Außenminister Prévot hat mit Verständnis auf die Verärgerung der italienischen Regierung zur Gedenkfeier an das Grubenunglück von Bois du Cazier reagiert. Prévot bedauert, dass das Gedenken zeitweise als politische Bühne benutzt worden sei. Einen offiziellen Protest der italienischen Regierung gibt es bislang nicht.
Noch am Samstag selbst hatte sich Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni über die Zeremonie in Bois du Cazier in sozialen Medien aufgeregt. Sie selbst war der Zeremonie ferngeblieben, um Protesten aus dem Weg zu gehen. Gewerkschaften und andere Gruppierungen hatten angekündigt, gegen Meloni von der rechtsextremen Partei Fratelli d’Italia protestieren zu wollen.
Als dann am Samstag der italienische Senatspräsident Ignazio La Russa von der gleichen Partei das Wort ergriff, bekam er den Protest zu spüren. Demonstrativ kehrten Gewerkschaftsmitglieder der Rednerbühne den Rücken zu. "Eine schwerwiegende und beschämende Geste", schimpfte wenig später Meloni im Netz.
Außenminister Prévot versucht nun, die Wogen wieder zu glätten. Politische Meinungsverschiedenheiten hätten auf Gedenkfeiern keinen Platz. Die Geste der Gewerkschaftsmitglieder könne "als Beleidigung Italiens und seiner Institutionen aufgefasst werden", teilt Prévot mit.
Bei dem Grubenunglück von Bois du Cazier waren vor 70 Jahren 262 Bergleute gestorben. Mehr als die Hälfte von ihnen waren Italiener.