berufe haben zu allen Zeiten und Epochen den Menschen ernaehrt
    Ja doch , ich der Dipl. Ing. & Handwerksmeister behaupte Handwerk hat nicht nur goldenen Boden, sondern auch Zukumft und Charakter !
    Das simple Handwerk ist es gewesen,welches unseren heutigen technischen Fortschritt erst hat ermoeglicht !

  2. Mersch Robert

    Bin vor 36 J nach Lux ausgewandert und werde nach dem 8 Mai wenn dann die Belgier mich hereinlassen sofort nach Recht kommen,ich suche die letzten J nur noch kleine Bäckereien und Metzger die noch Handwerker sind auf,wann sind die Öffnungstage, Viel Erfolg gewünscht,Robert Mersch

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