Schulanfang in Ostbelgien: Berichte aus Lichtenbusch und St. Vith

Eine der kleinsten Schulen im Norden der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist die Gemeindeschule Lichtenbusch. Besonders ist auch ihr Standort: Sie liegt direkt an der belgisch-deutschen Grenze. Über das Ferienende freute man sich auch in der Grundschule der Stadt St. Vith.

Der erste Schultag ist immer ein bisschen aufregend – vor allem für die I-Dötzchen. Noch sind Mama und Papa beschützend in der Nähe, doch bald schon müssen die Erstklässler alleine in der Klasse sitzen. Schulleiterin und Lehrerinnen machen den Kleinen Mut. Und den Eltern auch, für deren Tochter oder Sohn jetzt der Ernst des Lebens beginnt: „Liebe Eltern, liebe Kinder, ich möchte euch ganz herzlich willkommen heißen, hier zu eurem großen Tag.“

„Er war sehr aufgeregt und wir natürlich auch. Aber wir machen es schon zum zweiten Mal durch. Es ist doch anders. Es sind zwei unterschiedliche Kinder“, sagt eine Mutter.

Auch Väter sind mitgekommen. Sie sehen den ersten Schultag gelassen – ohne großen Stress: „Heute eigentlich gar nicht. Also heute war ein Tag, an dem man halt früher aufstehen muss, aber ansonsten keine Aufregung gemerkt“, so ein Vater. „Die Kleine war ein bisschen nervös. Wir haben alles gestern vorbereiten können und wie gesagt, wir haben es heute zum zweiten Mal gemacht. Insofern ist dann auch ein bisschen Routine mit dabei“, erklärt ein anderer Vater.

Die Lichtenbuscher Schule liegt genau an der Grenze, und zudem in einer Gemeinde mit vielen deutschen Einwohnern. 73 Prozent der Schüler sind deutscher Nationalität. Für viele Eltern keine Frage, dass die Kinder zur belgischen Schule gehen: „Als wir hierher gezogen sind, haben wir auch sofort gesagt, wir haben die Chance, hier in Belgien zur Schule zu gehen, also werden wir das auch nutzen.“

23 Lichtenbuscher Schüler leben auf der deutschen Seite der Grenze. Auch dort überzeugt viele Eltern das belgische Schulsystem. „Das hat mir eigentlich sehr gut gefallen. Ich habe dann hier mit dem Kindergarten begonnen, als meine Tochter gerade drei geworden war und sie hat sich hier wohl gefühlt. Sie ist gerne gekommen. Am Anfang – sie war ja noch sehr klein – wollte ich sie nur bis mittags lassen. Sie hat immer getobt, sie wollte bis zum Schluss bleiben. Tja und da wusste ich, dass es die richtige Entscheidung ist, sie hier auch den ganzen Weg gehen zu lassen“, sagt Sabine Jakobs vom Elternrat.

Familien, die in Deutschland westlich der Monschauer Straße wohnen, können ihre Kinder im belgischen Lichtenbusch zur Schule schicken – müssen dafür aber eine Ausnahmegenehmigung bei der Städtregion Aachen beantragen: „Das war, als die Städteregion das vor zwei bis drei Jahren übernahm ein bisschen schwierig, weil das noch ungewohnt war, aber da das hier seit 30 bis 40 Jahren gelebte Praxis ist, geht das jetzt. Man muss diesen Antrag stellen. Dann wird dann drüber informiert, dass das Kind eben nicht im deutschen System ist und dass das Risiken bergen könnte, die ich allerdings hier nicht sehe, weil wir ja nun deutschsprachig sind und die Kinder hier sehr gut ausgebildet werden“, so Sabine Jakobs weiter.

Über den großen Zuspruch freuen sich Schulleiterin Claudia Schmitz und Schöffin Marcelle Vanstreele. „Dass in der Primarschule wir eine Ganztagsschule haben, in Deutschland eher vor allem in den unteren Klassen nur stundenweise gearbeitet wird oder dann bis Mittag, ich denke, dass das ein großer Punkt ist, warum die Eltern sich dann doch dafür entscheiden, die Kinder hier ins Schulsystem zu geben. Andererseits gibt es auch viele Eltern die meinen, dass die Kinder eben da zur Schule gehen sollen, wo sie wohnen – in ihrem engeren Umfeld“, erklärt Claudia Schmitz.

„Ich denke, dass ist auch ein großes Plus für unser Schulsystem, für die Lehrer hier. Diese leisten hier gute Arbeit. Das wird auch geschätzt von den Eltern, die in Deutschland wohnen. Und wir sind froh, für jeden Schüler, der hierher kommt, so Schulschöffin Marcelle Vanstreels.

Viele Kinder gehen allerdings nach dem vierten Primarschuljahr doch ab und wechseln zu einer deutschen Sekundarschule. Weil die Klassen dann kleiner werden, werden fünftes und sechstes Schuljahr in Lichtenbusch zusammengelegt. Für die Fünftklässler also eine neue Situation nach den Ferien.

Im Kindergarten der Gemeindeschule Lichtenbusch sind die Zahlen in den letzten Jahren stark angestiegen. 25 Kinder sind es im neuen Schuljahr: „Der Platz reicht gerade noch aus. Aber wir sind uns schon bewusst, dass wir uns für die Zukunft Fragen stellen müssen und arbeiten daran auch schon mit der Gemeinde Raeren“, sagt Schulleiterin Claudia Schmitz. Bereits vor sechs Jahren wurde der gegenüberliegende Saal Kessel gekauft, um dort unter anderem einen Essraum einzurichten. Der damals von der Opposition geforderte Ausbau der Schule könnte noch kommen.

„Wir haben auch schon im Registrierungskatalog Schule Lichtenbusch für 2020 eingegeben, damit Gelder frei gemacht werden, und dann sehen wir mal, wie wir das gestalten. Wir sind übrigens jetzt schon in Eynatten tätig. Wir bauen dort schon einen neuen Kindergarten, weil dort die Schülerzahlen auch ansteigen. Also ich denke, wir werden schon Lösungen finden“, erklärt Schulschöffin Marcelle Vanstreels.

Doch noch reicht der Platz aus. Die 130 Kinder und elf Lehrkräfte der Lichtenbuscher Gemeindeschule freuen sich auf das neue Schuljahr an der belgisch-deutschen Grenze.

Schulanfang in St. Vith

Rund 100 Kindergarten- und Primarschulkinder hat Schulleiter Dieter Keller am Freitagmorgen zum Schulanfang herzlich begrüßt. Aufgeregt wie so mancher Erstklässler sei er dabei nicht gewesen: „Aufgeregt ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck, aber ein leichtes Kribbeln ist jedes Jahr immer wieder dabei und das ist, denke ich, auch gut so.“

Als die Eltern ihre letzten Erinnerungsfotos schießen, ist Dieter Keller schon auf dem Sprung, denn er leitet notgedrungen noch vier weitere Schulen in der Großgemeinde St. Vith. Die Suche der Stadt nach einem neuen Schulleiter oder einer neuen Schulleiterin hat bislang nichts gebracht. „Ich denke mal, dass die Aufgaben in vielen Fällen eines Schulleiters in den letzten Jahren immer wieder weiter gewachsen sind und da ist ein ganz reiches Repertoire zu bedienen. Nichtsdestotrotz ist es eine sehr interessante, verantwortungsvolle Aufgabe. Ich weiß nicht, warum es so wenig Schulleiter gibt. Es müsste vielleicht noch etwas besser bezahlt sein.“

Für alle Erstklässler und ihre Eltern hat der Elternrat am ersten Schultag ein gemeinsames Frühstück mit den Eltern organisiert. Mit dabei ist Schulschöffin Christine Baumann-Arnemann. „Ja wir haben insgesamt einen Lehrermangel. Es sind zu wenig Lehrer im Augenblick da. Und dann ist es auch so, dass natürlich noch sehr viele Frauen in dem Lehrerberuf sind. Ganz viele scheuen dann auch die Ganztagstätigkeit oder können es auch gar nicht aus Familiengründen. Und das wird uns jedenfalls auch als ein Grund angegeben. Es ist natürlich auch immer mit sehr viel Verantwortung verbunden. Es sind sehr viele Aufgaben da. Aber wie ich auch von meinem Schulleiter höre, ist es trotzdem auch eine sehr interessante Tätigkeit“, so die Schulschöffin.

Interessant und spannend wenn man mit Kindern und Lehrern arbeitet. Doch solange Dieter Keller fünf Schulen leitet, kann er Hilfe gut gebrauchen. Immerhin gebe es in den Schulen Koordinatoren, die helfen, sagt die St. Vither Schulschöffin: „Ja, weil wir eben zwei Schulleiter haben für zehn Schulen: Das heißt, jeder Schulleiter ist für fünf Schulen zuständig und da arbeiten wir jetzt mit Koordinatoren, also auch mit Unterstützung des Ministeriums, dass eben auch in jeder Schule Lehrer da sind, die auch Stundenkapital dafür haben, Kontakt mit den Elternvereinigungen haben, organisatorische Dinge vor Ort erledigen und einfach eng mit dem Schulleiter auch zusammenarbeiten.

Schul-Koordinator ist in den St. Vither Schulen kein Ganztagsjob. Dafür sind nur einige wenige Stunden pro Woche budgetiert. Dieter Keller kann nur hoffen, dass sich doch noch der ein oder andere Spätberufene findet.

Text und Bilder: Manuel Zimmermann und Michaela Brück/BRF

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Ein Kommentar
  1. Wotschke Anja

    schon zu meiner eigenen Schulzeit von 1972 – 1984/86 waren die Zeiten so wie sie auch heute noch sind…..einige Jahre zuvor gabs hier sogar noch des Samstagsvormittags Unterricht und eben die Schulzeiten haben sich im Lauf der vielen Jahre da in keinster Weise geändert – schon dazumals hatten wir hier im Kelmiser Raum auf der Staatsschule / Staatlichem Lyzeum und dem heutigen Cesar Frank Athenäum viele Schüler aus Aachen und ebenso halt heute und warum denn wohl ? eben weil es hier Ganztagsschulen gibt und in D eben nicht – und in D es eben auch viel mehr Fehlstunden der Lehrerschaft gibt….daran hat sich absolut nicht geändert und ich wünsche allen Schülern einen guten Start ins neue Schuljahr 2017 / 2018

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