"Es gibt wirklich nichts, was es nicht gibt". Das dürften sich viele gesagt haben, nachdem sie die heutige Titelgeschichte von Het Laatste Nieuws gesehen hatten. "Jugendliche bekommen Geld für Straßenrennen", schreibt das Blatt. Und das ist wirklich wörtlich zu verstehen. Die Handy-App "TripRank" belohnt nämlich tatsächlich Autofahrer, wenn die besonders schnell unterwegs sind. Für Videos solcher Fahrten, die besonders häufig angeklickt werden, gibt es sogar Geld. Die Polizei schlägt jedenfalls Alarm. Das Institut für Straßenverkehrssicherheit Vias ruft seinerseits den zuständigen Minister dazu auf, die App zu verbieten.
"Auf den ersten Blick mag die App harmlos anmuten. Aber sie ist es nicht! Im Gegenteil! Das ist völlig inakzeptabel!" Benoit Godart, der Sprecher des Instituts für Straßenverkehrssicherheit Vias, ist hörbar empört. Besagte App, die ihn so auf die Palme bringt, hört auf den Namen TripRank. Auf den ersten Blick erinnert das an Sport-Apps wie z.B. Strava, die also Aktivitäten wie Laufen oder Radfahren per GPS aufzeichnen, analysieren und die Daten dann gegebenenfalls mit anderen Nutzern teilen. Mit dem einen Unterschied, dass sich TripRank eben nicht an Sportler wendet, sondern an Autofreaks.
Es geht also nicht um die eigene körperliche Leistung, sondern -grob gesagt- um Autofahrten, die aufgezeichnet und geteilt werden. "Bis dahin: Kein Problem!", sagte Benoit Godart in der RTBF. Allerdings wird nicht nur die Wegstrecke aufgezeichnet, sondern vor allem auch die Geschwindigkeit. Und in der Praxis ist es ganz offensichtlich so, dass die User dazu ermuntert werden, besagte Distanz möglichst schnell zurückzulegen. Denn je schneller man ist, desto höher steigt man in einer Rangliste.
Und es geht offensichtlich vor allem um dieses Klassement. Im Grunde verrät das ja schon der Name der App: "TripRank", darin enthalten ist ja das Wort "Rank", Rangliste eben. Die Verantwortlichen der App plädieren derweil auf unschuldig. Tatsächlich wird in den allgemeinen Geschäftsbedingungen ausdrücklich darauf hingewiesen, dass überhöhte Geschwindigkeit, rücksichtsloses Fahren und Straßenrennen verboten sind.
"Das ist natürlich ein Feigenblatt", sagt der Vias-Sprecher. Das ganze Layout der App ist ganz klar auf Raser zugeschnitten. "Und wer noch Zweifel hat", fügt Benoit Godart hinzu: "Es gibt auch noch eine weitere Funktion. Wer zum Beispiel eine Geschwindigkeit von 250 Stundenkilometern erreicht, bei dem poppt gleich eine Mitteilung auf: 'Sehr gutes Ergebnis!', heißt es dann. Und, kleines, aber wichtiges Extra: Radarfallen sind fein säuberlich vermerkt. Kein Zweifel also: Das ist quasi eine Einladung zum Rasen."
"Und jetzt kommt die Krönung", sagt der Vias-Sprecher. "Die Nutzer werden auch noch bezahlt. Man kann über die App nämlich auch Videos teilen. Und für jeweils 1.000 Aufrufe verspricht die App 52 Cent. Naja, und so werden die Nutzer eigentlich dazu ermuntert, möglichst spektakuläre Videos hochzuladen, in denen sie besonders schnell und risikoreich unterwegs sind."
TripRank ist übrigens nicht alleine. Wenn man sich mal ein bisschen in der Welt der Autofreaks herumtreibt, dann findet man noch eine ganze Reihe weiterer Apps dieser Art. Die Polizei hat das Problem auch schon längst auf dem Schirm. Zwar gebe es keine unmittelbaren Beschwerden über die jeweiligen Anwendungen, man beobachte allerdings schon häufiger, dass Videos im Netz auftauchen, die haarsträubende Fahrmanöver zeigen.
"Diese Leute scheinen inzwischen vergessen zu haben, dass all das illegal ist, und dass da auch harte Strafen drohen", sagte An Berger, die Sprecherin der Föderalen Polizei, in der VRT. Wer auf die Autobahn mehr als 40 km/h zu schnell fährt und dabei erwischt wird, der landet automatisch vor einem Polizeigericht, und dem drohen eine Geldstrafe von mehreren Tausend Euro und ein Fahrverbot von bis zu fünf Jahren."
Er finde es jedenfalls traurig, dass solche Apps überhaupt in Umlauf sind, sagt Benoit Godart von Vias. Man habe sich schon an den zuständigen Minister Jean-Luc Crucke gewandt. Und der habe eine Untersuchung angeordnet, sagte Godart. "Das ist kein Spiel! Im vergangenen Jahr hatten wir wieder knapp 500 Verkehrstote zu beklagen. Und wir werden alles versuchen, um solche Apps aus dem Verkehr zu ziehen."
belga/vk