Nachruf auf Cembalist und Organist Robert Kohnen

Am Zweiten Weihnachtstag ist der Cembalist und Organist Robert Kohnen gestorben. Kohnen wurde 87 Jahre alt. Der aus St.Vith stammende Musiker war einer der Wegbereiter der historischen Aufführungspraxis in Belgien und ganz Europa.

Cembalo (Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / Antoine2K)

Cembalo (Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / Antoine2K)

Robert Kohnen darf als ein echter Pionier bezeichnet werden. 1932 in St.Vith geboren, studierte er am Lemmens-Institut in Mechelen und am Brüsseler Konservatorium Orgel und entdeckte bald das Cembalo.

Als 22-Jähriger spielte er erstmals mit den Kuijken-Brüdern in Brüssel. „Als wir 1954 erstmals im Atelier Marcel Hastir in Brüssel spielten, kannte im Publikum niemand die Musik von Rameau, Couperin oder Frescobaldi, das war absolut und im wahrsten Sinne des Wortes unerhört. Das Cembalo klang damals noch furchtbar, aber das war uns allen nicht bewusst, denn alle Instrumente waren nun mal von der schlechten Sorte, erst Mitte der 60 Jahre kamen die ersten besseren Kopien nach Belgien und überhaupt nach Europa.“

Es war eine spannende Zeit, eine Zeit des Suchens und Entdeckens: „Damals spielten wir anderthalb Konzerte pro Jahr. Die andre Zeit haben wir geprobt. Die Partituren waren auf Mikrofilme, die wir auf eine Leinwand projizierten. Wir nannten das damals: Wir gehen ins Kino heute Abend. Wenn es ein gutes Stück war, haben wir sie abfotografiert, eine damals kostspielige Sache, und die Fotos auf Karton geklebt, damit wir sie bei den Konzerten als Partitur benutzen konnten, denn Fotokopien gab es damals noch nicht. Ja, es war ein Abenteuer.“

Mit den Brüdern Kuijken und dem „Alarius Ensemble“ gastierte Robert Kohnen dann bald in ganz Europa sowie den USA und Asien. Aber Kohnen war nicht nur ein Spezialist in Sachen Alter Musik, auch die Moderne begeisterte ihn, so dass er seit 1960 mit Henri Pousseur und Pierre Bartholomée im Ensemble Musiques Nouvelles tätig war.

Doch es waren vor allem die Konzerte und Aufnahmen mit Ensembles wie „La Petite Bande“ und „Il Fondamento“, die ihn zu einer Galionsfigur der Alten-Musik-Szene aufsteigen ließen. Viele Jahre unterrichtete er am Brüsseler Konservatorium, gab Meisterklassen in Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada und den USA.

Nach Ostbelgien kam er ebenfalls für einige Konzerte des OstbelgienFestivals zurück, so spielte er in den 1990er Jahren in der Kapelle Weweler und auf Burg Reinhardstein. Robert Kohnen hat in seiner über 60-jährigen Karriere rund 50 Schallplatten und CDs eingespielt vor allem mit Werken von Bach, Fux, Couperin, Rameau und Haydn.

Am 26. Dezember ist Robert Kohnen in Dilbeek bei Brüssel gestorben. Er wurde 87 Jahre alt.

Hans Reul

3 Kommentare
  1. Guy Van Waas

    Lieber Hans Reul. Vielen Dank für dieser schöner Anruf auf mein super Lehrer Robert Kohnen!
    Ganz schöne Gluckwünsche für 2020.
    Guy VW

  2. bruno kartheuser

    danke, hans reul, für diesen kenntnisreichen nachruf! wir hatten die ehre – dank der Vermittlung unseres freundes herbert kohnen in st. vith (de schoster) – dass robert kohnen eine ‚krautgarten‘-lesung im st. vither rathaus mit dem cembalo begleitete. eine schöne erinnerung. er ruhe in frieden.

  3. Mark Hibbs

    Vielen Dank für diesen Nachruf. Unvergesslich bleibt Robert Kohnen’s Beiträge im Alarius-Ensemble sowie seine Rollen als Cembalist und Narrator in der Aufführung der „Apothéose Composé a la Mémoire de Monsieur de Lully“ aus der Doopsgezinde Kerk in 1975. RK war ein enorm kultivierter Mensch und für ein halbes Jahrhundert ein wahrer und einflußreicher Wegbereiter.