EU-Battlegroup bereitet sich in der Eifel auf Einsätze vor

Die Eifel wird nächste Woche Schauplatz für eine große Militärübung. Bei der Operation "Quick Lion 18" werden von Sonntag bis Donnerstag circa 1.000 Soldaten aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden und Österreich zusammen den Ernstfall proben.

Soldaten im Militärlager Elsenborn / Bild: Stephan Pesch (BRF)

Illustrationsbild: Stephan Pesch/BRF

Noch sind die genauen Übungen und Operationen, die in der Eifel stattfinden werden geheim, denn die Soldaten sollen nicht wissen, was sie in den kommenden Tagen erwartet. Nur so viel – das Szenario ist folgendes: Belgien ist eine fiktive Provinz im Norden von Afrika. Dort hat gerade ein Referendum stattgefunden. Die Bewohner mussten sich entscheiden, zu welchem Land sie in Zukunft gehören möchten. Zwei standen zur Auswahl. Eine Entscheidung wurde getroffen. Diese wird jedoch von einigen Staaten nicht respektiert. Deshalb entscheidet sich die EU dazu die EUBG, die EU-Kampfgruppe, einzusetzen. Szenario Ende.

Ziel der Übung ist die Zertifizierung der Kampfgruppe, die für Erstmissionen in Krisengebieten zuständig ist. Anschließend sind die Soldaten bereit für den Fall, dass die Kampfgruppe von der EU beauftragt wird, erklärt Tim Thevissen. Er ist für die Organisation der Operation zuständig. „Es gibt fünf mögliche Szenarios, in denen die Soldaten eingesetzt werden können. Sie hatten sechs Monate Zeit zum Trainieren und jetzt steht die Prüfung an.“

1.000 Soldaten in der Region

Eine solche Kampfgruppe wird jeweils für ein halbes Jahr aufgestellt, immer übernimmt ein anderes Land die Führung und immer sind andere Länder in der Gruppe beteiligt. In der zweiten Jahreshälfte übernimmt Belgien die Führung.

Während in dieser Woche noch trainiert und die Technik vorbereitet wurde, startet am Sonntag dann der Praxistest. Dann werden 1.000 Soldaten in der Region zwischen Trois-Ponts, Vielsalm, St. Vith und Elsenborn an der Operation teilnehmen.

Eine ganz besondere Rolle spielt die Gemeinde Amel in dem Szenario. Denn der Fluss Amel ist im Szenario die Grenze zwischen zwei Bevölkerungsgruppen. An den Grenzübergängen, in dem Fall den Brücken, werden deshalb Kontrollpunkte eingerichtet.

Zuschauen erwünscht

Dass Anwohner dabei zuschauen und vielleicht die ein oder andere Kontrolle mitmachen, ist ausdrücklich erwünscht. „Wir machen solche Übungen gerne, weil es realistisch ist. Sie müssen unter normalen Umständen mit Zivilisten, Zuschauer und Verkehr arbeiten und mit der lokalen Bevölkerung sprechen“, sagt Thevissen. „Die Übung gibt unserer Armee auch die Gelegenheit, sich den Menschen zeigen zu können – vor allem der Jugend, die sehr wichtig ist für unsere Armee. Die Anwohner können also sehr gerne zuschauen – das ist genau das, was wir wollen.“

Durch die kurzzeitig eingerichteten Kontrollpunkte könne es im Straßenverkehr zu Einschränkungen kommen, so Thevissen. Morgens und abends versuche man aber, den Verkehr so wenig wie möglich zu belasten. Gefährlich wird es für die Bevölkerung nicht, es wird zwar geschossen, allerdings nur mit Übungsmonition. Außerdem werden zahlreiche Militärfahrzeuge, Helikopter und Drohnen im Einsatz sein.

lo/mg

Kommentar hinterlassen
13 Kommentare
  1. Jean-Pierre DRESCHER

    „Deshalb entscheidet sich die EU dazu die EUBG, die EU-Kampfgruppe, einzusetzen. Szenario Ende.“

    Ich glaub echt es schlägt 13. Mit welchem Recht mischt sich EU-Europa nach all den jahrhundertelangen schrecklichen Verbrechen gegen den Rest der Welt in Form von der Kolonialverbrechen bis hin zur NS-Diktatur in politische Angelegenheiten der afrikanischer Nationen mit Waffengewalt ein?

    Auch glaube ich kaum dass dieses öffentliche Muskelspiel mit Kriegsgerät positiv bei den Bewohnern der betroffenen Eifelgemeinden ankommen wird. Spätestens dann wenn bewaffnete Soldaten sich in den Gärten der Anwohner rumtreiben und das Inventar dabei kaputt machen.

    Andere Menschen werden sich Fragen warum neue Fluchtursachen in Afrika geschaffen werden durch Waffendealerei und Kriegsangriffe der NATO.

  2. Peter Schallenberg

    „Die Übung gibt unserer Armee auch die Gelegenheit, sich den Menschen zeigen zu können – vor allem der Jugend, die sehr wichtig ist für unsere Armee. “

    Erinnert mich ein bisschen an den „Tag der Wehrmacht“, von denen mein Vater (Jahrgang 1933) oft erzählt. Erbsensuppe und Panzer! Einmal Soldat spielen!

    Erschreckend, wie sich die Zeiten ähneln! Mir läuft es eiskalt den Rücken runter, wenn ich diesen Artikel lese! Wann wird diese „EU- Kampfgruppe“ das erste mal in der EU eingesetzt? Und gegen wen???

  3. Ramscheid Bernard

    Wer braucht eigentlich solche Kriegsspiele? Der Mensch wird immer verrückter! Wo soll das noch enden?

  4. Jean-Pierre DRESCHER

    Anscheinend wiederholt sich Geschichte der 30er Jahre wieder, aber außerhalb von Deutschland und diesmal ein paar Nummern noch größer.

  5. Marcel Scholzen eimerscheid

    Mit Landesverteidigung im üblichen Sinn hat das nichts mehr zu tun, also dem Schutz und der Verteidigung von Land und Leuten. Es ist nichts anderes als eine Übung, um sich auf einen Kolonialkrieg vorzubereiten. Und das ist sehr bedenklich. Dabei hat man in den letzten zwei Jahrzehnten doch ausreichend Erfahrung mit Auslandseinsätzen gesammelt. Das Beispiel Afghanistan zeigt genügend, das Auslandseinsätze mehr Probleme bringen als lösen. Und das technische Überlegenheit nicht immer ausschlaggebend ist.

    Das beste wäre, wenn die NATO sich auf den Schutz und die Verteidigung ihrer Mitgliedsstaaten beschränken würde und nicht unnötig Geld zum Fenster raus schmeißt für irgendwelche Abenteuer in fremden Ländern. Dieses Geld wäre besser in der Landesverteidigung angelegt. So dient es allen Einwohnern und nicht nur irgendwelchen Wirtschaftsinteressen.

  6. Carl Schumacher

    Ist es Ihnen eigentlich schon mal eingefallen dass das Training dieser Truppen auch dazu dienen kann diese einsatzfähig zu machen um Völkermorde und Bürgerkriege zu verhindern und die Zivilbevölkerung vor Genoziden zu schützen?
    Wie wichtig ein solches Training der „Übernahme der Kontrolle“ ist hat sich nicht zuletzt auch in den Sicherheitsmissionen in den belgischen Städten gezeigt.
    Patrollieren zwischen Zivilisten, kontrollieren von strategisch wichtigen Punkten, usw. usw.
    Europa braucht (leider Gottes) eine einsatzfähige Armee.

  7. Marcel Scholzen eimerscheid

    Werter Herr Schumacher,
    Ich bin nicht gegen Militärmanöver, die der Landesverteidigung dienen, wie die Schweiz es macht. Die von Ihnen angesprochenen Operationen zur Verhinderung von Bürgerkriegen und Genociden sind nichts als ein Deckmantel, um die wahren Gründe einer Militärintervention zu verschleiern. Die wahren Gründe sind meist ökonomischer Natur. Das sieht man zum Beispiel in Mali. Vordergründig geht es dort um die Bekämpfung von islamistischen Extremisten. Aber in Wirklichkeit geht es um Rohstoffe. Hier insbesondere um das Uran für französische Kernkraftwerke für das Frankreich noch nicht mal den Weltmarktpreis zahlt und Mali ist Teil der Franc CFA Währungsunion, die auch von Frankreich dominiert wird. Der Franc CFA steht in einem festen Wechselkurs zum Euro und ist ein Mittel der ökonomischen Ausbeutung. Und die lässt man sich nicht gerne verderben von irgendeinem.

  8. Carl Schumacher

    Werter Herr Scholzen !
    Die Franzosen beziehen ihr Uran nicht aus Mali (obwohl dort anscheinend welches gefunden wurde) sondern aus dem Nachbarstaat Niger.
    Ihrer Meinung nach ist der Einsatz der UN Blauhelme in Mali also nur darauf ausgerichtet zukünftige französiche Rohstoffquellen zu sichern?
    Belgier, Deutsche, Niederländer, Norweger, Schweden, Dänen, Portugiesen, usw. usw. kämpfen dort also nur für französische Interessen?
    Ich denke dass die zigtausend Einwohner Malis die dank dieser Intervention dem sicheren Tod entkommen sind den Einsatz wert sind.

  9. Marcel Scholzen eimerscheid

    Werter Herr Schumacher.
    Den EU-Staaten sind Menschenleben nicht so wichtig. Die EU ist ein ökonomisches Projekt und kein humanitäres. Es sterben Jahr für Jahr tausende beim Versuch, das Mittelmeer zu überqueren und die EU interessiert sich wenig dafür. Auch nicht für die Fluchursachen. Die Ökonomie hat Vorrang vor dem Humanitären. Bei den wirtschaftsbedingten Militäraktionen sind humanitären Aktionen nicht als ein positiver Nebeneffekt. In Afrika geht es allen Staaten in erster Linie um wirtschaftliche Interessen. Und speziell die Franzosen passen genau auf, das ihnen keiner in die Quere kommt. Und die Franzosen sind spezialisiert darin, andere die Drecksarbeit machen zu lassen. Ich glaube eher an den Weihnachtsmann oder den Osterhasen als an humanitäre Militäraktionen.

  10. Carl Schumacher

    Werter Herr Scholzen !
    Gegen Sie drei (mit Weihnachtsmann und Osterhasen) habe ich ja keine Chance, ich glaube allerdings noch immer nicht daran dass eine UN Mission beschlossen und durchgeführt wird (und dass Europa Truppen dafür einsetzt) nur um französische Rohstoffgelüste zu stillen.

  11. Marcel Scholzen eimerscheid

    Werter Herr Schumacher.
    Vordergründig geht immer um Menschrechte, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, etc bei Militärinterventionen. Aber in Wirklichkeit um pure Machtinteressen. Und speziell in Afrika werden Spielchen gespielt, von denen der Durchschnittseuropaeer keine Ahnung hat. Letztes Jahr war ich mit meiner Frau in Kamerun auf Familienbesuch. Und ich habe viele Menschen nach Boko haram gefragt, die auch im äußersten Norden von Kamerun ihr Unwesen treibt. Und jeder der Befragten war der Meinung, dass Frankreich hinter dieser Organisation steckt. Diese unterstützt, um Kamerun zu destabilisieren. Dies weil China zu einem großen ökonomischen Konkurrenten für Frankreich in Afrika geworden ist. Und weil Frankreich allein zu schwach ist, holt man sich Hilfe aus anderen europäischen Ländern. Und unter dem Deckmantel des Humanitären lässt sich die Sache besser rechtfertigen.

  12. Pascal Koch

    Ich bin froh zu lesen wie informiert manche Ostbelgier doch sind. Wie gross die Anzahl der Bürger ist die so manches Durchschauen und nicht mehr alles glauben was die Mainstream-medien senden ! Weiter so !
    Je mehr Menschen informiert sind desto schwieriger wird es für die Machteliten uns so zu steuern und zu manipulieren wie sie es gerne möchten.
    ..und Dank an den BRF Kommentare zuzulassen.

  13. Jean-Pierre DRESCHER

    Herr Koch, ich kann das leider nicht so optimistisch sehen wie Sie. Das System des westeuropäischen Feudalkapitalismus läuft wie geschmiert seit 1990 gegen Russland, die ehemalige DDR, Afrika und jetzt noch gegen Amerika unterstützt durch Verdummungsfernsehen wie RTL, MTV und VIVA wo man Sex und Gewalt verherrlicht.

    Passend dazu der Artikel im BRF dass die Bevölkerung immer dümmer wird. Kriegstreiber haben da leichtes Spiel z.B. unsere Jugendlichen denen man nichts mehr an Allgemeinbildung lehrt für die finsteren Gewalttriebe der Lobbyisten zu mißbrauchen um wehrlose Menschen in Afrika zu töten und schlimmeres. Einmal im Jahr werden besonders durchtrainierte Schüler auch aus unserer DG nach Camp Elsenborn eingeladen zum Handgranatenwerfen und anderen Dingen unter dem Deckmäntelchen des „Sports“ und „Naturschutzaufklärung“.

    Herr Schallenberg hat vollkommen recht, wenn er sich an den Tag der Wehrmacht erinnert bei dem was man hier mit schwerer Kriegsmaschinerie auch noch ausgerechnet an unseren Jugendlichen öffentlich vor unserer Haustüre treibt.

Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150