Großen Bahnhof gab es am Wochenende in vielen Städten und Dörfern der Wallonie. Zu den Feierlichkeiten rund um den Festtag der Region gab es vielerorts Volksfeste und Konzerte. Bei der offiziellen Feier in der wallonischen Hauptstadt Namur war dieses Mal die Nachbarregion Flandern Ehrengast. Zum ersten Mal seit Beginn seiner Regierungszeit besuchte auch König Philippe den Festakt in Namur.
Es ist vielleicht bezeichnend für das Verhältnis beider Regionen, dass Flandern das erste Mal in der Geschichte der "Fêtes de Wallonie" Ehrengast war. So sagte der wallonische Ministerpräsident Adrien Dolimont. Die flämische Meinung zum Süden des Landes sei oft verletzend, aber nicht ohne Wahrheit gewesen. Im Bezug auf kommende Reformen und Sparmaßnahmen auf föderaler Ebene erinnerte er daran, dass solche Vorhaben nicht automatisch in beiden Landesteilen gleich gut funktionieren.
Sein flämischer Amtskollege, Matthias Diependaele, betonte seinerseits die wirtschaftlichen Stärken der Region und ihr Entwicklungspotential. "Die Wallonie solle auf sich selbst vertrauen - vielleicht könnte dieses Vertrauen die Region dazu bringen, eines Tages ihre Unabhängigkeit zu erklären, so der N-VA Politiker.
Thema war auch der Brand im Hohen Venn. Dazu sagte Dolimont, dass Wiederaufbau allein keine Politik sei. Das Klima gehe nicht wählen, deshalb müsse die Politik die Region über Parteifarben und Wahltermine hinaus besser auf solche Katastrophen vorbereiten, so der MR-Politiker.
Die Opposition wertete die Reden der Regierungsmitglieder als realitätsfern. Die sozialistische PS kritisierte, es sei nicht ein Wort über die finanziellen Schwierigkeiten vieler Haushalte oder die Notwendigkeit, neue und gute Jobs zu schaffen, gefallen. Für die kommunisitische PTB zeugten die Dankesworte der Regierung an die Einsatzkräfte im Venn vor allem von Doppelmoral. Die Regierung solle anerkennen, dass es falsch war, Mittel für Forstämter und Hilfeleistungszonen zu reduzieren. Lob helfe nichts, ohne einen konkreten Plan, wie diese Dienste künftig finanziell abgesichert werden könnten.
Insgesamt verliefen die Feierlichkeiten zum Festtag der Wallonischen Region am Wochenende ruhig. Einen Zwischenfall gab es beim offiziellen Feuerwerk in Namur. Dort geriet Vegetation an einem Hang der Zitadelle in Brand. Durch die schnelle Reaktion von Feuerwerkern und Feuerwehrleuten konnten sich die Flammen aber nicht ausbreiten.
belga/ake