„Semaine de la frite“: Belgische Frittenkultur im Rampenlicht

Nachdem am Mittwoch das belgische Bier als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt wurde, stellen wir am Donnerstag den nächsten Kandidaten für die begehrte Auszeichnung vor: echte Frittenbuden, wie es sie nur in Belgien gibt. Wer sich davon überzeugen will, dass sie diesen Platz auch verdient haben, kann diese Woche gratis kosten. Bis Sonntag findet in ganz Belgien die "Woche der Fritte" statt.

Illustrationsbild: Dirk Waem/Belga

„Um gute Fritten zu machen, braucht man zuerst mal gutes, sauberes Fett. Dann muss man sie natürlich zwei mal frittieren, bei der jeweils richtigen Temperatur. Wenn das alles gegeben ist und man das richtige Gefühl in den Händen hat, dann geht es ganz von alleine.“ In der „Friterie du Village“ in Henri-Chapelle macht Patricia Generet Fritten mit Leidenschaft. Selbst mag sie gar keine Fritten, verrät sie uns, aber das merkt man ihren Fritten absolut nicht an. Unter den besten Frittenbuden belegt die „Friterie du Village“ den 35. Platz.

Die kleinen Imbisse, wo es alles gibt, was man in die Fritteuse schmeißen kann, sind typisch für Belgien. Hier gelten die Kartoffelstäbchen als Kulturgut und werden auch dementsprechend geschätzt. „Unsere Fritüre gibt es jetzt seit 20 Jahren. Wir achten sehr streng auf die Qualität und legen Wert auf guten Service. Das danken uns unsere Kunden natürlich“, erklärt Patricia Generet. „Wir haben wirklich sehr gute und treue Kundschaft – und nicht nur hier aus der Region. Wenn im Sommer die Terrasse auf ist, kommen die Leute sogar aus Brüssel, Deutschland, Waremme, Fourons und so weiter. Wir sind also bekannt.“

Gratis-Fritte

Um die Frittenkultur zu fördern,  hat der Verband der belgischen Frittenbudenbetreiber, Unafri, vor sechs Jahren die „Woche der Fritte“ ins Leben gerufen. Im ganzen Land gibt es während dieser Woche bei teilnehmenden Frittüren und nach Vorlage eines Coupons ab einem Einkauf von fünf Euro eine Portion gratis, erklärt Didier Mossay. Er ist Mitinhaber von Woopy-Snacks und Vertreter von Unafri.

„Wir versuchen ein Maximum an guten Frittenbuden zusammen zu bringen. Wichtig ist, dass sie Wert auf Hygiene und die Qualität der Produkte legen und die Fritten in der Tüte servieren, so wie es Tradition ist. Wenn das zusammen kommt, dann werben wir gerne während der Woche der Fritte für sie, um so viele Kunden wie möglich anzulocken“, sagt Mossay.

Patricia Generet von „Friterie du Village“ befürwortet die Initiative. „Ich finde das ist eine gute Aktion, weil dadurch die lokalen Frittüren bekannter werden und die Kunden im Gegenzug ein kleines Dankeschön für ihre Treue bekommen. Das finde ich wirklich sehr gut.“

Eupener „Woopy Snack“ macht mit

Und damit es auch in Zukunft noch haufenweise goldgelbe Kartoffelstäbchen gibt, will Belgien die Fritten und ihre Buden bald ins immaterielle Weltkulturerbe der Unesco aufnehmen lassen. „In der Vergangenheit war der Sektor oft umstritten. Es gab Probleme mit der Hygiene, mit der Art der Niederlassung und so weiter. Schlussendlich konnten wir dank einer guten, internen Kommunikation, mit der Hilfe der Afsca – das kann man auch mal sagen – und dank verschiedener Werbekampagnen diese Herausforderungen angehen und den Sektor wieder rehabilitieren“, erklärt Mossay.

In der DG ist die Eupener „Woopy Snacks“-Filiale dieses Jahr als einzige Frittüre dabei. Weitere Teilnehmer findet man im Netz unter Semainedelafrite.be. Dort findet man auch den Coupon für die Gratis-Fritte.

Anne Kelleter - Bild: Dirk Waem/BELGA

Kommentar hinterlassen
Ein Kommentar
  1. Jean-Pierre DRESCHER

    Jo, es nervt dermaßen, was sich unsere Politiker so unter Kultur vorstellen. Lebe ich hier unter primitiven weißen Buschmenschen oder hat man sich das falsche Zeug in Brüssel geraucht? Welche wirklichen Ziele verfolgt man mit dieser Volksverdummung eigentlich?

    Wo bitte bleibt wahre Kultur von früher in diesem Land von Literatur, Geisteswissenschaftlern und fortschrittlichen Nobelpreisen? Nichts kulturell wertvolles hat man in den letzten Jahren zustande gebracht, Studenten brechen nach einem Jahr massenweise die Hochschule ab weil sie nur noch Alkopop-Party im Carré können anstatt Bibliothek.

    Wenn Alkikonsum und billige Fritten inzwischen schon als „Kultur“ gelten, darf ich den Vorschlag machen, auch Drogenkonsum und Urinieren als sogenannte „Kultur“ unseres Landes zu verkaufen?

    Goethe, Schiller, Brecht und Kant würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie sehen würden wie primitiv Westeuropa mittlerweile verkommen ist. Wer sich jetzt noch lustig macht über den angeblich rückständigen Bildungsstand der Menschen in den Entwicklungsländern, hat echt einen an der Klatsche.

Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150