Fachkonferenz: Energiewende in Ostbelgien

"Auch ohne Zuständigkeit ist die Energiewende ein zentrales Zukunftsthema der Deutschsprachigen Gemeinschaft." Das sagte Ministerpräsident Oliver Paasch am Mittwoch zur Einleitung einer Fachtagung im Ministerium der DG in Eupen. Ihr Titel: Ansätze und Möglichkeiten für eine nachhaltige Energieversorgung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Bild: Manuel Zimmermann/BRF

Bild: Manuel Zimmermann/BRF

„Klimaschutz ist etwas, was uns auch betrifft und wo wir unseren Beitrag leisten wollen – auch wenn wir derzeit noch wenige Zuständigkeiten politischer Art haben. Dennoch haben wir in den letzten Jahren bereits viele Anstrengungen unternommen, um zum Beispiel die Energieeffizienz in der DG zu verbessern. Und im Rahmen einer solchen Veranstaltung können wir mit Experten aus dem In- und Ausland gemeinsam schauen, wie das auch technisch gelingen kann“, sagt Ministerpräsident Paasch zum Sinn und Zweck der Fachtagung.

Ein Thema der Fachtagung war die Energieversorgungssicherheit Belgiens nach dem Atomausstieg. Gastredner war Dr. Ing. Niklas van Bracht, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft der RWTH Aachen. „Belgien hat sich in den letzten Jahren durch einen hohen Import-Charakter ausgezeichnet. Und da ist auch zukünftig keine Veränderung zu erwarten. Unter Berücksichtigung des Atomausstiegs ist eine weitere Zunahme des Energieimports zu erwarten“, so van Bracht.

Niklas van Bracht (Bild: Manuel Zimmermann/BRF)

Niklas van Bracht (Bild: Manuel Zimmermann/BRF)

„Der Kernenergieausstieg bis 2025 ist mit gewissen Herausforderungen verbunden, die man schon jetzt antizipieren sollte. Unsere Simulationen zeigen, dass dieser Ausstieg mit Gegenmaßnahmen möglich ist. Ein vollständiger Kernenergieausstieg bis zum Jahr 2020 ist für Belgien mit hohen Gefahren für die Versorgungssicherheit verbunden.“

Van Bracht räumt auch mit einem Missverständnis auf. Es heißt, Deutschland fordere einen Atomausstieg Belgiens, damit Deutschland ihren Braunkohlestrom an Belgien verkaufen kann. „Die deutschen Braunkohlewerke sind ohnehin stark ausgelastet. Und die Kapazitäten werden in den nächsten Jahren stark abnehmen. Belgien bekommt Braunkohlestrom aus Deutschland, aber nicht durch den Wegfall von Kernkraftwerken.“

mz/mg

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7 Kommentare
  1. Jean-Pierre DRESCHER

    Der FÖD würde sich nützlich machen, das Verfeuern von schmutzigen Kohlebriketts und feuchtem Holz in den ungefilterten Öfen auf föderaler Ebene zu verbieten. Im eines der reichesten Länder der Welt (EZB-Studie) kann jeder Hauseigentümer mit Gas oder Mazout rußarm heizen.

    Ich schreibe das hier weil wir als die kleine DG im Alleingang nicht allzuviel gegen die Klimakatastrophe unternehmen können bzw. nirgendwo bei uns auf Wasserkraft, Gezeitenkraftwerke oder Geotherme als alternative Energiequellen zurückgreifen können.

  2. Guido Scholzen

    Wer an die Klimakatastrophe glaubt, der sollte sich besser zu den Zeugen Jehovas gesellen. Mit Wissenschaft und Technik hat dies wenig zu tun.
    Paasch meinte: „Klimaschutz ist etwas,… wo wir unseren Beitrag leisten wollen“. Nein! Die Herren Politiker sollten wissen, dass die Menschen nicht unter einem angeblichen Klimawandel leiden, sondern unter der Bürde einer sinnlosen Energiewende.
    Mich würde wohl gern interessieren, ob dieser Niklas van Bracht auch über Grundlastfähigkeit verschiedener Stromproduktionsarten gesprochen hat.

  3. Wahl, Joachim

    Paasch wiederholt doch nur die Sachen, welche politisch vorgegeben werden.
    „Klimaschutz“ ist die größte Absurdität des 20/21sten Jahrhunderts. Und was für ein Geschwafel: „Der Kernenergieausstieg bis 2025 ist mit gewissen Herausforderungen verbunden, die man schon jetzt antizipieren sollte…“, heißt im Klartext, wenn keine neuen Kraftwerke in Belgien gebaut werden, geht das Licht aus. Punkt! Wer an die Notwendigkeit und vor allem die „Wirkung“ von „Klimaschutz“ glaubt, sollte sich besser mit seiner Paranoia in psychiatrische Obhut begeben und ärztlichen Rat suchen.

  4. Alexander Hezel

    Haben die Herren Wahl und Scholzen eigentlich auch an der Fachkonferenz teilgenommen, um ihr „Expertenwissen“ mit allen zu teilen?

    Herr Scholzen, in Bezug auf ihre Falschaussage, „dass die Menschen nicht unter einem angeblichen Klimawandel leiden“: Der Klimawandel ist schon längst da, und er beeinträchtigt das Leben der Menschen: die Angehörigen der 85 Toten durch die Waldbrände in Kalifornien, die Bewohner von 52 Inselstaaten, deren Existenz vom steigenden Meeresspiegel bedroht ist, oder auch die Menschen, die vermehrt von immer heftigeren Überschwemmungen, Windstürmen und Dürren heimgesucht werden, sind wohl Beweis genug…
    Der Klimawandel ist im übrigen nicht nur eine Bedrohung für das Wohlsein, sondern auch für den Wohlstand (IWF, World Economic Outlook, Kapitel 3).

  5. Gennen Jerome

    @ Guido Scholzen: Ja, der Niklas van Bracht hat, basierend auf reellen Daten aus der Jahren 2012-2014, gezeigt, wie das „europäische“ Stromnetz, mit Fokus auf unsere Region, ausgelastet war und welche Kraftwerke liefen. Er hat auch Extremszenarien, wie zB den Totalausfall der Erneuerbaren Energien mit gleichzeitig extrem hohem Verbrauch, unter Berücksichtigung der Abschaltpläne von Atom- und Kohlekraftwerken und dem Bau neuer Verbindungsleitungen, durch das Simulationsprogramm laufen lassen, um zu sehen ob und wie das europäische Netz in Zukunft Versorgungssicherheit und Verteilung gewährleisten kann. Diese Studie wurde in Zusammenarbeit mit Elia und ORES erstellt. Beim nächsten Mal sind Sie ja vielleicht dabei, dann können Sie ja gerne Ihr Fachwissen einbringen.

  6. Guido Scholzen

    @Hezel:
    1.Waldbrände sind in Kalifornien und anderswo normal, die gab’s auch schon vor dem Klimawandel-Geschwafel.
    2.“52 Inselstaaten…“,die Mär vom schneller steigenden Meeresspiegel. Versinken Oostende und Sylt dann auch bald? Die Fidschi-Inseln versinken übrigens im Meer wegen der Plattentektonik und nicht wegen Meeresspiegelanstieg. Die dortigen Politiker machen das selbe wie die unsrigen: Man sagt dreimal „Klimawandel ist an allem schuld“ und schon soll der Rubel rollen.

    @Jerome Gennen
    Zitat: „den Totalausfall der Erneuerbaren Energien“. Da lachen ja die Hühner.😄 Wind+Sonne haben DIE ALLERMEISTE ZEIT Totalausfälle (meist weht kein Wind und nachts ist die Sonne doch ziemlich dunkel, oder???); dafür brauche ich (als passionierter Computerfreak) keine dämliche Computersimulation, um dies zu berechnen. Für die Berechnung eines Stromnetzes müssen der Maximalverbrauch zu bestimmten Zeiten ermittelt werden. Der ermittelte Höchstverbrauch gibt dann an, welche Leistungen (MegaWatt) vorhanden sein müssen zur Nachfragebefriedigung. Dies geschieht nur mit GRUNDLASTFÄHIGEN Stromquellen. Alles andere ist Quatsch.

  7. Alexander Hezel

    Herr Scholzen, richtig, Waldbrände gab es schon vor der heutigen Zeit, sie treten aber häufiger und heftiger auf. Klimaphänomene werden im Allgemeinen extremer.
    Die Frage nach Ostende ist klassischer „Whataboutism“ – nur weil Ostende vielleicht nicht versinkt, heisst dass nicht, dass dies bei den 52 Inselstaaten auch der Fall ist.

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