Ostbelgien – eine „offene Marke“

Im Parlament hat Ministerpräsident Oliver Paasch erneut die offene und verbindende Haltung Ostbelgiens betont. Die Marke "Ostbelgien" beziehe sich laut der EU-Markensatzung auf die neun Gemeinden deutscher Sprache sowie auf eine Reihe frankophoner Nachbargemeinden

Fahne mit Aufschrift "Ostbelgien" vor dem Eingang zum Triangel

Standortmarke Ostbelgien

Das sind im einzelnen Bleyberg, Welkenraedt, Baelen, Weismes, Malmedy, Stavelot, Trois-Ponts, Vielsalm und Gouvy. Ausdrücklich sei „Ostbelgien“ eine  „offene Marke“. Zweck sei eine hohe Sichtbarkeit und Bekanntheit.

Akteure könnten sich aus den deutschsprachigen und frankophonen Gemeinden anschließen, insofern sie sich mit den Werten der Marke identifizierten. Acht von 27 Mitgliedsbetrieben von „Made in Ostbelgien“ stammten aus frankophonen Nachbargemeinden.

Im Oktober, so Paasch, seien die Bürgermeister von Welkenraedt und Bleyberg auf seine Einladung an die Nachbargemeinden eingegangen. „Ostbelgien“ eigne sich zur Vermarktung, hätten sie erklärt. Beispiele wie die Namensgebung des Vervierser Krankenhauses CHR Verviers East Belgium oder das gemeinsame Gewerbegebiet gingen in diese Richtung, wobei die beiden Bürgermeister den englischen Begriff East Belgium bevorzugt hätten.

Die Eupener Regierung sei jedenfalls bereit, die angrenzenden Gemeinden in den Markenprozess einzubeziehen, sofern sie dies wünschten.

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13 Kommentare
  1. Norbert Schleck

    „…wobei die beiden Bürgermeister den englischen Begriff East Belgium bevorzugt hätten.

    Logisch, die deutsche Bezeichnung für ein französischsprachiges Gebiet? Auch heute noch unvorstellbar. Dann doch lieber Englisch.

    Man muss allerdings zugeben, dass „Ostbelgien“, mit französischem Akzent „Oostbeljiä“ ausgesprochen, seltsam klingt und spätestens hinter Stavelot schon nicht mehr verstanden wird.

    „Nous habitons à Malmedy dans Ostbelgien.“ Ridicule…

    Wie unsere wallonischen Nachbarn uns einschätzen, wurde deutlich in der Sendung von RTL „C’est pas tous les jours dimanche“: „Ostbelgien – Les Germanophones toujours moins wallons?“

  2. Jean-Pierre Drescher

    So werden die Errungenschaften der Deutschsprachigen Autonomie, für die unsere Vorfahren mit unendliche viel Diplomatie und Geduld gekämpft haben, zumindest vom Namen her einfach verspielt für ein ökonomisches Experiment namens „Tourismus-+ob“.

    Südtirol, Schlesien, Schottland und Katalonien werden die Welt nicht mehr verstehen.

  3. Dieter Leonard

    Angesichts dieser gewollten „Ausdehnung“ der Dachmarke „Ostbelgien“ oder „Eastbelgium“ auf die frankophonen Nachbargemeinden könnte eine weitere RTL-Sendung allerdings auch heißen:
    „Eastbelgium – les Germanophones toujours moins deutschsprachig“.
    An einem 1. April hätte diese BRF-Nachricht viele Lacher auf seiner Seite.
    Bin gespannt wie lange es dauert, bis Menschen, Vereine und Einrichtungen aus diesen neuen Eastbelgischen Gemeinden im Ostbelgischen Ministerium nach Zuschüssen anfragen.
    Verstehen die Verantwortlichen wirklich nicht, dass sie dabei sind, ein ohnehin schwer verständliches belgisches Staatsgefüge um eine neue Verwirrungskomponente zu erweitern?
    Füher nannte man eine solche Initiative Schildbürgerstreich, heute Polit-Marketing. Wir leben nicht in Schilda… aber auch nicht weit davon entfernt.

  4. Ernst Mathieu

    Weil es Herrn Paasch zu gut geht, will er auf`s Eis.

  5. Jean-Pierre Drescher

    „Eastbelgium – les Germanophones toujours moins deutschsprachig“.

    Dann können wir uns auch gleich wegschmeißen, wenn uns das schon nicht mehr stört …

  6. Norbert Schleck

    Volle Zustimmung zu den Kommentaren der Herren Drescher und Leonard.

    Es verwundert in der Tat, wie leichtfertig die „ostbelgischen“ Politiker mit der schwer erkämpften – oft gegen den Willen der eigenen Verantwortlichen damals – Autonomie der Deutschsprachigen um gehen.

    Wer „Ostbelgien“ „ohne Grenzen“ in die Wallonie ausdehnen will, verwässert das Konzept der „Deutschsprachigen Gemeinschaft“. Wenn das dann auch noch in „East Belgium“ mündet, ist jedes Alleinstellungsmerkmal verloren. Dabei sollte die Bezeichnung „Ostbelgien“ doch eben das sein, obwohl es dazu einfach nicht taugt. Aber das ist wieder ein anderes Problem.

    Übrigens überschüttet ein neu entstandener Medienkonzern uns gerade mit großem Aufwand an Werbung für sein: „reidio contäct Ostbelgien NOW“ mit „Wake up!“ – Zugegeben, „Ostbelgien erwache!“ ginge gar nicht…

  7. Marcel Scholzen Eimerscheid

    Wenn aus „Ostbelgien“ schlussendlich „East Belgium“ wird, dann ergibt diese ganze Idee keinen Sinn, der darin besteht sich von anderen zu unterscheiden und die eigenen Vorzüge zu unterstreichen. Das ist der Sinn regionale Vermarktung. Irgendwo müssen Grenzen gezogen werden. „Ostbelgien“ im üblichen Sinn sind die 9 deutschsprachigen Gemeinden plus Malmedy und Waimes. Also das Gebiet was nach dem 1. Weltkrieg an Belgien fiel. Und man sollte nur das Wort „Ostbelgien“ gebrauchen, selbst im französischen Sprachgebrauch. Es wäre nicht das erste deutsche Wort, das auch im französischen gebraucht wird.

    Den Gebrauch von Anglizismen sollte man unterlassen, da man
    tagtäglich in allen Bereich mit diesem Phänomen zu tun hat. Verwässert nur die Marke „Ostbelgien“.

    Im afrikanischen Staat „Cote d’Ivoire“ (Elfenbeinküste) ist es per Gesetz verboten, den Staatsnamen zu übersetzen. Das vermindert Missverständnisse und fördert die nationale Identität. Und so sollte man es auch mit „Ostbelgien“ machen.

  8. Jean-Pierre Drescher

    Bei soviel „ob“-Vermarktung zerbreche ich mir den Kopf darüber wann und wo folgerichtig Westbelgien beginnt, wenn man schon ein „ob“-Land, welches vermutlich aus Deutsch-Ostbelgien und Wallonisch-„ob“ besteht, als Marketing-Geg gegen alle Identitätsbefindlichkeiten der Deutschsprachigen Bevölkerung erfindet.

    Als „ob-Männchen“ fühlen sich schon die wallonischen Dörfer Malmedy und Weismes, vermutlich aber auch Membach, Welkenraedt und Blyberg – vielleicht sogar am Ende noch der 1. FC Köln.

    War es nicht Frau Anne Kelleter welche die Marke „ob-Land, das kann nicht jeder“ auf dem Bierdeckel für eine Schnapsidee hält? En fin habe ich die Befürchtung, dass das ganze Ding namens „ob“ sogar eine hochprozentige Schnappsidee für den schnellen Euro ohne Rücksicht auf unsere Heimatgefühle unserer stolzen Deutschsprachigen Gemeinschaft im Herzen der Euregio werd könnte.

    Deshalb an alle:

    „Deutschsprachige Gemeinschaft – das kann wirklich nicht Jeder!“

  9. BRF-Webredaktion

    Sehr geehrter Herr Drescher,

    nein, es war nicht Anne Kelleter, die den angesprochenen Kommentar verfasst hat, sondern Simonne Doepgen: http://brf.be/meinung/kommentar/1065481/

    Mit freundlichen Grüßen
    die BRF-Webredaktion

  10. Jean-Pierre Drescher

    OK, danke BRF-Redaktion. Ohne Zweifel ein sehr ehrlicher Kommentar, souverän geschrieben, von Frau Doepgen. Bitte mehr davon!

  11. Norbert Schleck

    Also, den Tag möchte ich noch erleben, an dem unsere Malmedyer Nachbarn in Lüttich oder Brüssel auf der Tourismusmesse Flyer mit dem Werbespruch verteilen: „Venez passer vos vacances à Malmedy, la perle d’Ostbelgien.“
    Oder dass sie in Frankreich erzählen: Vous savez, on vient d’Ostbelgien.“ Der Franzose nickt dann beifällig mit dem Kopf: Ah oui, East Belgium, je connais, mais n’est-on pas germanophone dans cette belle région?“

    Dass die Bürgermeister Interesse an einem „East Belgium“ zeigen, ist verständlich, könnten sich doch da Subsidienquellen erschliessen lassen…

    Und wenn das Vervierser Krankenhaus sich schon mit dieser Bezeichnung schmückt, so sicher in der Vorfreude auf die baldige Schliessung der Kliniken in Eupen und/oder St. Vith.

    Ob Lüttich nun auch bald zu Ostbelgien gehören will? Die Provinz Luxemburg ist ja auch schon lange (süd)ostbelgisch.

  12. Yves Tychon

    Eine Anekdote am Rande: im mehrheitlich frankophonen Québec gibt es einen Landstrich, in dem vor allem Englischsprachige leben. Auf französisch heisst die Region „Cantons-de-l’Est“ (mit Bindestrichen), auf Englisch „eastern townships“!

    Falls also OB oder East Belgium noch gesteigert werden soll…?

  13. Norbert Schleck

    3…2…eins trinken.

    Um diesen doch recht bizarren Werbegag ist es seltsam ruhig geworden, so als wäre er den Initiatoren inzwischen peinlich geworden.

    Keine neuen Aufforderungen mehr, an der Theke nach Mitternacht beim x-ten (mehr als 3!) Bierchen noch schnell einen geistreichen Werbespruch zu verfassen.
    Keine Zwischenbilanz mit der Zahl der schon erfolgten Eingänge.
    Kein Datum, wann denn nun der Sieger verkündet wird, natürlich im Rahmen eines „Mega-Events“ im Triangel mit Superstars im Schlage von Mia Julia und mit dem bekannten Bierkastenstapeln der Junggesellenvereine.

    Oder habe ich da was verpasst?

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