St. Vither Bürgermeister Christian Krings wird sein Amt vermissen

Das Nahwärmenetz, die energetische Sanierung der Schulen und mittlerweile auch die Umgestaltung des Rathauses: St. Vith setzt konsequent auf eine Verringerung der Energiekosten. Es gibt aber auch stärker umstrittene Projekte wie den Rathausvorplatz oder private Bauvorhaben. Lauter Themen in unserem Gespräch mit Bürgermeister Christian Krings. Für ihn stehen die letzten Monate in dieser Funktion an.

Christian Krings (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Christian Krings (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Nach fast 40 Jahren war das St. Vither Rathaus in der ersten Jahreshälfte 2017 gründlich überholt worden. Es wurde allgemein zugänglicher, der große Sitzungssaal erhielt ein neues Aussehen und vor allem werden Energiekosten gespart. Das ist eines der großen Themen in der Gemeinde St. Vith.  „Vor allem durch den Energieplan ist es uns gelungen, wesentlich weniger Energie zu verbrauchen und das merken wir auch an der Rechnung“, so Krings.

Auch der Platz vor dem Rathaus soll neu gestaltet werden. Über das Wie und vor allem über die Kosten gab es im vergangenen Jahr reichlich Diskussionen – bis die Stadtratsmehrheit einlenkte. „Das Stadtwappen wird geopfert für den heiligen Vitus. Ich denke, man soll Kompromisse suchen, wenn es im Sinne der Sache ist. Dann bin auch ich jederzeit zu einem Kompromiss bereit“, sagt Krings.

Gegenwind gab es auch für ein privates Bauvorhaben an der Ecke Klosterstraße/Luxemburger Straße. Dem ein oder anderen erscheint es überdimensioniert. „Wir können auch irgendwie dankbar sein, wenn es Investoren gibt, die etwas Schönes, Größeres machen wollen. Und dieses Gebäude hat eine Ausrichtung auf den kleinen Platz An den Linden und nicht auf die Klosterstraße. Da rühren auch die unterschiedlichen Bewertungen her“, so Krings. Er könne jeden verstehen, der zu einem Gebäude eine andere Meinung vertrete, sagt Krings. Die Auseinandersetzung müsse aber sachlich bleiben. Der St. Vither Bürgermeister wehrt sich gegen die Unterstellung, es werde mit zweierlei Maß gemessen. Er verweist auf die einschlägigen Prozeduren und auf Gremien wie den Kommunalen Beratenden Raumordungsausschuss.

Im weiteren Verlauf der Klosterstraße entsteht derzeit ein Ärztehaus, in der drei Allgemeinmediziner ihre frisch gegründete Gemeinschaftspraxis unterbringen werden. „Da war dringender Bedarf, weil die hier tätigen Ärzte doch schon ein gewisses Alter erreicht haben. Wir brauchen hier eine neue Generation von Hausärzten – da haben wir auch ganz intensiv von Seiten der Stadt mitgewirkt. Wir haben für Bauland und Zuschüsse gesorgt und eigentlich auch die Initiative ergriffen, die hiesigen Ärzte zusammenzubringen.“

Die Zusammenarbeit mit den Hausärzten ist auch ein Baustein, um den Krankenhausstandort St. Vith abzusichern. Christian Krings ist gleichzeitig Vorsitzender des Verwaltungsrates der Klinik Sankt Josef. „Wir wissen alle, wir leben in Belgien mit großen, neuen Strukturreformen. Es ist ein täglicher Kampf, dass wir unsere kleine, sehr gut strukturierte Klinik in St. Vith erhalten können. Von meiner Arbeitszeit verbringe ich fast ein Drittel mittlerweile in der Klinik und zwei Drittel im Rathaus. Aber das ist wichtig für unsere Bevölkerung, damit die medizinische Versorgung gesichert werden kann.“

Wie einige seiner Amtskollegen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft wird Christian Krings bei den Wahlen im Oktober nicht mehr als Bürgermeisterkandidat antreten. „Wenn man 69 wird, ist es, denke ich, Zeit zu gehen und Platz zu machen für jüngere Leute. Ich kann mir nur wünschen, dass wieder viel mehr Menschen bereit wären, für den Stadtrat zu kandidieren und sich einzubringen, damit junge, dynamische Kräfte denselben Weg machen können, den ich zum Beispiel jetzt während 24 Jahren gemacht habe.“

Die Freie Bürgerliste, wie sie sich unter Christian Krings herausgebildet hatte, wird es in St. Vith nicht mehr geben. Anstelle der Dominanz einer einzigen Liste wird es wieder eine Koalition geben müssen. Die persönliche Entscheidung des amtierenden Bürgermeister steht aber fest: „Sie fällt mir nicht leicht, weil ich diesen Job immer so gerne gemacht habe. Ich werde es vermissen, aber ich muss es jetzt machen.“

Stephan Pesch

5 Kommentare
  1. Marcel Scholzen Eimerscheid

    „…dass wieder viel mehr Menschen bereit wären, für den Stadtrat zu kandidieren und sich einzubringen…“ sind schöne Worte für eine Sonntagsrede. Der Alltag sieht anders aus. Politik ist heute zum spezialisierten Geschäft für studierte Politprofis geworden, die unter sich bleiben wollen. Es ist wie eine Adelskaste mit eigenen Ethik und Moralvorstellungen.

  2. Ludwig Gielen

    Was Bürgermeister Krings, gemeinsam mit vielen engagierten Bürgern(innen), in den letzten 24 Jahren in St. Vith geleistet hat, davor kann man nur „den Hut ziehen“ , St. Vith kann sich wirklich sehen lassen und ist für die Zukunft hervorragend aufgestellt. Ich wünsche ihm, dass er bei guter Gesundheit seinen wohlverdienten Ruhestand genießen kann.

  3. Werner Meyer

    Ich glaube, Herr Scholzen aus Eimerscheid\Büllingen wäre gut beraten, oefters mal spazieren zu gehen!

  4. Marcel Scholzen eimerscheid

    Werter Herr Meyer,
    Danke für den Vorschlag. Da Sie sich ja anscheinend so um mich sorgen, könnten Sie mir vielleicht verraten, welche Wanderwege am besten geeignet sind für mich. Und könnten Sie mir vielleicht Mal verraten, warum ich spazieren gehen soll. Haben Sie eine ähnliche Erfahrung wie ich gemacht und spazieren gehen hat Ihnen geholfen ? Tipps und Ratschläge nehme ich gerne an von Spazierengehen-
    Fachleuten wie Sie einer sein zu scheinen.

  5. Hilgers Margret

    Warum kandidieren Sie Herr Scholzen nicht bei den Wahlen? Alle Besserwisser sind doch Stimmenfänger!!!!!.
    Da könnten Sie doch auch in jeglicher Hinsicht profitieren!
    Sie wären doch der geeignete Bürgermeisterkandidat? Sie sollten Ihren Wohnsitz nach St Vith verlegen, vielleicht würden Sie mit offenen Armen aufgenommen.