Tihange: Immer mehr Zweifel an ISR-Risikostudie

Die von der Städteregion Aachen bestellte Risikoanalyse im Fall einer Reaktorkatastrophe im Kernkraftwerk Tihange wird nicht nur von der belgischen Atomaufsicht Fank und vom Betreiber Electrabel angezweifelt, sondern auch vom Zivilschutz im niederländischen Süd-Limburg.

Atommeiler Tihange

Die Experten aus Süd-Limburg halten die von einem Wiener Uni-Institut festgestellten alarmierenden Ergebnisse für stark übertrieben. Sie waren kurz vor der Präsentation der Städteregionsstudie zu der Einschätzung gelangt, dass bei einem Atomfall in Tihange keine Evakuierung Hunderttausender Menschen notwendig sei, wohl aber die Verteilung von Jodtabletten.

Insgesamt seien für den Fall eines sogenannten GAUs kaum gesundheitliche Schäden zu befürchten, urteilten die Fachleute in einem Bulletin. Die SP-Frakton im limburgischen Provinzparlament hat daraufhin die Provinzregierung in der Sache interpelliert.

l1/rkr - Bild: Eric Lalmand/Belga

11 Kommentare
  1. Bernd Brauer

    ‚Stark übertrieben‘ heißt nicht, daß keine Gefährdung vorliegt. Beim geringsten Zweifel an der Sicherheit gibt es nur eins: ABSCHALTEN!

  2. Marc Van Houtte

    Die Deutschen Braunkohle Kraftwerke haben mehr Menschen auf dem Gewissen als die Atomkraft.

  3. Marcel Scholzen eimerscheid

    Man sollte stets eines berücksichtigen, dass Gutachten meist Gefälligkeitsgutachten sind, d.h. im Sinne des zahlenden Auftraggebers. Zahlen und Statistiken kann man aus mehreren Blickwinkel sehen. Alles eine Sache der Interpretation. Ist genau wie mit dem halb voll oder halb leeren Glass Wasser.

  4. Guido Scholzen

    Man sollte diese „Studie“ als das betrachten, was sie ist: typisch grün-ideologische Panikmache aus deutschen Landen.
    Z.B.:Dort angegebene Strahlendosen sind nicht tödlich, wenn überhaupt schädlich.

    Und ausserdem: Glauben die Studienmacher wirklich, dass Aachen durch einen Tihange-GAU unbewohnbar wird, obwohl Aachen viel weiter von Tihange entfernt (60KM) ist, als die Zone um Fukushima an Durchmesser (40KM) hat? Sogar Greenpeace plädierte im Fall Fukushima, dass eine Entfernung von 40KM (=Halbmesser) ausreichend wäre, was nach Adam Riese auch weniger ist als 60KM.

  5. Pascal Schmetz

    Abschalten der AKWs
    soll was genau bewirken?

    Die Brennstäbe müssen eh noch mehrere Jahre in sogenannten Abklingbecken
    bleiben…..Also bleibt das gefährliche Material noch mehrere Jahre an Ort und Stelle (Somit auch noch in den deutschen AKWs vorhanden) . Jülich und Weissweiler sind auch nicht ohne. Selbst Weissweiler Emitiert immerzu Atomare Spaltprodukte durch die massenhafte Verbrennung der Braunkohle……..

    Jedoch hätte Man die Atomtechnologie in den 50 – 60 ziger Jahren einfach einmotten sollen und nicht weiter verfolgen. Somit wär die Endlagerfrage auch nicht ganz so Prekär…..

  6. Peter Schallenberg

    Wenn irgendetwas nachweislich Risse hat, das hohem Druck oder starker Belastung ausgesetzt ist, dann gebieten Verstand und Gefühl, dieses in einen soliden Zustand zu bringen (reparieren), zu ersetzen oder ggf. eben nicht mehr zu gebrauchen.

    Sollte und eines schönen Tags Tihange, Doel, Jülich oder sonst ein AKW in seiner ganzen Pracht und Herrlichkeit um die Ohren fliegen werden einige Foristen Ihre Meinungen umgehend ändern. Sofern dieses dann noch möglich ist.

  7. Guido Scholzen

    Herr Schallenberg,

    ein Leben ohne Risiko gibt es nicht.
    Als die Titanic unterging, hat man auch weiterhin Pasagierschiffe gebaut. Es werden auch in Zukunft Schiffe untergehen, aber man wird nicht mit dem bauen aufhören. Meinen Sie etwa, dass die Japaner die Kernkraft abschaffen, weil Fukushima ein mahnendes Beispiel ist? Nein, die wollen es höchstens besser machen.

    An der Kernkraft wird auch das 21.Jh. nicht vorbeikommen. Mit der Energiewende werden die Meiler in Deutschland abgeschaltet. In einigen Jahren wird man froh sein, man hätte nicht so töricht und voreiligt gehandelt.

  8. Matthias Kreidler

    Ich gewinne langsam den Eindruck, dass in Belgien und in den Niederlanden anscheinend bis heute nicht der Reaktorunfall von Tschernobyl bekannt ist. Gau oder Super Gau: Eine Tablette mit etwas leckerem Sprudel und alles ist gut. Sorry, aber lesen die Menschen in diesen Regionen keine Zeitung, schauen kein Fernsehen und lassen sich ggfls. von Lobbyisten einschüchtern? Ist mir alles schleierhaft und äußerst suspekt. Absolut nicht nachvollziehbar, Millionen von Menschen sind bei einem Unfall in Gefahr. Bis heute ist mir rätselhaft wie Menschen denken können, dass eine Tablette helfen würde. Die Informationspolitik bzgl. Auswirkung von hoher Strahlenbelastung scheint im Raum Benelux schlimmer zu sein, als im tiefsten Sibirien. Erschreckend. Und so etwas in der EU…

  9. dieter leonard

    Fazit:
    1. Es gibt keinen anthropogenen Klimawandel.
    2. Es gibt keine gesundheitlichen Gefahren bei Unfällen in Atomkraftwerken.

    Das postfaktische Zeitalter „at its best“.

  10. Jean-Pierre DRESCHER

    Herr Kreidler, das Problem in Belgien ist der Lobbyismus und die damit verbundene Obrigkeitshörigkeit vieler Menschen ggü. den autoritätren Staatsstrukturen. Manch einer glaubt gar dass ein Stück Belgien sterben würde wenn man die AKWs abschalten sollte. Und Kritik von den europäischen Nachbarn vertragen hier viele Leute einfach nicht. Stattdessen wird dann sogar gegen die gefilterten Kohlekraftwerke in Deutschland Bashing getrieben.

    En fin kann man es so zusammenfassen – wenn einer von der Brücke springt, machen alle anderen mit. Leider gilt das für viele hier. Man kann es auch Opportunismus bezeichnen oder preussischen Kadavergehorsam der belgischen Bevölkerung ggü. NV-A / MR-Föderalpolitikern und Konzernen.

  11. Carl Schumacher

    Sehr geehrte Herr Drescher !
    Bevor Sie der belgischen (!) Bevölkerung preussischen (!) Kadavergehorsam vorwerfen sollten Sie doch bitte ein wenig nachdenken.
    Waren und sind es nicht die Deutschen die einem gekauften Sommermärchen, einer blinden Anti-Atombewegung, einer fragwürdigen Energiewende und einer verlogenen Willkommenspolitik hinterhergehechelt sind ohne den Verstand einzuschalten?
    Solche Bewegungen werden in Belgien mit mehr Abstand (und Verstand) und Pragmatismus gesehen. Erst gut nachdenken und sich nicht von jedem Sprippenzieher einspannen lassen.