Zweiter Weltkrieg: Trauma für Betroffene und nachfolgende Generationen

Der Beginn der Ardennen-Offensive jährt sich am 16. Dezember zum 75. Mal. Mit einer Reihe von Gedenkveranstaltungen wird in diesen Tagen an die Kriegsereignisse erinnert, die viel Leid in unsere Region gebracht und viele Opfer gefordert haben. Ein Kriegstrauma haben aber nicht nur viele Zeitzeugen: Auch auf nachfolgende Generationen hat es Auswirkungen.

Archivbild der Ardennenoffensive (Belga)

Archivbild der Ardennenoffensive (Belga)

Bombardierung, Zerstörung der Existenz, Verlust von Angehörigen, Evakuierung, Verlust der Heimat, Hunger, Kälte und Erkrankungen: Die leidvollen Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg haben bei vielen Menschen Spuren hinterlassen.

„Forschungen haben gezeigt, dass zwischen 30 und 50 Prozent der Menschen, die damals Kinder waren, traumatische Erfahrungen gemacht haben“, so Dr. Ruth Romberg. Sie leitet die Psychiatrie der Klinik St. Josef in St.Vith und ist spezialisiert auf Traumatherapie.

Man könne von einer vielfältigen Traumatisierung der „Kriegskinder“- Generation sprechen, der Menschen, die zwischen 1929 und 1945 geboren wurden und heute zwischen 75 und 90 Jahre alt sind. „Oft haben die Menschen ihre Erfahrungen innerlich verkapselt, weil es für diese Kinder damals keine Möglichkeit gab, darüber zu sprechen, zu trauern, Trost zu finden, und sie mussten alleine damit fertig werden“, so Dr. Romberg.

Die Erinnerungen könnten wieder an die Oberfläche kommen, zum Beispiel ausgelöst durch Schlüsselreize wie Sirenengeheul oder Feuerwerk. „Im späteren Leben können auch Angstsymptome oder depressive Verstimmungen dazu kommen“, so Dr. Romberg.

„Im Alter kommen die Erinnerungen wieder ins Bewusstsein, und häufig wissen die Menschen dann nicht, wie sie damit umgehen sollen.“ Wichtig sei, ein einfühlender und akzeptierender Umgang mit diesen Menschen. Dies könne schon eine therapeutische Hilfe sein.

Es gebe auch eine transgenerationelle Traumatisierung: „Wir wissen, dass auch die nachfolgende Generation der Kriegsenkel ein Teil der Belastung ihrer Eltern trägt.“

Nachfolgende Generationen erleben eine grundsätzliche Verunsicherung, ein grundsätzliches Misstrauen oder eine Verunsicherung in ihrem Identitätsgefühl. Wenn über das Erlebte und Erlittene gesprochen wird, dann ist die Gefahr, dass es transgenerationell weitergegeben wird, etwas geringer.

Im Umgang mit Traumata gelte der Grundsatz, dass es um die Würdigung des Erlittenen geht. „Es geht darum, das anzuerkennen, was Menschen damals erlebt und erlitten haben, um den Schmerz, das Grauen, die Verluste. Das anzunehmen und anzuerkennen ist eine große gesellschaftliche Aufgabe.“

Deswegen sei es sehr gut, dass Gedenkveranstaltungen stattfinden, dass Geschichte in Erinnerung bleibt, meint Dr. Ruth Romberg. „Denn Geschichte, die erinnert wird, soll ja auch dazu dienen, dass sich Entsprechendes nicht wiederholt.“

Michaela Brück

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