Kupferkabeldiebstahl: Infrabel versucht, Schaden zu begrenzen

Der Diebstahl von Kupferkabeln entlang der Bahngleise hat in den vergangenen Monaten wieder spürbar zugenommen. Anfang der Woche sorgte ein Kupferklau auf der Bahnstrecke Eupen-Welkenraedt auch in Ostbelgien wieder einmal für ärgerliche Verspätungen bei der Bahn. Netzbetreiber Infrabel versucht, den Schaden mit allen Mitteln zu begrenzen. Doch das ist gar nicht so einfach.

Infrabel (Bild: Manuel Zimmermann/BRF)

Bild: Manuel Zimmermann/BRF

Etwa 6.000 Kilometer ist das belgische Bahnstreckennetz lang. Ebenso lang müssen die verschiedenen Kabel entlang der Strecke sein. Die wertvollsten sind aus Kupfer. Sie zu stehlen, ist (grundsätzlich) keine gute Idee, sagt Infrabel-Mitarbeiter Robert Denis. „Man muss sagen: 1.000 Volt stecken in so einem Kabel. Ein falscher Griff und Sie leben nicht mehr. Dann sind Sie schwarz. Das heißt: Die wissen genau, was sie machen.“

Es sind keine Gelegenheitsdiebe, die Kupferkabel stehlen, sondern organisierte Banden. Davon ist der Bahnnetzbetreiber Infrabel überzeugt. Meistens operieren sie nachts in Teams mit mehreren Fahrzeugen. Gerne auch in Grenznähe. „Es sind nicht Hunderte Banden. So eine Organisation, die weiß genau, was sie macht. Die klauen meistens in Grenznähe, damit sie schnell ins Ausland können“, erklärt Denis. In Belgien kann Metall nicht anonym verkauft werden.

Für Infrabel ist der Materialschaden beträchtlich. Auch für das Personal sind die Diebstähle eine hohe Belastung, erklärt Infrabel-Pressesprecher Arnaud Reymann. „Im Schnitt beträgt der Schaden pro Diebstahl 15.000 Euro. 30 Mitarbeiter reparieren dann tagsüber und nachts den Schaden, damit der Bahnbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Das sind dann 30 Mitarbeiter, die ihre eigentliche Arbeit vernachlässigen müssen. Finanziell ist das eine große Belastung für Infrabel, die am Anfang des Jahres nicht budgetiert worden ist.“

Zur Zeit werden die gestohlenen Kupferkabel durch Aluminiumkabel ersetzt. Die sind günstiger, aber auch schwerer. Auch ist nicht klar, ob sie so langlebig wie die Kupferkabel sind.

6.000 Kilometer Bahnnetz könne man nicht bewachen, sagt Arnaud Reymann. Infrabel hofft sehr, dass den kriminellen Banden das Handwerk gelegt wird. „Wir haben alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft, um das Problem des Kabeldiebstahls zu lösen. Die beste Lösung sind Polizeiaktionen, die zu Festnahmen und Verurteilungen mit Gefängnisstrafen führen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass eine Gefängnisstrafe von mehreren Jahren zu weniger Kabeldiebstählen geführt hat.“

Wird Kabel entlang der Bahnstrecke gestohlen, führt das sofort dazu, dass sich die Sicherheitsschranken an Bahnübergängen schließen. Ärgerlich für die Autofahrer, die dort blockiert sind. Infrabelmitarbeiter müssen die Bahnschranken dann selber wieder öffnen kommen. Auch für sie ist das dann lästig.

Manuel Zimmermann

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