Publifin-Affäre: Lontzens Bürgermeister Alfred Lecerf tritt nicht zurück

Keine große Geste, aber doch eine Wiedergutmachung hat Lontzens Bürgermeister Alfred Lecerf am Freitagabend auf dem Neujahrsempfang der Gemeinde angekündigt. Nach Bekanntwerden der Publifin-Affäre will Lecerf das erhaltene Sitzungsgeld spenden. Einen Rücktritt schloss er aus.

Alfred Lecerf bei seiner Rede auf dem Neujahrsempfang der Gemeinde Lontzen (6.1.)

Auf dem Neujahrsempfang der Gemeinde Lontzen am Freitagabend kündigte Lontzens Bürgermeister Alfred Lecerf an, er wolle das Geld karitativen Zwecken in der Gemeinde zukommen lassen. Vergangenen Dezember war bekannt geworden, dass er, so wie 24 weitere Politiker, bei der Lütticher Interkommunalen Publifin teils horrende Sitzungsgelder erhalten hatte. Insgesamt erhielt Lecerf 67.000 Euro seit 2013.

In seiner Rede räumte Lecerf ein, einen Fehler begangen zu haben und entschuldigte sich für sein Verhalten. Er habe ein System unterstützt, das der gesamten Gesellschaft schade. Deshalb wolle er das gesamte Geld – nach Abzug von Steuern und Abgaben eine Summe von rund 30.000 Euro – sozialen Zwecken in der Gemeinde spenden.

„Die Entscheidung ist mir leicht gefallen, je mehr ich darüber nachgedacht habe, dass diese hohen Beträge wirklich sehr unmoralisch waren“, erklärt Lecerf im BRF-Interview. „Ich habe dann eigentlich nicht lange zögern müssen. Wir haben das in der Gruppe abgesprochen und ich stehe zu der Entscheidung. Es ist die richtige Entscheidung, denn es war horrend, was da gelaufen ist. Wir schaden uns in der Gesellschaft durch solche Machenschaften, die eigentlich unmöglich sind“, so Lecerf weiter.

Sein Engagement in den letzten zwei Jahren seiner politischen Karriere wolle er fortsetzen. Bei den Wahlen 2018 tritt Lecerf aber nicht mehr an.

Die Ecolo-Opposition im Lontzener Gemeinderat begrüßte die Entscheidung Lecerfs als einen „Schritt in die richtige Richtung“. Das Geld zu spenden sei ein erster, guter Schritt, sagte Monique Kelleter von Ecolo. Allerdings hätte sie sich diese Entscheidung schneller gewünscht. Auch sei diese Ansage, eine private Angelegenheit, fehl am Platz auf einem Neujahrsempfang.

Sie wünschte sich außerdem weitere Schritte seitens des Bürgermeisters, um sein Verhalten wieder gut zu machen. Worin diese Schritte bestehen sollten, ließ sie offen.

Ähnlich äußerte sich auch die zweite Oppositionsfraktion im Gemeinderat, die Liste „Energie“. Energie-Ratsmitglied Patrick Thevissen sagte, das Geld zu spenden sei die einzige vernünftige Lösung der Angelegenheit. Ein Rücktritt wäre seiner Meinung nach zu weit gegangen, da Lecerf zwar einen moralischen Fehler begangen, aber eben kein Gesetz gebrochen habe. Er betonte allerdings auch, dass man Lecerf jetzt nicht als Wohltäter der Gemeinde darstellen sollte. Ganz freiwillig habe er das Geld schließlich nicht gespendet.

Im Hinblick auf die weitere Arbeit im Gemeinderat will die Energie-Fraktion die öffentliche Entschuldigung von Lecerf anerkennen. Damit seien die Wogen fürs erste geglättet, auch wenn der Imageschaden für die Lokalpolitik im Allgemeinen bestehen bleibe, erklärte Thevissen.

Welchem Projekt oder Gruppe der Betrag in der Gemeinde zugute kommen wird, will Lecerf in Absprache mit seiner Fraktion entscheiden.

ake/mg - Bild: Anne Kelleter/BRF

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Ein Kommentar
  1. Jürgen Margraff

    Keep cool, wenn wir uns aufregen steigt unser Blutdruck & dem (Ekel) Alfred ist das völlig schnuppe, unserem Hausarzt allerdings nicht. Der Hirsch hat sein Schäfchen längst auf’m Trockenen, wenn denn bei den nächsten Wahlen die Quittung fällig ist, so betrifft das nur die Liste, ER hingegen ist längst pensionsberächtigt mit all seinen Dienstjahren… Mir scheint, man sollte effektiv die Amtszeit auf maximal ZWEI Legislaturen beschränken, eventuel kriegt man ja auf die Art zumindest den Anschein von Ordnung & Sauberkeit in die Politik hinein

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