Treibstoffknappheit: Situation in der DG ganz unterschiedlich

Wer eine Tankstelle in der Wallonie betreibt, ist in den letzten Tagen wahrscheinlich ins Schwitzen gekommen. Grund dafür sind die Proteste der "Gilets Jaunes", die seit knapp einer Woche auch in Belgien wegen zu hohen Treibstoffpreisen auf die Straßen gehen. Zugänge zu Treibstoffdepots wurden blockiert, LKW konnten nicht beladen und somit keine Ware ausliefern. Wie ist die Situation in der DG?

Bild: Rafau Roncaletti/BRF

Illustrationsbild: Rafau Roncaletti/BRF

Ein Drittel der Tankstellen in der Wallonie leidet unter dem Protest der Gelbwesten: Rund 400 Zapfsäulen arbeiten nicht mehr, weil kein Benzin oder Diesel mehr vorhanden ist – so die Meldung am Mittwochmorgen.

In der DG ist die Situation etwas entspannter und hängt von der Tankstelle ab. Die Freie Tankstelle in Eupen hat beispielsweise gar keine Probleme. Reiner Klein, erklärt, dass er Benzin überall kaufen darf und an kein Großunternehmen, wie Shell oder Total gebunden ist. „Ich habe eine freie Tankstelle und kann deshalb kaufen, wo ich will, zum Beispiel auch in Flandern, wo nicht gestreikt wird“, erklärt Klein. „Ich merke es wohl an der Kundschaft: Hier kommen jetzt Leute tanken, die ich vorher nie gesehen habe, weil sie bei den anderen nichts mehr kriegen.“

„In Lüttich sieht es aus wie im Weltkrieg“

Anders sieht es bei der Tankstelle Radermacher auf Merols aus. Sie holen im Normalfall die Ware selber im Depot in Lüttich ab, das ist derzeit nicht möglich. „Wir kriegen nichts mehr. In Lüttich sind die Autobahn und das Depot zu“, erklärt Erwin Radermacher. „Wir wissen im Moment nicht, wie es weiter geht, und man hat Angst, wenn man nach Lüttich fährt: Da sieht es aus wie im Weltkrieg.“

Wird die Situation sich in den nächsten Tagen nicht ändern, wird der Tankstelle der Treibstoff ausgehen. „Wir haben noch für ein, zwei Tage und dann ist hier Schluss. Verschiedene Heizölprodukte haben wir jetzt schon nicht mehr“, sagt Erwin Radermacher. „Und wenn Kunden bei den Temperaturen trocken laufen, können wir nicht helfen.“

Trotzdem: Panik sollte nicht verbreitet werden. Wer noch genügend Heizöl im Tank hat, soll die nächste Bestellung lieber noch etwas herauszögern.

Ran an die Reserven

Die Probleme, die Erwin Radermacher beschreibt, hat die Tankstelle von Sascha Fonk in Sankt Vith noch nicht. Die kleine Tankstelle bestellt ohnehin nur einmal in der Woche, am Mittwoch sollte eine Bestellung ankommen. Falls die nicht kommt, gibt es für den Notfall noch Reserven. „Wir haben noch für eine Woche Reserve, aber dann ist Feierabend“, sagt Fonk.

Auch bei der Tankstelle Mascha in Eynatten sieht es ähnlich aus. Hier ist die Lage noch entspannt, Heizöl wird noch geliefert, nur Diesel und Benzin sind nicht lieferbar. Derzeit werden hier also die Reserven schon gebraucht.

Die Tankstelle Jacobs in Sankt Vith bekommt noch Diesel und auch Benzin, allerdings mit Verspätung. „Wir bekommen es, aber nicht schnell genug. Am Dienstagmorgen sollten wir Benzin und Diesel kriegen und bekommen haben wir ihn um 19 Uhr. Es geht schleppend voran“, sagt Agnes Jacobs. Die längere Lieferzeit, sagt sie, liegt daran, dass ihr Diesel und Benzin jetzt aus Brüssel statt aus Lüttich kommt. Agnes Jacobs macht sich noch keine Sorgen.

Die Situation in der DG ist also von Tankstelle zu Tankstelle unterschiedlich.

lo/mg

Ein Kommentar
  1. Yves Tychon

    Köstlich, dass alle NATO-Länder im Krisenfall über strategische Reserven für etliche Wochen verfügen sollen, aber bei einer Demo von ein paar Dutzend Hitzköpfen den Tankstellen in Nullkommanix der Saft ausgeht. Respekt, gilets jaunes, Ihr bringt das Land schneller in die Knie als die Rote Armee. Und wenn Ihr fertig seid, gibt es den Sprit natürlich zum Nulltarif (wie in Venezuela).