Ecolo-Mandatare in Kelmis treten zurück

Es kann als Tiefpunkt ostbelgischer Lokalpolitik bezeichnet werden, was am Montagabend im Kelmiser Gemeinderat geboten wurde. Die Ecolo-Fraktion lehnte eine Resolution zur Abschaltung von Tihange 2 und Doel 3 ab. Nun haben die Ecolo-Mandatare ihren Rücktritt eingereicht - auf eigene Initiative, unterstreicht die Parteispitze.

William Wechseler (Ecolo) tritt zurück

William Wechseler (Ecolo) tritt zurück

Die Kelmiser Ecolo-Mandatare, Schöffe William Wechseler und Gemeinderatsmitglied Rosi Kreusch-Ohn, sind von ihren Ämtern zurückgetreten. „Als verantwortungsvoller Politiker muss man zu seinen Fehlern stehen. Da gibt es auch nichts mehr schönzureden“, sagt William Wechseler im BRF-Interview.

Ihr Abstimmungsverhalten beim Gemeinderat am Montag habe die Werte von Ecolo in Frage gestellt. Da dieses Vorgehen einen Schatten auf die bisherige und zukünftige Arbeit im Gemeinderat werfen würde, habe man der Lokalgruppe Kelmis sowie der Partei am Mittwochabend den Rücktritt angeboten. Dieser wurde angenommen.

Bei der letzten Gemeinderatssitzung am Montag hatten Wechseler und Kreusch-Ohn sich nicht für eine sofortige Schließung von Tihange 2 und Doel 3 ausgesprochen. Einen entsprechenden Resolutionsantrag hatte die CSP gestellt.

Der CSP-Resolutionsvorschlag sei nicht weit genug gegangen. Eigentlich eine Steilvorlage für Ecolo, das eigene Profil zu schärfen. „Man kann mir Unerfahrenheit vorwerfen“, so Wechseler. „Ich kann mir vorstellen, dass gestandene Politiker diesen Moment ergriffen hätten.“ Die Lokalgruppe Kelmis möchte bis zur nächsten Gemeinderatssitzung eine Nachfolge bestimmen.

Dethier-Neumann: Werte sind wichtiger als Posten

Monika Dethier-Neumann, die Vorsitzende von Ecolo-Ostbelgien, bedauerte, dass dieser Vorfall ausgerechnet nach dem Energiewende-Forum vom Wochenende kam. Sie unterstrich, dass Wechseler und Kreusch-Ohn auf eigenen Wunsch zurückgetreten seien. „Sie sagen beide, dass sie es heute anders umsetzen würden und dass sie wissen, dass sie viele Menschen enttäuscht haben. Die Werte von Ecolo sind ihnen wichtiger als ihr Posten und deswegen haben sie auch diese Entscheidung gefällt. “

„Wir denken, dass wir damit zeigen, dass wir auch nur Menschen sind und uns vertun können. Dass wir dann zu unseren Fehlern stehen und daraus Konsequenzen ziehen. Und dass wir darauf mehr Wert legen als auf Posten. Wir wollen als Partei herüberkommen, die an ihren Werten hängt und dementsprechend Entscheidungen fällen können, sollte mal ein Faux-Pas geschehen.“

Monika Dethier-Neumann (29.9.2016)

mz/dop/km - Bilder: Simonne Doepgen, Renate Ducomble/BRF

3 Kommentare
  1. Alain Thaeter

    Respekt

  2. Bernd Brauer

    Die Rechtfertigung dass die Resolution nicht weit genug gehe, ist doch nur Geschwätz. Was kann weiter gehen als sofortige Abschaltung? Bei diesem Thema gibt es für vernünftige Menschen keine Denkalternative, egal welcher politischen Partei man angehört.

  3. Guido Scholzen

    Sollten wir diesen Ecolo-gen jetzt auch noch Respekt zollen?
    Welche Werte vertreten denn diese grünen Ideologen?
    Wenn es um realistische Vorgehensweisen geht, sollte sich diese grüne Partei besser selber verbieten. Die Grünen Polit-Bewegungen Westeuropas waren in den vergangenen Jahrzehnten wohl die nutzlosesten Regierungsparteien überhaupt.

    Zitat MDN: „dass dieser Vorfall ausgerechnet nach dem Energiewende-Forum vom Wochenende kam“.
    Meine Antwort: Belgien braucht keine Energiewende, sondern ein funktionierendes Stromnetz.
    Ich würde sagen, es sind noch viel zu wenig Grüne zurückgetreten.