Gratis-Wasser im Restaurant: Ostbelgische Gastronomen entschieden dagegen

In vielen Ländern gibt im Restaurant Wasser gratis. Auch in der Wallonie will die neue Regierung das nun einführen. Was viele Verbraucher auf den ersten Blick freuen dürfte, sorgt im Horeca-Sektor jedoch für Empörung.

Stephan Kohnen im Restaurant Napoli in St. Vith

Stephan Kohnen, Chef des Restaurants Napoli in St. Vith, ist gegen Gratis-Wasser (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Wasser soll es bald in wallonischen Restaurants gratis geben. Keine gute Idee, findet Stephan Kohnen, der Betreiber des Restaurants Napoli in St. Vith.

Auch wenn es nur um Leitungswasser geht, ist es für die Gastronomen mit Kosten verbunden. „Es ist eine Dienstleistung, wenn man den Gast bewirtet. Da reden wir von Personalkosten, die in den letzten 15 Jahren stetig wachsen. Man sollte nicht aus den Augen verlieren, dass Belgien europaweit in den Top drei liegt, was die Lohnkosten angeht. Das ist eine extrem hohe Belastung für die Gastronomie.“

Nicht die einzige Belastung, die den Gastronomen in den letzten Jahren auferlegt wurde. Das Gratis-Wasser ist an sich nur ein kleiner Tropfen, der das Fass aber nun zum Überlaufen gebracht hat. „Wir müssen uns den Regelungen vom Staat unterwerfen, sei es Afsca, ONSS oder der Fiskus.“, sagt Stephan Kohnen.

„Von diesen staatlichen Kontrollorganen bekommen wir immer mehr administrative Arbeit aufgehalst. Das ist bald nicht mehr handelbar. Wir verbringen unglaublich viel Zeit auf dem Büro, was früher nicht war, und das ist Zeit, die uns im Betrieb fehlt.“ Aspekte, die der Verbraucher oft unterschätzt.

Ähnlich sieht man es im Bütgenbacher Hof. Bis zu 10.000 Euro macht das Tafelwasser alleine im Restaurant monatlich aus. Ein Umsatz, auf den der Geschäftsführer Thorsten Maraite nicht verzichten möchte.

„Ein Glas Wasser bei einem Café, wie das in südlichen Ländern oft gemacht wird, würde uns auch nicht wehtun. Aber das Wasser, was am Tisch verkauft wird, tut uns sehr wohl weh“, sagt Thorsten Maraite.

„Man kann vor allen Dingen Belgien nicht mit anderen Ländern vergleichen. In Luxemburg sind es zum Beispiel drei Prozent, in Holland neun Prozent. Wir sind bei 21 Prozent. Und wir sind eigentlich in allen Gebieten Spitzenreiter, was die Kosten angeht.“

Der Vergleich mit anderen Ländern ist für die Gastronomen daher nicht tragbar. Vor allem, da andernorts mehr Alkohol konsumiert wird oder stellenweise Aufpreise für Gedeck und Brot gelten.

Doch nicht nur den Gastronomen würde mit dem Wasser eine Einnahmequelle fehlen. „Wenn wir von 10.000 Euro Wasser im Monat alleine bei uns reden, fehlen ihnen 2.100 Euro steuerliche Einnahmen fehlen. Irgendwo müssen sie das ja wieder reinholen. Wie wir wissen, ist unsere Wallonie ja auch nicht mit Geld gesegnet.“

Thorsten Maraite im Bütgenbacher Hof (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Thorsten Maraite: Restaurants können nicht auf die Wasser-Einnahmen verzichten (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

rasch/km

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Ein Kommentar
  1. Yves Tychon

    Erst mal eine Klarstellung: Mag ja sein, dass die MWSt. in Luxemburg nur 3 % statt 21 % wie in Belgien beträgt. Nur ändert das nichts am Wucherpreis für Mineralwasser, das genau wie in Belgien mit 6 bis 8 Teuro pro Liter berechnet wird !

    Ansonsten gilt das Prinzip « andere Länder, andere Sitten »: Gerade im Nahen Osten ist es – als wohlverstandene Geste der Gastfreundschaft – üblich, dem soeben eingetroffenen Gast fürs Erste eine 1,5 l Flasche Mineralwasser auf den Tisch zu stellen, natürlich (?) kostenlos.

    Einen Tipp für unsere geldgierigen Gastronomen (zugegeben, sie sind nicht alle so) kann ich mir nicht verkneifen: In der Schweiz sah ich auf diversen Getränkekarten, dass das Leitungswasser zwar kostenlos ist, aber dass… eine Servicepauschale von 2 Fränkli verlangt wurde. Ob damit eine finanzielle Schieflage abgewendet werden kann, steht auf einem anderen Blatt.

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