Referendum in Katalonien: Eine Frage des Respekts

Es sei eine Frage des Respekts, dass am Sonntag die Katalanen über die Unabhängigkeit ihrer Region zu Spanien abstimmen dürfen. Die Wahlen müssten stattfinden. So einfach sei das - auch wenn die Situation als solche sehr kompliziert sei, meint Jordi Condom. Der Trainer der AS Eupen stammt aus dem Küstenort Palamós, nördlich von Barcelona.

AS-Trainer Jordi Condom beim Spiel der AS Eupen gegen den Club Brugge KV am 21.12.

AS-Trainer Jordi Condom (Bild: Bruno Fahy/Belga)

Kaum ist das Mikrofon aus, bringt Jordi Condom es auf den Punkt: Nein, Spanier sei er nicht. Zu viel sei in der Geschichte Kataloniens passiert, zu sehr habe sich der spanische Nationalstaat von seiner Region entfernt und zu hart müssten die Katalanen für Spanien arbeiten, um unterm Strich ungerecht behandelt zu werden.

Jordi Condom fühlt sich als Katalane. „Wir haben eine andere Mentalität, eine andere Sprache und eine andere Kultur. Wenn man das respektiert, ist alles in Ordnung. Aber wenn wir jetzt nicht das Recht haben sollen zu wählen, akzeptieren wir das nicht.“

Man wolle über etwas abstimmen, was eigentlich schon seit Jahrhunderten überfällig sei. Tatsächlich waren Kastilien und Katalonien bis ins 15. Jahrhundert die beiden dominierenden Mächte der iberischen Halbinsel. Es war 1469, als das ganze Spanien dann nur noch von einer Krone regiert wurde.

Seitdem kämpfen die Katalanen für die Rückgewinnung ihrer Unabhängigkeit. „Gebietsfragen und Geschichte spielen eine große Rolle. Hinzu kommt: Wir haben viel Tourismus, eine starke Wirtschaft, die Pyrenäen als Tor zu Europa. Das sind alles Vorteile, die Spanien halten möchte. Wir sind ein bisschen der Motor von Spanien.“

Tatsächlich erwirtschaften die Katalanen rund ein Fünftel des spanischen BIP. 30 Prozent der spanischen Exporte gehen von Katalonien aus in die Welt und in puncto Tourismus zieht es 25 Prozent aller Spanien-Besucher an die Costa Brava und Barcelona. Im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung aber bekomme Katalonien zu wenig vom spanischen Zentralstaat zurück, so die Argumente vieler Katalanen. Kurzum: eine Abspaltung Kataloniens wäre für Spanien wirtschaftlich ein großer Verlust.

Was es für Katalonien bedeuten würde, ist offen. Jordi Condom ist jedoch zuversichtlich. „Katalonien kann als kleines Land bestehen und vorangehen. Wir haben die Kraft dazu. Und das Referendum soll zeigen, ob alle Katalanen damit einverstanden sind.“

Jetzt gehe es den Katalenen aber erst einmal darum, wählen zu dürfen. Dass Spanien das Referendum für illegal erklärt hat, Wahlzettel vernichten lässt und allen Beteiligten mit harten Sanktionen droht, sei inakzeptabel, sagt Condom. „Es ist nicht zu verstehen, wie es im demokratischen Europa möglich ist, eine Wahl zu verhindern. Wahlen sind ein Grundrecht. Wie sich schließlich jeder entscheidet, hängt von jeder einzelnen Person ab. Aber es muss zumindest das Recht geben, wählen zu dürfen.“

Gewalt befürchtet Jordi Condom nicht in seiner Heimat. Die Stimmung sei zwar angespannt, aber er hofft eine friedliche Lösung. Er und nach Umfragen mindestens die Hälfter aller Katalanen hoffen, dass sie zumindest angehört werden können.

Simonne Doepgen - Bild: Bruno Fahy/Belga

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Ein Kommentar
  1. Marcel Scholzen Eimerscheid

    Jordi Condom mag ein guter Fußballtrainer sein, aber von politischen und ökonomischen Zusammenhängen scheint er keine große Ahnung zu haben. Diese Abstimmung ist nicht mehr als eine Willensbekundung. Eine Unabhängigkeit kann es nur mit Zustimmung Spaniens geben.

    Ökonomisch gesehen ist das ganze totaler Wahnsinn. Katalonien müsste einen Teil der spanischen Staatsschulden übernehmen, dass wären 20 Prozent (Anteil Kataloniens am BIP Spaniens) von 1 232 Milliarden Euro, also 246,4 Milliarden Euro. Dazu kämen 73 Milliarden Schulden, die die Region jetzt schon hat (Quelle Wikipedia). Insgesamt also 319,4 Milliarden Euro. Und das bei einem BIP von 203 Milliarden Euro in 2015 (Quelle idescat.cat). Das wäre eine Verschuldung von 157,33 Prozent des BIP. Mehr als Spanien jetzt schon hat. Dazu kämen noch Rentenforderung und andere Zahlungsverpflichtungen gegenüber der EU und anderen internationalen Institutionen. Wieviel Steuereinahmen dem gegenüberstehen, weiß ich nicht. Ein schlechter Start für ein Land

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