Hat „DG“ ausgedient?

Eigentlich erwartete man kaum Überraschungen im Parlament, doch dass Regierungschef Paasch ankündigte, die Deutschsprachige Gemeinschaft werde sich mittelfristig als "Ostbelgien" darstellen, damit werden wohl die wenigsten gerechnet haben. Hat das Kürzel "DG" jetzt ausgedient? Ein Rück- und Ausblick.

DG-Parlament am Kehrweg. Oder OB-Parlament?

Im staatskundlichen Gefüge bleibt die Deutschsprachige Gemeinschaft, was sie ist. Beziehungsweise was sie werden will, nämlich ein Gliedstaat in einem Belgien zu viert. Aber der Außendarstellung und einer Standortstrategie sei das Kürzel abträglich. Dafür brauche es eine Dachmarke, sagte Ministerpräsident Oliver Paasch.

Nun, ein Beginn ist bereits erkennbar, in der Lancierung der Produkt- und Angebotsreihe „Made in Ostbelgien. Ostbelgien – deutsch ausgesprochen. Das dürfte dann auch für andere Gebiete im Osten Belgiens kein Problem darstellen, so der Regierungschef.

Der Publizist Marcel Bauer hat Recht, wenn er fragt: Wo fängt Ostbelgien an und wo endet es? Nun, das gleiche gilt auch, wenn nicht noch mehr, für das von ihm propagierte Vennland. So dann auch die Reaktion des Weismeser Schöffen Stany Noël, der nach der Verabschiedung des ersten Regionalen Entwicklungskonzepts in seine Heimatgemeinde lud und sich wunderte, dass besagtes Konzept so enge Grenzen hatte.

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Hat "DG" ausgedient? Ein kurzer Rück- und Ausblick - Frederik SchunckMP3
Publizist Bauer kritisiert "Ostbelgien"MP3

Nun, wirtschaftlich – und sicher touristisch – wird ja bereits in größerem Rahmen kooperiert. Dann muss „Ostbelgien“ auch nicht eine Rolle rückwärts sein. Zudem lenke man gezielt die Aufmerksamkeit auf den Osten Belgiens, wo alle Interesse daran hätten, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, so der Eupener Regierungschef im Interview.

„DG“ wird wohl weiter bestehen bleiben, sicherlich bei der jüngeren Generation, die mit diesem Kürzel sozialisiert wurde. Es wurde auch massiv implementiert: mit Radiospots, mit Logos, mit Aufklebern bis hin zu Teddybären für DG-Babys.

Das war auch nicht so schlecht, kam doch eine ganze Generation so in den Genuss, sich nicht zu einer Fahne hin bekennen zu müssen, oder zu symbolisch aufgeladenen sprachlichen Begriffen. Anders als die Vorgängergenerationen dies mussten. Unbeschwert zu einem Kürzel stehen zu können und so, quasi nebenbei, Einblick in das Neue Belgien mit seinen Kulturgemeinschaften und Regionen zu gewinnen, unbeschwert und praxisnah, etwa in dem Satz: „Ausleihen tun wir das bei der DG“. Ironie der Geschichte: das Magazin ‚Vif-Express“ hat inzwischen das Wort (nicht das Kürzel) geschaffen und gedruckt: „la dégé“.

Man darf gespannt sein, wie sich die Markenbezeichnung weiter entwickeln wird. Als Label, ein Gütesiegel, weniger eine Umbenennung, sicherlich keine verfassungsmäßig fragwürdige wie die Umbenennung der französischen Gemeinschaft in eine so nicht existierende „fédération“ mit Brüssel.

Frederik Schunck - Foto: Julien Claessen/BRF

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