GrenzEcho sucht neuen Chefredakteur

Wie am Mittwoch bekannt wurde, verlässt Lutz Bernhardt das GrenzEcho. Die Chemie zwischen Chefredakteur und Redaktion stimmte schon länger nicht mehr. Am Ende war das Arbeitsklima vergiftet. Damit steht das GrenzEcho jetzt ohne Chefredakteur da. Wie es jetzt weiter gehen soll, darüber sprachen wir mit GrenzEcho-Verleger Alfred Küchenberg sowie Geschäftsführer Olivier Verdin.

An der Spitze des Grenz-Echos: Verleger Alfred Küchenberg und Geschäftsführer Olivier Verdin

An der Spitze des Grenz-Echos: Verleger Alfred Küchenberg und Geschäftsführer Olivier Verdin

Drei Wechsel an der Spitze der GrenzEcho-Redaktion in nur vier Jahren. Ein hoher Verschleißwert, aber für GrenzEcho-Verleger Alfred Küchenberg ist es nicht so dramatisch, wie es sich anhört. „Ich glaube, die erste Sache, die man sagen muss, ist: Es ist nicht der dritte Chefredakteur, sondern der zweite. Wir hatten vorher eine Redaktionsleitung. Und zweitens kann es in diesem Job Erneuerungen geben, die der Redaktion neue Impulse geben. Und es kann auch Abgänge geben, die aus persönlichen und internen Gründen bedingt sind“, so Küchenberg.

Das GrenzEcho zeigt jedenfalls kein Interesse daran, interne Geschichten an die große Glocke zu hängen. Eines wird aber schnell klar. Die GrenzEcho-Leitung verliert kein schlechtes Wort über den scheidenden Chefredakteur Lutz Bernhardt. „Lutz Bernhardt hat sehr gute Arbeit geleistet. Er hat wirklich Qualität in das redaktionelle Tagesgeschäft gebracht. Er hat verschiedene neue Sachen entwickelt, wie zum Beispiel der Relaunch der gedruckten Zeitung vor zwei Jahren und jetzt der Internetauftritt“, sagt GrenzEcho-Geschäftsführer Olivier Verdin.

Verdin: „Es gab keinen Zwist“

Die journalistischen Qualitäten von Lutz Bernhardt werden von der GrenzEcho-Führung nicht infrage gestellt. Auch die GrenzEcho-Redaktion hat dies nie getan. Die wollte sich heute nicht zu den Ereignissen äußern. Hinter vorgehaltener Hand wurde Bernhardt von mehreren Redakteuren aber immer wieder wie eine Art Fremdkörper beschrieben, der mit den Eigenheiten Belgiens und der Region unzureichend vertraut sei. Hinzu sei eine Beratungsresistenz gekommen.

Geschäftsführer Olivier Verdin sieht die Dinge eher so: „Es gab keinen Zwist, aber, wie wir schon beim letzten Mal gesagt haben, im Moment läuft im GrenzEcho ein Veränderungsprozess. Dass das nicht immer einfach ist, ist klar. Und für Lutz Bernhardt ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo er freiwillig ausgeschieden ist.“

Wie geht es jetzt weiter? Sicher ist, auch ohne Chefredakteur fällt die Zeitung morgen in den Briefkasten der Abonnenten. Die Redaktion ist eingespielt. Die Aufgaben auch in der Ferienzeit verteilt.

Keine Eile bei Suche nach neuem Chefredakteur

Das GrenzEcho soll aber wieder einen neuen Chefredakteur erhalten. Eine neue Doppelspitze ist nicht angedacht. Eile sei auch nicht geboten, sagen Küchenberg und Verdin. Man wolle sich die nötige Zeit lassen, einen guten Kandidaten zu finden. Dabei kann der sowohl aus den eigenen Reihen kommen als auch von außen.

„Wir werden sehen, was sich da herauskristallisiert. Sollte auf dem Markt etwas Gutes oder Besonderes sein, dann werden wir bestimmt nicht die Augen schließen. Die Leute, die sich berufen fühlen, können sich gerne bewerben. Für gute Leute sind wir immer offen. Nichts ist unmöglich“, so Küchenberg.

Chefredakteur einer Zeitung zu sein, ist im Internetzeitalter kein einfacher Job. Nicht nur das GrenzEcho, fast alle gedruckten Zeitungen haben mit Auflagenschwund zu kämpfen. Verlage weltweit sind angehalten, sich neu zu erfinden, neue Angebote außerhalb des klassischen Verlagswesens zu finden. Das GrenzEcho als journalistische Marke soll aber weiter bestehen bleiben, so Verleger Alfred Küchenberg. „Ich glaube, die Rolle der Lokalzeitungen wird weiter bestehen bleiben. Klar ist, dass sich Print und Digital ändern werden. Sie sind komplementär.“

GrenzEcho als Wochenzeitung?

Es ist möglich, dass die Printausgabe mal in einem anderen Rhythmus erscheint. Aber das ist nicht für heute und auch nicht für morgen. Das GrenzEcho als Wochenzeitung: Langfristig kein Hirngespinst. Aber zur Zeit einfach keine Option.

Die Marke GrenzEcho darf und soll sich aber weiterentwickeln. „Die Marke GrenzEcho wird sich weiter etablieren. Das ist ja auch eine Marke mit besonderem Bekanntheitsgrad und Qualität. Das wollen wir weiter fördern und ausbauen. Wir haben die ‚Lokalrunde‘ gestartet, die über mehrere Monate laufen wird. Da wollen wir spüren: Was will der Bürger. Was will unser Leser. Und da werden wir ganz intensiv drauf eingehen“, so Geschäftsführer Verdin.

Eine klare Aufgabe auch für den nächsten Chefredakteur, der auch den Ansprüchen der Redaktion gerecht werden muss. „Die Redaktion wünscht natürlich, dass sie gute Arbeit machen kann. Sie wollen eine gute Mannschaft bilden mit einem Leiter, mit dem sie gut klarkommen“, erklärt Alfred Küchenberg.

Manuel Zimmermann - Archivbild: GrenzEcho

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Ein Kommentar
  1. Jens Nitzschke

    In Sache „Einsicht“ scheint mir dieser Herr K. von der Sorte zu sein, die selbst dem lieben Gott – wenn es einen gibt -, oder dem Teufel – den gibt es mit Sicherheit -, im Fegefeuer (wer von beiden ist noch einmal dafür verantwortlich?) Paroli bieten zu wollen. 3 Chefredakteure in solch kurzer Zeit? Es stinkt, ganz einfach. Und die guten Worte danach, tja, wie wär’s wenn der betroffene aussagte? Schließlich ist das G-E nicht irgendeine Zeitung: Es ist die einzige Zeitung in deutscher Sprache Belgiens. Da gibt es schon so etwas wie Verantwortung dem Bürger gegenüber. Auch, gerade? wenn es sich um ein lokales Blatt handelt.

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