Bidiplomierung als Europa-Premiere: Belgischer und deutscher Meisterbrief für jungen Mirfelder

Es war eine Premiere im Zentrum für Aus- und Weiterbildung des Mittelstandes ZAWM in Eupen. Nicolas Schröder aus Mirfeld hat gleich zwei Meisterbriefe erhalten: einen als Restaurateur in Belgien und einen als Küchenmeister in Deutschland. Auch eine Premiere auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in Europa, die jetzt gebührend gefeiert wurde.

DG-Bildungsminister Harald Mollers, Nicolas Schröder und Stefan Plum von der IHK Aachen (Bild: Rudi Schroeder/BRF)

DG-Bildungsminister Harald Mollers, Nicolas Schröder und Stefan Plum von der IHK Aachen (Bild: Rudi Schroeder/BRF)

In der Lehrlingsausbildung gibt es sie bereits, die sogenannte Bidiplomierung, für den Meisterkurs gab es sie bislang noch nicht, sieht man einmal davon ab, dass vor einigen Jahren ein Raumausstatter einen deutschen und belgischen Meisterbrief erhalten hatte. Aber, in Deutschland ist der Meisterbrief für den Raumausstatter längst abgeschafft.

Anders verhält sich das beispielsweise bei der Fachrichtung Koch/Service, in der man seinen Meister machen kann und dann den Titel Restaurateur in Belgien trägt und den des Küchenmeisters in Deutschland. Nicolas Schröder, der 24 Jahre junge Mann aus Mirfeld, hat das geschafft in einem zweijährigen Kurs am ZAWM. Vor den Fachjurys mit Mitgliedern der IHK Aachen und des Zentrums in Eupen hat er die Prüfungen abgelegt – und bestanden.

Zur Zeit arbeitet Nicolas Schröder in einem Schweizer Restaurant zwischen Basel und Zürich, aber schon bald geben die Inhaber ihr Unternehmen auf, und Nicolas muss sich auf die Suche nach einer neuen Stelle machen. Mit hervorragenden Chancen, denn in unserer Grenzregion gibt es nicht wenige Arbeitgeber, die den Doppelmeister gerne einstellen würden.

Klar, dass die Diplomüberreichung im Rahmen einer Feststunde im ZAWM gefeiert wurde – unter anderem mit ZAWM-Direktor Thomas Pankert, mit Vertretern der IHK Aachen, aber selbstverständlich auch dem hoch erfreuten Bildungsminister Harald Mollers. Er nannte die Bidiplomierung einen Geniestreich. „Das erspart uns lästige und manchmal auch langwierige Anerkennungsprozeduren“, so Mollers.

„Der Arbeitsmarkt ist mittlerweile international: Arbeitnehmer aus Aachen kommen in unsere Region und unsere ausgebildeten Fachkräfte wollen ins Ausland. Wenn es darum geht, Diplome anzuerkennen, gibt es aber immer wieder Hindernisse.“ Des Geniestreichs Bidiplomierung bedarf es also nur deshalb, weil es bei der grenzüberschreitenden Diplomanerkennung in vielen Bereichen noch hakt.

Was Europa nicht schafft, gelingt bilateral zwischen den Institutionen in Ostbelgien und der Aachener Region. Dabei spielen die traditionell guten Beziehungen zwischen den Verantwortlichen die entscheidende Rolle. Die belgische Freude über den Ausbildungserfolg von Nicolas Schröder wird natürlich auch von deutscher Seite geteilt. „Es war ein sehr langer Prozess und die Gespräche waren nicht immer einfach, aber letztendlich sind wir auf einen guten Nenner gekommen. Es ist perfekt, dass wir dem Herrn Schröder jetzt hier die beiden Diplome aushändigen können“, sagt Stefan Plum, Ausbildungsberater bei der IHK Aachen. „Das ist ein sehr guter Tag für die Euregio.“

Nicolas Schröder äußerte sich in seiner kurzen Ansprache besonders lobend über die Unterstützung seines Lehrers Eddie Pidancet, Koordinator Ernährung beim ZAWM. Er hat den jungen Mirfelder von Beginn an begleitet und weiß auch die Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu schätzen. „Ich bin sehr glücklich über sein Engagement. Sowieso finde ich die Ausbildung hier in Belgien sehr attraktiv und reizvoll, weswegen ich als Deutscher auch froh bin, dass ich hier unterrichten kann“, sagt Pidancet. „Natürlich liegt es mir am Herzen, dass sowohl die Deutschen als auch die Belgier sich finden und miteinander die Zukunft gestalten, denn ich glaube, dass in dieser Region unheimlich viel Potential liegt.“

rs/mg

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